„Das Fleischerhandwerk ist echt, klar und unverwechselbar.“ Dies war die Botschaft für den diesjährigen Deutschen Fleischer-Verbandstag. Wie die meisten der Verbandstags-Wahlsprüche wendet auch dieser sich gleichermaßen nach außen – an Gesellschaft und Politik – wie nach innen an unsere Mitgliedsbetriebe und Ehrenamtsträger. Die Schlüsselbegriffe echt, klar und unverwechselbar beschreiben unser Selbstverständnis, so, wie sich das Fleischerhandwerk selbst sieht und in der Vergangenheit gesehen hat. Übrigens auch, wie wir von außen, von unseren Kunden, den Verbrauchern, wahrgenommen werden. Echtheit, Klarheit und Unverwechselbarkeit sind eindeutig unsere Stärken, gerne nachgeahmt oder frech kopiert von unseren Mitbewerbern. Diese Stärken zeigen sich in vielen unterschiedlichen Eigenschaften, sei es der handwerkliche Produktion, der meisterliche Qualifikation, der von uns gelebten Transparenz von Herstellung und Verkauf, der Regionalität, unserer langen Tradition aber auch der sozialen Verantwortung und der ehrlichen und nachvollziehbaren Information.
Doch damit nicht genug. Das Fleischerhandwerk erfüllt weitere wichtige Aufgaben: Wir bieten Arbeits- und Ausbildungsplätze und tragen somit zur gesellschaftlichen Stabilisierung bei, wir verbessern mit unseren Geschäften die Wohnqualität von Städten und Gemeinden und tragen über regionale Wirtschaftskreisläufe zum Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft bei. All das sind Bereiche, in denen die Betriebe und die Unternehmerfamilien des Fleischerhandwerks hineinwirken. Wir sind damit nicht nur Versorger, sondern unverzichtbarer Teil einer funktionierenden Gesellschaft.
Weil Selbstverständnis aber immer auch Selbstverpflichtung bedeutet, sehen wir Fleischer uns deshalb auch in der besonderen Verantwortung, hochwertige, gesunde und genussreiche Lebensmittel zu produzieren und unseren Kunden anzubieten. Wir leisten damit nicht zuletzt einen wichtigen und unverzichtbaren Beitrag zur Versorgung und zur Esskultur.
All diese Leistungen werden auch durchaus anerkannt, wenn man den Bekundungen der politischen Parteien in den vielen Wahlkämpfen dieses Jahres glauben darf. Aber selbstverständlich kommt es nicht auf solche Bekenntnisse an, sondern auf konkrete politische Entscheidungen. Und die werden nicht im Wahlkampf, sondern nach der Wahl getroffen. Was die neuen, zum Teil mühsam geformten Koalitionen in der kommenden Legislaturperiode auf den Weg bringen werden, bleibt die spannende Frage für 2014. Entscheidend für das Fleischerhandwerk wird sein, seine Ansprüche klar zu benennen und sich – auf die genannten Stärken vertrauend – auch in Zukunft zu behaupten. Als Leitlinie in diesem Diskurs haben wir bereits vor der Bundestagswahl Punkte aufgezeigt, in denen wir Handlungsbedarf sehen, um ein funktionierendes Handwerk zu sichern. Bei genauer Betrachtung erkennt man, dass der damit verbundene Erhalt der Strukturen nicht nur den Unternehmen hilft. Er ist auch gelebter Verbraucherschutz.
In einer ganz grundsätzlichen Frage sind wir zum Beispiel der Auffassung, dass sich die Politik bislang zu einseitig an einer Förderung der Landwirtschaft orientiert. Stattdessen ist es besser, ganze regionale Wirtschaftskreisläufe zu fördern. Dazu gehört auch die Landwirtschaft, aber nicht alleine. Das Lebensmittelhandwerk muss zwingend in die Förderungen einbezogen werden. Nur so kann man wirksam Einfluss auf Lebensqualität und Wirtschaftskraft nehmen.
Neben dieser grundsätzlichen Ausrichtung beschäftigen uns auch ganz konkrete politische Vorhaben. Dazu gehört zum Beispiel die Stadtplanung. Das Handwerk muss als modernes und zukunftsweisendes Gewerbe weiterhin in Städten und Gemeinden sichtbar bleiben. Insbesondere die Lebensmittelhandwerke tragen zur Lebendigkeit der Stadt- und Ortszentren und zur Versorgung ländlicher Räume bei. Diese Strukturen dürfen nicht durch übergroße Einkaufszentren zerstört werden.
Wir haben uns deshalb in der Vergangenheit entschieden gegen Bestrebungen gewandt, im innerstädtischen Bereich auch extrem große Lebensmittelmärkte zuzulassen. Für die Zukunft fordern wir die Neuausrichtung der Förderpolitik und innerstädtische Strukturpolitik, nur zwei Beispiele dafür, wie Politik das feste Bekenntnis zu Handwerk und Mittelstand mit Leben erfüllen können.
