Ich weiß aus vielen Gesprächen, dass sich die Mitglieder der FBG-Gremien mit dieser Entscheidung sehr schwer getan haben, denn eigentlich wollten wir alle unsere FBG behalten. Der Druck der angedrohten Zwangsfusion aber hat die Mehrheit dazu bewogen, zumindest das anzunehmen, was im Fusionsvertrag angeboten wird. Die Befürchtung, bei einer Zwangsfusion ganz mit leeren Händen da zu stehen, war für die meisten zu groß.
Ich habe großen Respekt vor allen, die sich mit ihrer ganz persönlichen Entscheidung der übergroßen Verantwortung gestellt haben, und zwar sowohl vor Befürwortern als auch vor denjenigen, die den Vertrag abgelehnt haben. Genauso wenig wie die einen Verräter an der FBG sind, sind die anderen Totalverweigerer, die die Realitäten nicht erkennen wollen. Das geteilte Abstimmungsergebnis zeugt vielmehr davon, wie sehr sich alle Beteiligten über so lange Zeit mit der richtigen Entscheidung gequält haben.
Das Ergebnis liegt nun vor. Die eigenständige FBG wird damit nach mehr als 110 Jahren wieder in die BGN eingegliedert. Das ist eine traurige und bestürzende Tatsache. Mehr als fünf Jahre haben wir in einer großartigen Art und Weise um den Erhalt der FBG gekämpft und das in einem engen Schulterschluss zwischen Arbeitnehmern, Arbeitgebern, Verbänden, Verwaltung und Mitarbeitern. Am Ende hat alles nichts genutzt, das Ziel haben wir nicht erreichen können. Die Enttäuschung ist bei all denen, die sich in dieser Sache mit großem Engagement eingebracht haben, angesichts dieses Ergebnisses entsprechend groß.
Wir haben viel Zuspruch bekommen. Die Arbeit der FBG ist mit vielen lobenden Worten bedacht worden, auch und gerade von Politikern. Man hat uns Hilfe und Unterstützung zugesagt, darauf haben wir gezählt. Vergeblich.
Alle Zusagen haben genau diese Politiker nicht davon abgehalten, eine vorbildlich arbeitende Einrichtung des sozialen Sicherungssystems mit einem Handstreich zu beseitigen. Und das in großer Einigkeit über alle Parteien hinweg. Wir werden diesen Politikern nicht ersparen, ihnen die Unsinnigkeit (und bei einigen auch die Dreistigkeit) dieses Handelns weiter vor Augen zu führen.
Trotzdem: Auch wenn wir unser Ziel nicht erreicht haben, können wir stolz sein, zu welchen gemeinsamen Anstrengungen wir für eine gute Sache fähig waren. Ich erinnere nur an die Unterschriftenaktion, die der Deutsche Fleischer-Verband mit anderen Verbänden der Fleischwirtschaft durchgeführt hat. Mehr als 40.000 Unterschriften waren ein beispielloses Zeichen dafür, wie viel Unterstützung die FBG in der ganzen Branche genießt. Darüber hinaus wurden in ganz Deutschland unzählige Gespräche mit Bundes- und Landespolitikern geführt, um für den Fortbestand der FBG zu werben. Die Landesinnungsverbände, Innungen und Obermeister haben mit ihren Kontakten diese Gespräche ermöglicht. Damit und vielen weiteren Aktivitäten haben wir eine Kampagne gefahren, die an Geschlossenheit, Intensität und Zeitdauer in unserem Handwerk wahrscheinlich ohne Beispiel ist.
Das dürfen wir nicht geringschätzen: Wir haben trotz aller unterschiedlichen Auffassung über den richtigen Weg stets mit großer Entschlossenheit ein gemeinsames Ziel verfolgt. Und auch wenn die Politik unsere guten Argumente ausgeschlagen hat, haben wir uns Respekt verdient. Jeder Sozialpolitiker in Deutschland weiß, wie entschlossen wir uns für unsere Belange einsetzen. Das wird uns noch gute Dienste erweisen.