Raps Forschung Gruenalgen

Mehr Pepp für Fleischalternativen

Algen und Pilze: Raps-Stiftung fördert zwei Forschungsarbeiten

In einer von der Adalbert-Raps-Stiftung geförderten Studie haben sich Forschende der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden mit der Extraktion von Lutein aus Grünalgen befasst. In einem Projekt der Uni Hohenheim hingegen geht es um die Gewinnung fleischiger Aromen mittels Fermentation. Zwei Forschungsarbeiten, die starkes Potential für die Lebensmittelproduktion bergen.

Der Geruch eines Lebensmittels spielt für den Genuss eine große Rolle und wirkt sich auch auf das Geschmackserlebnis aus. Um alternativen Fleischprodukten mehr Aroma zu verleihen, hat ein Team der Universität Hohenheim an der Fermentation von Gewürzen geforscht, mit dem Ziel, fleischige Aromen zu gewinnen.

Authentische Aromen gesucht

Dafür wurden Zwiebel, Lauch, Knoblauch, Schnittlauch und Bärlauch in Wasser über 18 bis 32 Stunden mit dem Mycel essbarer Ständerpilze fermentiert. „Während durch den Polyporus umbellatus (Eichhase) leberwurstähnliche Aromen entstanden, sorgte die Fermentation mit dem Laetiporus sulphureus (gemeiner Schwefelporling) für eher fettige, frikadellenähnliche Eindrücke“, erklärt Felix Stöppelmann, ehemaliger Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Hohenheim.

„Es ist doch so, dass viele Leute bereit sind, weniger Fleisch zu essen“, sagt er. Es mangle jedoch an natürlichen und nachhaltigen Fleischaromen für Ersatzprodukte, „ein Haupthindernis für die Akzeptanz“. Da Vegetarier und Veganer fleischlose Produkte aus Überzeugung kaufen, haben die Forschenden eher die Zielgruppe der Flexitarier identifiziert. Felix Stöppelmann sieht das fehlende, authentische Aroma als einen Grund für die Skepsis gegenüber Fleischalternativen.

Enormes Potential für Fleischersatz

Die Forschenden haben 15 verschiedene Pilze getestet, wobei sich der Laetiporus als sehr geeignet erwies. Auf Englisch heißt der Pilz auch „Chicken of the woods“, also das Hühnchen des Waldes – ein essbarer Pilz, der bereits wichtige Eigenschaften mitbringt und am Ende die lebensmittelrechtliche Zulassung erleichtern kann. „Wir haben den Fermentationsansatz in Erbsenburger-Patties appliziert und die fleischigen Aromen auch nach dem Braten noch immer wahrgenommen, sogar der Geschmack wurde verbessert“, sagt Felix Stöppelmann. Eine vielversprechende Lösung, an der die Universität mit einem Folgeprojekt weiterarbeiten wird.

Lutein als Lebensmittelzusatzstoff

In einem ganz anderen Forschungsbereich bewegt sich Dr. Jörg Schäffer von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Hier wurde in Kooperation mit dem Team rund um Prof. Dr. Christoph Lindenberger von der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden eine Machbarkeitsstudie zur Extraktion von Lutein aus der Grünalge Chlamydomonas asymmetrica (Bild o.) durchgeführt. „Lutein ist einerseits ein Medikament, in der Lebensmittelindustrie dient es jedoch als Farbstoff mit antioxidativer Wirkung“, erklärt Dr. Schäffer. Normalerweise wird Lutein aus der Tagetes erecta, auch bekannt als Studentenblume, gewonnen. Der Nachteil jedoch: „Die Tagetes-Pflanze ist stark von Witterungseinflüssen abhängig, das bedeutet einen ungleichmäßigen Rohstoffstrom.“

Im Prinzip kommt Lutein in jeder Pflanze vor, allerdings in sehr geringen Mengen. Algen jedoch, vor allem Mikroalgen, verfügen über Lutein in hohen Mengen. „Algen produzieren Lutein, um sich bei intensiver Sonnenbestrahlung vor Oxidationsstress zu schützen“, sagt Jörg Schäffer. Dass man Algen in Reaktoren züchten kann, sei ein großer Vorteil, denn man könne kontinuierlich ernten. „Unsere Aufgabe im Rahmen der Studie war es, das Lutein möglichst rein aus der Alge zu extrahieren.“

Alternative in Zeiten des Klimawandels

Den Forschenden ist es tatsächlich gelungen, das Lutein mittels Ethanol-Extraktion nahezu rein zu gewinnen. Auch wurden antioxidative Eigenschaften der Extrakte nachgewiesen. „Wir haben das Feld mit unserer Studie eröffnet, jetzt ist die Industrie am Ball“, sagt Dr. Jörg Schäffer. Ganz einfach sei die Extraktion nicht, Störsubstanzen müssten etwa getrennt werden, aber „es ist eine Chance zur alternativen Luteingewinnung in Zeiten des Klimawandels.“

Solche Algen würden zum Beispiel auch in der Wüste in künstlichen Wasserbecken gut wachsen, und was nach der Extraktion übrig bleibe, könne in Tierfutter oder Biogasanlagen verwertet werden. „Es ist am Ende eine Frage von Kosten/Nutzen, aber wir können sagen, dass das aus Mikroalgen gewonnene Lutein hochwertiger ist als das Tagetesprodukt.“

Meist gelesene Artikel

News
Neue Weißwurstkönigin in Bayern gesucht
News
Weißwurstprüfung: „Faschingskind“ im Test
News
Von Endori zu Livekindly
News
ITW: Nämliche Ferkelaufzüchter
News
Kalbfleisch-Weißwurst zum Frühstück

Das könnte Sie auch interessieren:

Moe Foods Finnland

Mit Hafer: Finnen denken Käse neu

Mö Foods aus Finnland sichert sich Investment in Höhe von 2,4 Millionen Euro für Käsealternative aus Hafer....
Matthias Miege GM Livekindly

Von Endori zu Livekindly

Matthias Miege ist neuer General Manager von Livekindly für den deutschsprachigen Raum (DACH)....
GEA Pilotanlage Fermentation Nizo

Fehlender Mosaikstein kommt von GEA

Der Düsseldorfer Konzern GEA Group liefert Linie für Präzisions- und Biomassefermentation an BFF, Pilotbetrieb ab 2027 geplant....

100. Grüne Woche: Deutschlandreise

13 Bundesländer sind beim 100-jährigen Messe-Jubiläum dabei. Sie präsentieren ihre kulinarischen Spezialitäten und stellen auch ihre Tourismusregionen vor....

Thomas Riedel: Gewinn auf ganzer Fläche

Beste Qualität bei Fleisch- und Wurstwaren – die Produkte der Thomas Riedel GmbH in Wildeshausen gehören fix zum LEH-Sortiment....

Friedliche Weihnachten und das Beste für 2026!

Auf diesem Weg wünschen wir Ihnen friedvolle und besinnliche Weihnachtstage 2025 – egal ob im Kreise der Familie hierzulande oder...