Praktiker werden überhört

Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Lebensmittelhandwerk im Zentralverband der Deutschen Handwerks (ZDH) und des Deutschen Bauernverbandes sind auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin zu einer Podiumsdiskussion zusammengetroffen. Teilnehmer der Diskussion waren:

• Herbert Dohrmann, Präsident des Deutschen Fleischer-Verbandes und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Lebensmittelhandwerk,

• Gerhard Schenk, Präsident des Deutschen Konditorenbundes und Beauftragter des ZDH-Präsidiums für ländliche Räume,

• Eberhard Hartelt, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz-Süd,

• Gerald Dohme, Stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes.

 

Hauptdiskussionspunkt war das immer stärker spürbare Missverhältnis zwischen den Wunschvorstellungen vieler Politiker und der Wirklichkeit, so wie sie sich Handwerksbetrieben und Landwirtschaft im Tagesgeschäft darstellt. Alle Beteiligten waren sich einig: Landwirtschaft und Handwerk sind im ländlichen Raum tief verwurzelt, sichern Arbeits- und Ausbildungsplätze und nehmen ihre Verantwortung als Nahversorger ernst. Zudem stehen sie für transparentes Handeln und Tun sowie für Heimat und Genuss ihrer erzeugten hochwertigen Lebensmittel. Damit sind beide Wirtschaftsbereiche der Inbegriff für Regionalität und Nachhaltigkeit.

 

Diese Begriffe würden in der politischen Diskussionen gern genutzt, dabei gehe man jedoch viel zu oft von wünschenswerten aber überholten Strukturen aus. Geschuldet ist diese Schieflage nach Ansicht der Verbandsvertreter einer politischen Diskussion, in der zwar Wissenschaftler gehört, Praktiker aber nicht ausreichend berücksichtigt würden. Im Ergebnis führe dies zu politischen Entscheidungen, die den regionalen Produzenten immer mehr Bürokratie verordnen und Infrastrukturmaßnahmen vernachlässigen.

 

Die Politik müsse dringend nachsteuern, so Herbert Dohrmann, um ländliche Räume wieder attraktiver zu gestalten. So brauche es Ärzte, Schulen und Kindergärten, damit junge Familien im ländlichen Raum bleiben oder ihn für sich entdecken. Aber auch schnelles Internet sei eine entscheidende Voraussetzung für Lebensqualität, wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen und nachhaltige Sicherung der Fachkräfteversorgung.

 

Diskussionswürdig sei auch die Ansiedlung von Einkaufszentren auf der sprichwörtlichen Grünen Wiese, welche die bestehenden Nahversorger in Existenznöte bringt. Gerade im ländlichen Raum ist sei es notwendig, bestehende Fördermittel so zu kanalisieren, dass sie auch bei den kleinen Betrieben des Lebensmittelhandwerks ankommen. Das ist nach Meinung der Arbeitsgemeinschaft bisher noch nicht ausreichend der Fall. Zudem müssten die Möglichkeiten der Inanspruchnahme niederschwellig ausgestaltet sein, damit auch Betriebe mit nur wenigen Mitarbeitern eine Chance haben, entsprechende Anträge erfolgversprechend auszufüllen.

 

 

Foto: DFV

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