Weitere wichtige Punkte kommen hinzu, zum Beispiel die Energiepolitik: Das Handwerk, insbesondere auch das Fleischerhandwerk, sieht sich ständig steigenden Belastungen ausgesetzt. Große Industriebetriebe dagegen sind von der Energie-Umlage befreit, damit sie keine Wettbewerbsnachteile erleiden. Begründet wird das oft damit, dass sich diese Konzerne im globalisierten Wettbewerb behaupten müssen.
Man muss dem entgegnen, dass auch kleine Unternehmen, die lokal oder regional arbeiten, einem Wettbewerb ausgesetzt sind, in dem sie bestehen müssen. Man gewinnt den Eindruck, dass das gelegentlich vergessen wird. Dass im Fleischerhandwerk der prozentuale Anteil der Energiekosten gleichhoch oder gar höher ist als in vielen der befreiten Unternehmen, wird kurzerhand ausgeblendet. Gegen diese ungerechte Handhabung hat der DFV gemeinsam mit anderen Handwerksverbänden in aller Klarheit Einspruch erhoben, bisher leider ohne durchgreifenden Erfolg.
Es gibt in anderen Politikbereichen weitere gute Gründe, sehr deutlich auf die Besonderheiten unseres Handwerks hinzuweisen. Ein Beispiel sind Kennzeichnungsfragen, in denen zu häufig allein in industriellen Kategorien gedacht wird, gerade auch auf europäischer Ebene. All die bürokratische Regelungswut soll den Verbraucher informieren und sein Leben sicherer machen. Man darf daran zweifeln, dass das gelingt. Fast alle dieser Initiativen gehen davon ausgehen, dass Lebensmittel nur noch in Plastik verpackt angeboten werden.
Wir werden auch im kommenden Jahr energisch daran erinnern, dass es Bedientheken gibt, an denen qualifiziertes Personal informieren kann, dass es Handwerksbetriebe gibt, in denen der Meister die Produkte selbst herstellt, und dass es noch echte Menschen gibt, die sich der Verantwortung stellen. Beratung an der Theke muss Vorrang vor schriftlicher Kennzeichnung haben. Wir werden auch 2014 hart daran arbeiten, für unsere Betriebe gerechte Rahmenbedingungen zu schaffen, damit ein fairer Wettbewerb stattfinden kann.
Konkret bedeutet dies beispielsweise, dass Gebühren kleine Unternehmen nicht benachteiligen dürfen. Das gilt für Fleischuntersuchungsgebühren und Gebühren für Hygienekontrollen genauso wie für Entsorgungskosten und Wassergebühren. Wir brauchen in diesem Zusammenhang auch keinen Internetpranger, sondern risikoorientierte Kontrollen in den Lebensmittelbetrieben, mit konsequenter Anwendung der vorhandenen Gesetze.
Tierschutz und Verbraucherschutz müssen im Einklang sein. Der unverzichtbare Tierschutz muss so ausgestaltet sein, dass er nicht im Gegensatz zur Erzeugung hochwertiger und gesunder Lebensmittel steht. Außerdem dürfen die regionalen Strukturen nicht durch unerfüllbare Auflagen belastet werden, denn das würde dem Tierschutz einen Bärendienst erweisen. Auch die Vorschriften, die wegen der BSE-Krise erlassen wurden, müssen auf den Prüfstand. Es ist zum Beispiel nicht vertretbar, dass Därme von streng überwachten Beständen weggeworfen werden, um stattdessen solche aus Übersee zu verarbeiten.
Selbstverständlich ist es Aufgabe der Landesinnungsverbände und des Deutschen Fleischer-Verbands, sich immer wieder mit großem Nachdruck in politische Debatten einzumischen und für eine ausreichende Wahrnehmung zu sorgen. Wahrnehmbarkeit heißt aber auch, dass die tausenden von Verkaufsstellen, die das Fleischerhandwerk betreibt, als solche erkannt werden. Im Alltag der Verbraucher, aber auch in der Wahrnehmung von Politikern müssen unsere Fachgeschäfte im Bewusstsein bleiben. Andere Gewerke und auch der Handel beneiden uns um unsere f-Marke, die uns hierzu das richtige Instrument bietet. Wenn diese Marke kraftvoll eingesetzt wird, dann hilft das dabei, deutlich zu machen, dass Handwerk etwas anderes ist als Industrie und Discount: Echte Handwerksqualität, klare und transparente Information, unverwechselbare Produkte aus Meisterhand.
Diesen Aufgaben werden wir uns stellen. Wir werden Entscheidungsträger auf allen Ebenen darauf hinweisen, dass das Fleischerhandwerk nicht nur echt, klar und unverwechselbar ist, sondern auch unverzichtbar. Allen, die dem deutschen Fleischerhandwerk in diesem ereignisreichen Jahr mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben – sei es in den Betrieben oder in ehren- und hauptamtlicher Funktion in Innungen und Verbänden – sei hiermit herzlich Dank gesagt.
Der Deutsche Fleischer-Verband wünscht Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest sowie Gesundheit und Erfolg im neuen Jahr!
DEUTSCHER FLEISCHER-VERBAND