4. Dehoga-Branchentag: Merkel gegen die 7 Prozent


Rund 1.000 Gäste, Experten aus Politik, Gesellschaft und der Branche des Gastgewerbe trafen sich am 25. November 2008 zu ihrem 4. Dehoga-Branchentag im Hotel InterContinental Berlin. Als prominenteste Rednerin trat Bundeskanzlerin auf. Angela Merkel appellierte an die Banken sich zu bewegen. Die Finanzkrise könne nicht allein durch staatliche Programme gelöst werden. Auch Banken müssten ihren "Beitrag zum Gemeinwohl" leisten und wieder Kredite vergeben. Und ohne funktionierende Finanzinstitutionen könnten die wirtschaftlichen Probleme nicht gelöst werden. Für das deutsche Gastgewerbe wäre eine niedrigere Mehrwertsteuer nach den Worten des Dehoga-Präsidenten Ernst Fischer das beste Konjunkturprogramm. Die Stimmung in der Branche hat sich nach einen hoffnungsvollen Beginn 2008 unter dem Eindruck der Finanzkrise deutlich eingetrübt. Die Ertragslage sei angespannt, hieß es. Forderungen des Gastgewerbes nach einer ermäßigten Mehrwertsteuer für die Branche von sieben Prozent erteilte Merkel eine Absage. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht aus der Ausnahme eine Regel machen, betonte sie. Der DEHOGA fordert seit langem einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz, den es in vielen EU-Staaten für Hotellerie und Gaststätten bereits gibt. Der Verband geht davon aus, dass eine Senkung von derzeit 19 auf sieben Prozent 70.000 Arbeitsplätze schaffen könnte. In Sachen TVanschlussgebühren, die gerade kleinere und mittlere Hotels drückten, wolle sie mit den Ministerpräsidenten noch einmal sprechen. Da könnte man vielleicht "eine Lösung" finden.


Mit Erfolgsmacher der Branche – Sarah Wiener, Kai Hollmann, Klaus Kobjoll, Charles Schumann, Walter Stemberg und André Witschi – diskutierte Sabine Christiansen das Thema „Worauf kommt es in unserer Branche wirklich an?“ Eine vormittägliche Talkrunde, die mit Beifall und teilweise Zustimmung der Gäste bedacht wurde.

Ernst Fischer der auf der Delegiertenversammlung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA Bundesverband) in geheimer Wahl einstimmig für weitere vier Jahre in seinem Amt als Präsident bestätigt wurde, sprach zur aktuellen Lage und Stimmung im Gastgewerbe und forderte Investition in den Tourismusstandort Deutschland.


„In der Tat, die Hoteliers und Gastronomen beurteilen ihre Situation so schlecht wie lange nicht mehr. Dennoch dürfen wir den Kopf nicht in den Sand stecken und müssen mit kreativen Angeboten und herzlicher Gastfreundschaft unsere Gäste begeistern“, ermutigt Fischer seine Kollegen. Mehr denn je käme es jedoch auf die „richtige politische Begleitmusik“ an, die unternehmerisches Handeln belohnt und nicht bestraft. „Statt über Steuererleichterungen bei Neuwagen zu diskutieren, wäre es an der Zeit, endlich in den Tourismusstandort Deutschland zu investieren“, mahnt Fischer Handlungsbedarf an und verweist auf die zentrale Forderung der Branche nach Einführung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für Hotellerie und Gastronomie. „Denn wir verlagern unsere Betriebe nicht ins Ausland, wir schaffen hier Arbeits- und Ausbildungsplätze.“ Nach der aktuellen DEHOGA-Konjunkturumfrage unter 3.000 Hoteliers und Gastronomen würden 80 Prozent der Unternehmer die eingesparte Mehrwertsteuer für Preissenkungen, Investitionen sowie Mitarbeiterqualifizierung und -entlohnung nutzen. „Damit wären die Mehrwertsteuerausfälle für den Staat nur von kurzfristiger Dauer“, macht Fischer deutlich. „Der Deutschlandtourismus hat Potenzial, das es zu nutzen gilt.“

Abgerundet wurde der 4. Branchentag mit einer glanzvollen Galanacht.

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