Hackerangriff vorbeugen

Die Bedrohung durch Cyberkriminalität nimmt stetig zu und macht auch vor kleinen und mittleren Handwerksbetrieben nicht halt. Hackerangriffe, Sabotageakte und Datendiebstahl entwickeln sich zu einer wachsenden Gefahr. Wer seine Geschäftsprozesse nicht ausreichend absichert, riskiert im Ernstfall erhebliche wirtschaftliche Schäden. Doch welche Maßnahmen wirken effizient und wo sollten Handwerksbetriebe ansetzen?

Die Vorstellung, Cyberkriminelle würden sich nur auf DAX-Konzerne konzentrieren, ist längst überholt. Auch Handwerksbetriebe werden zunehmend attackiert.
Ein Blick auf aktuelle Vorfälle zeigt die Dimension: Im Sommer 2025 drangen Hacker über zentrale Server in die Systeme mehrerer Backfilialen in Niedersachsen ein und kaperten digitale Preisanzeigen, um politische Botschaften zu verbreiten. Auch der Fleischproduzent Willms wurde im vergangenen Jahr von Cyberkriminellen angegriffen. Bei der Attacke durch die Ransomware-Gruppe Safepay wurden Daten gestohlen und das Unternehmen mit der Veröffentlichung erpresst. Die Produktion konnte derweil, dank eines funktionierenden Notfallkonzepts, weiterlaufen. Anders lief es bei dem Lebensmittelproduzenten Vossko: Nach einem Angriff im November 2024 stand die Produktion mehrere Tage still.

Methoden der Angreifer

Moderne Cyberkriminelle agieren hochprofessionell. Bei Phishing-Attacken werden gefälschte Nachrichten versendet, um Empfänger zum Öffnen von schädlichen Anhängen oder zur Preisgabe von Zugangsdaten zu verleiten – etwa durch vermeintliche Rechnungen oder Angebote. Ein unbedachter Klick genügt, und die Schadsoftware ist im System. Oft folgt dann der Einsatz von Ransomware. Unternehmensdaten oder Systeme werden verschlüsselt und die Hacker fordern Lösegeld. Betroffene sollten Ruhe bewahren und ihre Optionen prüfen. Eine Zahlung finanziert kriminelle Strukturen und macht zur Zielscheibe für neue Angriffe.

Wirksame Schutzmaßnahmen

Um vorbereitet zu sein, sollten Fleischereibetriebe Cyberschutz in ihre Abläufe integrieren:
Sichere Zugangsdaten und Mehrfaktor-Authentifizierung: Der Schutz von Zugängen beginnt mit robusten Passwörtern. Diese sollten ausreichend lang sein, Sonderzeichen enthalten und eine gewisse Komplexität aufweisen. Passwort-Manager können dabei helfen, komplexe Passwörter zu erstellen und zu sichern. Zusätzlich empfiehlt sich die Einrichtung einer Zwei-Faktor-Authentifizierung, bei der neben dem Passwort eine weitere Login-Methode (SMS-Code oder Fingerabdruck) erforderlich ist.
Systematische und regelmäßige Datensicherung: Ein durchdachtes Backup-Konzept ist unverzichtbar. Datensicherungen müssen kontinuierlich durchgeführt, regelmäßig auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft und aktuell gehalten werden. Nur so lassen sich im Falle eines Angriffs alle wichtigen Informationen schnell und problemlos wiederherstellen. Empfehlenswert ist die Aufbewahrung von mindestens zwei physischen Kopien an unterschiedlichen Standorten sowie eine zusätzliche Sicherung in der Cloud. So bleibt der Betrieb auch dann handlungsfähig, wenn die lokalen Systeme kompromittiert wurden.
Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeiter: Cybersicherheit ist eine Teamaufgabe. Vor allem Mitarbeiter/-innen, welche digitale Aufgaben übernehmen, sollten durch regelmäßige Schulungen über aktuelle Bedrohungen, typische Angriffsmethoden und konkrete Vorfälle informiert werden. Eine offene Kommunikationskultur hilft dabei, das Bewusstsein für Risiken zu schärfen und menschliche Fehler zu vermeiden. Wer seine Belegschaft proaktiv einbindet und sensibilisiert, schafft eine wichtige zusätzliche Schutzschicht.
Notfallplan für den Ernstfall: Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann es zu einem erfolgreichen Angriff kommen. Daher ist ein gut durchdachter Notfallplan unerlässlich. Dieser sollte u.a. klare Verantwortlichkeiten festlegen, Kontaktdaten von IT-Spezialisten und Behörden enthalten, sowie konkrete Handlungsschritte für verschiedene Szenarien definieren.

Vorbereitung ist der beste Schutz
Fleischereibetriebe, die frühzeitig in die genannten Schutzmaßnahmen investieren, sind für den Ernstfall deutlich besser gerüstet. Denn in der digitalen Welt von heute ist nicht die Frage, ob ein Angriff stattfindet, sondern wann – und wie gut man darauf vorbereitet ist. red

Wo gibt es Infos: Transferstelle Cybersicherheit

Die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Transferstelle Cybersicherheit im Mittelstand unterstützt Handwerksbetriebe mit kostenfreien Angeboten, Materialien und Veranstaltungen dabei, das Cybersicherheitsniveau kontinuierlich zu verbessern. Umfangreiche Infos unter www.transferstelle-cybersicherheit.de

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