Fleischerverband Bayern kritisiert NGG

Handwerk oder Industrie? Hauptsache Fleischbranche! Das bayerische Fleischerhandwerk zeigt sich verärgert über Pressemeldungen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

In einem flächendeckenden Presse-Echo forderte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten einen höheren Mindestlohn für die Fleischindustrie. Genau kritisieren die einzelnen Regionalgeschäftsführer der NGG, „dass die Fleischindustrie immer noch eine Niedriglohnbranche ist. Wer Tiere schlachtet oder Grillwürste verpackt, verdient selbst oft sogar nur den gesetzlichen Mindestlohn. Doch mit der „Arbeit zum absoluten Billiglohn“ müsse jetzt Schluss sein. Deshalb fordert die NGG mindestens 14,50 Euro pro Stunde als Untergrenze bei der Bezahlung für die Branche.“

Fehlende Differenzierung

Diese Berichte rufen nun aber auch die auf den Plan, die eigentlich gar nicht Adressaten der Berichterstattung sind – Bayerns Handwerksmetzger. Die sind wegen der fehlenden Differenzierung sehr verärgert. „Zahlreiche Kollegen wurden seit letzter Woche auf die Presseberichte von ihrer Kundschaft angesprochen: Es wurde gefragt, warum wir als Branche so schlechte Löhne bezahlen. Schließlich steht das ja in der Zeitung. Dabei liegt unser Mindestlohn im Fleischerhandwerk deutlich über den von den im NGG-Artikel geforderten Zahlen. Aber wir können Tariflöhne erhöhen wie wir möchten, wenn solche undifferenzierten Berichte unsere positiven Abschlüsse dann in den Schatten stellen. Wir haben versucht die Kunden darüber aufzuklären, aber leicht ist das nicht“, sagt Werner Braun (Bild oben), Vorsitzender der Tarifkommission des Fleischerverbandes Bayern und stv. Landesinnungsmeister.

Bisher gutes Miteinander

Dabei pflegt der Fleischerverband Bayern, die Vertretung der Handwerksbetriebe, seit Jahren ein gutes Miteinander mit der Gewerkschaft. „Fleischindustrie und Fleischerhandwerk in Bayern haben jeweils einen eigenen Tarifvertrag. Das möchten wir deutlich klarstellen. Unsere jährlichen Tarifverhandlungen laufen stets fair, auf Augenhöhe und immer mit achtbaren Abschlüssen für Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite ab. Wir liegen allein jetzt bei den Ausbildungsvergütungen im 1. Ausbildungsjahr bei 1.100,00 Euro zzgl. dem, was viele Arbeitgeber zusätzlich noch obendrauf legen. Und auch in diesem Jahr werden wir wieder etwas tun. Da müssen wir uns nicht verstecken. Zähe und ellenlange Verhandlungen waren nie unser Ziel, sondern immer ein konstruktives und zukunftsorientiertes Miteinander“, so Werner Braun weiter.

Klischees bedient

Und Lars Bubnick, Geschäftsführer des Fleischerverband Bayern ergänzt: „Wir hatten den gleichen Vorfall schon einmal, als die NGG von „Wildwestmethoden in der Fleischbranche“ geschrieben hatte. Auch damals waren angeblich Industriebetriebe gemeint. Der Unmut der Kunden ergoss sich aber über dem Handwerk. Wir haben zu den jetzigen Berichten mehrere Anfragen erhalten. Der Artikel erschien sogar in Regionen, in denen es nach Kenntnis der dortigen Obermeister gar keine Fleischindustriebetriebe gibt. Zudem bezweifle ich, dass bei den Industriekollegen ausgebildete Fachkräfte zum aktuell gültigen gesetzlichen Mindestlohn arbeiten. Aber das ist nicht unserer Baustelle. Man sieht jedoch einmal mehr, welches Spiel hier medial getrieben wird. Die Verbraucherinnen und Verbraucher sollen beim zügigen Lesen der Zeitung offenbar auch gar keine Unterscheidungen treffen. Man liest schnell „Fleischbranche“ und „Niedriglohnsektor“! Schon sind einfach wieder alle Klischees bedient. Ich hätte mir hier eine differenzierte Berichterstattung sowie eine stichhaltige Prüfung durch die jeweiligen Redaktionen gewünscht. Wir stehen hier gerne aufklärend zur Verfügung.“

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