Der Straußenwalzer


Diejenigen, die älter sind, besorgen sich ihr Futter selbst. Saftiges grünes Gras ist eine ausgezeichnete Ergänzung zu der Tagesration von 2kg Mischfutter. Um die Sprösslinge wird sich wie um die kleinen Kinder gekümmert.

Kücken aus Israel
Der Straußfarmleiter Sergej Lewin weiß jetzt nicht nur vom Hören, sondern aus eigener Erfahrung, was es bedeutet die kleinen Straußenkücken hochzuziehen. Die erste Lieferung von Straußenkücken wurde damals in Israel gekauft. Die Kücken waren nur 2 Tage alt. Als Luftfracht wurden sie nach Warschau gebracht. Von dort aus sind es nur ein paar Stunden per LKW bis zu der russischen Stadt Bagrationovsk. Die Vögel wurden in großen, Schuhkartons ähnlichen, Schachteln transportiert. Zum ersten Mal im Leben hielten Sergej und seine Helfer diese ungewöhnliche und sehr wertvolle Fracht – für jedes Kücken wurden damals etwa 100 US-Dollar bezahlt – in ihren Händen.
„Die Straußenkücken waren klein, hilflos und Mitleid erregend. Man wünschte sich, dass sie alle überleben, wachsen und sich vermehren, aber den schweren Kampf ums Überleben gewannen bei weitem nicht alle aus dieser Lieferung. Weder Berge von Fachliteratur, noch Ratschläge ausländischer Kollegen oder lokaler Geflügelzüchter konnten dabei helfen. Alles schien nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen gemacht worden zu sein: Beleuchtung, Heizung, Pflege und die Fütterung, aber die Vögel starben“, berichtet Sergej Lewin. Als es endlich gelang, diesen Prozess zu stoppen, hat man mit Freude beobachten können, wie die Strauße wuchsen und schöne Federn bekamen. Jetzt stand es fest: Das begonnene Geschäft muss man fortsetzen.
Die Erstlinge aus der ersten Lieferung – 36 wunderschöne, 2m große Vögel – sind noch kein Jahr alt, aber es sind schon weitere Lieferungen in der Schweiz und in Israel bestellt worden. Die Straußenvögel wachsen wie ein Hefekuchen. Die älteren Vögel nehmen bis zu 1kg pro Tag zu, die jüngeren bis zu 200g. Sie weiden auf ihren dünnen aber stabilen Beinen auf den grünen Wiesen und betrachten unsere Welt mit den Augen einer außerirdischen unbeschreiblichen Schönheit.

Musik für Exoten
Der Farmbesitzer Jurij Wasser und sein Verwalter Sergej Lewin bereiten sich schon auf eine neue Etappe ihrer Arbeit vor. 300ha Land haben sie gekauft. Zusätzlich zu den zwei vorhandenen Farmen wird hier eine Brut-, Schlacht- und Verarbeitungshalle gebaut, sowie eine Wurstproduktion. Eine neue Weide ist auch vorbereitet worden. Die Zeit wartet nicht – in ein paar Jahren wird sich hier das Karussell eines richtigen Straußenbusineses drehen. Eier, Fleisch, Haut, Federn – alles wird verkauft. Schon heute berechnen die Manager ihre Produktionskapazitäten. Wie groß sie sein können zeigt ein Beispiel: Ein Weibchen legt im Sommer über 50 Eier. Das sind 50 Kücken. Das Gewicht eines Schlachtvogels beträgt etwa 100kg. Das würde bedeuten, dass man von einem Straußenweibchen nur innerhalb einer Saison 5t hochwertiges Fleisch bekommen kann.
Jedoch sind es nicht nur die kommerziellen Interessen, die bei diesen Enthusiasten im Vordergrund stehen. Während unseres Aufenthaltes auf dieser ungewöhnlichen Farm konnte man immer Musik hören. Es stellte sich heraus, dass Strauße große Musikliebhaber sind. Die Musikklänge sind für sie der beste Wecker. Und die Straußentänze zu den Walzer- oder Tangomelodien sind ein unvergessliches Erlebnis!

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