Wir leben mit einem Fettdilemma: Wissenschaftliche Empfehlungen – praktische Konsequenzen

Aachen, (ots) – (vfed) “Die Deutschen essen zu fett und sind zu fett” stellt Sven-David Müller, 1. Vorsitzender des Vereins zur Förderung der gesunden Ernährung und Diätetik (VFED) fest. Diese vereinfachte Darstellung der Fettproblematik hilft allerdings nicht aus dem Dilemma der ernährungsbedingten Krankheiten, die inzwischen 150 Mrd. Mark Kosten (Quelle: Prof. Dr. Gerhard Rechkemmer, Bundesforschungsanstalt für Ernährung, Karlsruhe) verursachen, und das sind ein Drittel der Gesamtkosten des Gesundheitswesens.

Aber auch die Feststellung, dass wir langsam unser Gesundheitssystem auf(fr)essen, hilft nicht weiter. Gefragt sind praktische Empfehlungen, wie Essen und Trinken genussvoll neugestaltet werden können.

51 Prozent der Bevölkerung sind übergewichtig, jährlich verzehren wir mehr als einen Zentner Fett und rund einen Zentner Zucker. Der Fettkonsum wäre nicht zu hoch, wenn wir körperlich arbeiten würden.

Die Einführung von Streichfett (Butter und Margarine) war in der Vergangenheit notwendig, um das vorherrschende Energiedefizit zu decken. Einen anderen Sinn hat die Verwendung von Butter und Margarine in der Vergangenheit nicht gehabt. Die Behauptung, Fett fördere die geschmackliche Ausprägung von Lebensmitteln ist falsch.

Momentan überdecken wir den Eigengeschmack von Lebensmitteln und Speisen unter einem fettigen Mantel. Eigentlich soll Salat nach Salat und nicht nach Dressing und Erdbeeren nach Erdbeeren und nicht nach Sahne sowie Roast Beef nach Roast Beef und nicht nach Butter schmecken. In Deutschland gab es im Vergleich zu den mediterranen oder asiatischen Ländern niemals eine ausgeprägte Esskultur und so sind wir von der Hungerphase über die Fressphase in die Fast Food- und Fertiggerichtphase nahtlos übergegangen, ohne eine gesunde Phase zu erleben.

Mit Esskultur hat das alles nichts zu tun. Schlimmer noch: Das momentane Essverhalten macht uns krank.

VFED-Empfehlung: Nehmen Sie sich Zeit zum Einkaufen, probieren Sie am Marktstand was Sie kaufen, lagern Sie kurz, bereiten Sie frische Lebensmittel zu und nehmen Sie sich viel Zeit zum Essen in der Gemeinschaft. Vergessen Sie dabei nicht, dass wir noch niemals so viel Zeit und Urlaub hatten, wie jetzt. Wir müssen uns diese Zeit nur einteilen und für unsere Gesundheit nehmen. Essen Sie sich mit mehr Pflanzlichem und weniger Tierischem gesund und vermeiden Sie eine krankmachende Fast Food- und fertiggerichtgeprägte Ernährungsweise.

Die Franzosen essen reichlich schädliches tierisches Fett und haben trotzdem weniger Herzinfarkte zu verbuchen als die Deutschen.

Dieses Phänomen erhielt die Bezeichnung “französisches Paradoxon”. Es gibt aber kein Paradoxon, denn erst Mitte der 70er Jahre stieg die Fettaufnahme in Frankreich deutlich an. 1965 lag die Aufnahme von tierischen Fetten noch bei nur 21 Energieprozent. Inzwischen steigt in Frankreich die Herzinfarktrate, so dass davon auszugehen ist, dass das “french paradoxon” aus Vergangenheit lebt und mit der Zunahme der Aufnahme tierischer Fette verschwindet. Nur noch wenige Jahre wird die ehemals gesunde, fettarme Ernährung mit wenig tierischen Fetten in Frankreich herzschützend nachwirken. Es ist wissenschaftlich unstrittig, dass gesättigte Fettsäuren, die reichlich in tierischen Lebensmitteln und Butter vorkommen und eine insgesamt fettreiche Ernährung die Arteriosklerose fördern.

Diese Tatsache ist für Teile der Nahrungsmittelindustrie und der Agrarwirtschaft umsatzschädigend und so ist es nicht verwunderlich, dass oftmals Studien bewußt fehlinterpretiert werden. Der Industrie ist Umsatz wichtiger als das Leben der Kunden.

Der VFED empfiehlt auf der Basis der wissenschaftlichen Daten (evidence based nutrition and dietetic) 30 bis maximal 35 Energieprozent Fettzufuhr bei der Bevorzugung von flüssigen Pflanzenölen, insbesondere Olivenöl, und hochwertige, gut streichfähige Margarine sowie bei Fettstoffwechselstörungen zukünftig diätetische Spezialprodukte, die Phytosterine und/oder konjugierte Linolsäuren enthalten.

Täglich dürfen 3 bis 4 Eßlöffel pflanzliche hocherhitzbare Koch- und hochwertige Margarine auf dem Speiseplan stehen. 1 Pfund Obst, 1 Pfund Gemüse, Salat und Kartoffeln sowie 1/2 Pfund Vollkornbrot sind Grundlage einer protektiven Ernährungsweise, die reich an Ballaststoffen, sekundären Pflanzeninhaltsstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen ist.

Gefährlich für Herz und Gefässe, sowie zu Krebs führend sind Alkoholika und das Rauchen. Die Reform des Essverhaltens führt der VFED mit dem leicht verständlichen Motto “Mehr Pflanzliches und weniger Tierisches essen macht gesund und beugt Krankheiten vor” herbei. Der gemeinnützige Verein zur Förderung der gesunden Ernährung und Diätetik (VFED) ist mit 1.550 Mitgliedern (Diätassistenten und Diplom Oecotrophologen) die größte nicht staatlich geförderte Ernährungs- und Diätetikgesellschaft in Deutschland.

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