Schlag ins Gesicht

„Ich möchte den Leuten nicht vorschreiben, was sie essen sollen.“ So äußerte sich der Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir Ende 2022, als er die Eckpunkte für eine neue Ernährungsstrategie vorstellte. Von dieser Einstellung scheint heute nicht mehr viel übrig zu sein. Denn laut einer internen Anweisung im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), soll das Catering bei hausinternen Veranstaltungen künftig ausschließlich vegetarisch sein und zu 100 % aus ökologischem Landbau stammen. Fleisch und Wurst werden also von den Buffets und Tellern des BMEL verbannt. Ausnahmen sollen nur noch möglich sein, wenn vorab eine Sondererlaubnis eingeholt wird. Solche Ausnahmen soll es etwa im Rahmen des „Tags der offenen Tür“ sowie bei Empfängen im Rahmen der Internationalen Grünen Woche geben.

Kein Feingefühl für Handwerker und Landwirte

Bayerns Handwerksmetzger sind angesichts dieser Verbotsregelung fassungslos. „Erst kürzlich hat Cem Özdemir in der Öffentlichkeit gesagt, dass er Vorgaben für den Verzehr von Fleisch in Gramm pro Tag nicht für zielführend hält. Nun lässt er die Maske fallen und macht selbst die Vorgabe von Null Gramm Fleisch für Gäste seines Hauses. Das soll keine Verbotspolitik sein? Diese Vorgabe hat nichts mehr mit einer freiheitlichen Lebensweise zu tun, sondern ist ein diskriminierender Schlag ins Gesicht der hart arbeitenden Landwirte und Handwerksmetzger“, so Bayerns Landesinnungsmeister Konrad Ammon (re.).

„Das Recht zur freien Entscheidung gilt für alle.“

Und er geht noch einen Schritt weiter: „Über 90 % der deutschen Bevölkerung sind Flexitarier – essen also Fleisch und Wurst. Wieso maßt sich der Bundeslandwirtschaftsminister an, seinen Gästen die Entscheidung der eigenen Ernährung abzunehmen. Was kommt als nächstes? Ein Verkehrsminister, der Gästen seines Ministeriums verbietet mit dem Auto zu anzureisen, weil er selbst gern mit dem Fahrrad fährt? Es steht Cem Özdemir selbstverständlich frei, sich zu ernähren, wie er es gerne möchte. Das heißt aber noch lange nicht, dass er seine Ernährungsweise den Veranstaltungsgästen seines Hauses aufzwingen muss. Denn dieses Recht zur freien Entscheidung gilt für alle anderen auch. Und solange das so ist, steht die Verantwortung für Landwirtschaft und Metzgerhandwerk in seiner Stellenbeschreibung. Dementsprechend sollte er sich innerhalb seines Ministeriums auch verhalten.“

Auch Deutscher Fleischer-Verband übt Kritik

Und auch der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) reagierte auf diese fleischlose Kost im BMEL und bot dem Minister an, dass die fleischerhandwerklichen Betriebe in Deutschland diese „Lücke“ in der ausgewogenen Ernährung mit gesunden, regionalen und nachhaltigen Produkten gerne schließen. Den vollständigen Verzicht auf Fleisch und Wurst, den nach dem BMEL zwei weitere Ministerien ausgerufen haben, sieht der Verband mit Sorge. Das stehe im Widerspruch zur Lebenswirklichkeit der meisten Menschen, auch der Gäste und Beschäftigten des Ministeriums. „Deshalb braucht es das Verbot von oben, denn wenn die Menschen die Wahl haben, werden sie auch immer mal wieder zum Fleisch greifen, weil es zur guten Ernährung dazugehört“, so DFV-Präsident Herbert Dohrmann: „Wir alle wollen ordentliche Gesetze, aber wie soll das gehen, ohne ausgewogenes und genussreiches Essen für Abgeordnete und Ministeriale?“

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