fleischnet Superspreading Fleischindustrie BGN

Superspreading in der Fleischindustrie

Einflussfaktoren auf das Ausbruchsgeschehen

Ihre Untersuchungen zu Einflussfaktoren auf das Covid-19-Ausbruchgeschehen in Unternehmen der Fleischindustrie hat die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) jetzt in der internationalen, multidisziplinären Online-Fachzeitschrift „Plos One“ veröffentlicht. In die Studie, Originaltitel „Investigation of superspreading Covid-19 outbreak events in meat and poultry processing plants in Germany: A cross-sectional study“, flossen Daten aus 22 Unternehmen der Fleischindustrie mit zusammen über 19.000 Beschäftigten ein.

Grundsätzliche Ergebnisse:

• Je niedriger die Temperatur am Arbeitsplatz, desto höher das Infektionsrisiko.
• Frischluftzufuhr kann die Gefahr für eine Sars-CoV-2 Infektion senken.
• Und auch an diesen Arbeitsplätzen gilt, dass zu geringer Abstand das Infektionsrisiko massiv erhöht.

Superspreading trotz Schutzmaßnahmen

Im Jahr 2020 kam es trotz diverser Schutzmaßnahmen in Betrieben der Fleischindustrie zu größeren Ausbrüchen von Covid-19. Hierbei wurden Infektionsketten sowohl im privaten Bereich als auch im unmittelbaren Arbeitsumfeld vermutet. In den Fokus gerieten betriebsbezogene Faktoren wie Temperatur und Lüftungsbedingungen in den Betriebsstätten.

Um den möglichen Zusammenhang zwischen arbeitsbezogenen Faktoren und dem Ausbruchsgeschehen abzuschätzen, führte die BGN im Zeitraum Juni bis September 2020 die Befragung durch. Bei einem Drittel der Befragten (7) handelte es sich um Betriebe mit vielen Infizierten (mehr als 10), weitere fünf Unternehmen hatten zwischen 0 und 10 Infizierten, die restlichen zehn Unternehmen wiesen kein Infektionsgeschehen auf.

In den beiden Betriebsgruppen mit Infizierten wurden mindestens 880 Beschäftigte positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Zunächst wurde der Einfluss der Temperatur untersucht. Ergebnis: Je niedriger die Temperatur im Arbeitsbereich, desto höher die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Virus zu infizieren. Sie steigt mit jeder Abnahme der Temperatur um ein Grad Celsius um 3 Prozent.

Frischluft und Abstand senken Infektionsrisiko

Drastisch beeinflusst der Abstand der Beschäftigten zueinander die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken. Um 87 Prozent erhöht ist es für Beschäftigte in Arbeitsbereichen, in denen der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann.

In Arbeitsbereichen mit einer raumlufttechnischen Anlage hingegen ist das Risiko einer Corona-Infektion für die Beschäftigten geringer. Es fällt der Studie zufolge um 24 Prozent niedriger aus als in Betrieben ohne derartige Einrichtungen. Dabei beeinflusst auch die Menge der zugeführten Frischluft das Infektionsrisiko. Pro 100 Kubikmeter zusätzlich zugeführter Frischluft pro Stunde und pro Person sinkt es um 34 Prozent. Werden dagegen nur zehn Kubikmeter Frischluft zugeführt, verringert sich das Risiko einer Infektion nur um 4 Prozent.

Das Fazit:

Alle untersuchten Faktoren haben Einfluss auf das Infektionsgeschehen. Die Temperatur in gekühlten Arbeitsbereichen in Betrieben der Fleischwirtschaft wird sich jedoch ebensowenig im Sinne eines Infektionsschutzes gegen Sars-CoV-2 verändern lassen wie sich ein Mindestabstand immer gewährleisten lässt. Umso wichtiger ist es, dass die Unternehmen die Maßnahmen des betrieblichen Infektionsschutzes, die sie beeinflussen können, etwa das konsequente Tragen eines Mund-Nase-Schutzes oder eine ausreichende Versorgung mit Frischluft, zum Schutze Ihrer Beschäftigten auch tatsächlich umsetzen. Die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe hat gegen Superspreading branchenspezifische Handlungsempfehlungen veröffentlicht.

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