Podcast „Blaues Brot“, Begegnungsformat „Blauer Salon“
Wir wissen, was zu tun wäre, damit sich das Lebensmittelsystem zukunftsfähig weiterentwickelt. Warum passiert das dann nicht in ausreichendem Tempo? Dieser Frage geht der Podcast „Blaues Brot” der Adalbert-Raps-Stiftung nach: Er lässt Fachleute aus Landwirtschaft, Industrie, Handel, Forschung und Food-Tech zu Wort kommen und macht hörbar, woran es bei Veränderung im Lebensmittelsystem hakt.
Ende Juni hat die Stiftung diesen Gedanken erstmals in die persönliche Begegnung übertragen: Beim „Blauen Salon“ auf dem Heinersreuther Hof bei Kulmbach kamen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen 30 Personen aus dem Lebensmittelsystem zusammen – gefragte Stimmen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Landwirtschaft und Politik, viele von ihnen bereits als Gesprächspartnerinnen und -partner aus dem Podcast bekannt.
„Blaues Brot“ startete 2025 als Audiodokumentation: 55 Stimmen aus Landwirtschaft, Industrie, Handel und Wissenschaft, verteilt auf drei Staffeln und 20 Episoden. Mit Beginn der aktuellen Staffel führt Christina Rüter den Podcast als Host in einem neuen Interviewformat fort – für Menschen, die in der Lebensmittelwirtschaft, -forschung und -innovation Verantwortung tragen.
Wie konkret das aussieht, zeigt die jüngste Folge: Landwirtin Elisabeth Fresen ordnet am Beispiel der Zukunftskommission Landwirtschaft ein, warum zwischen Empfehlungen für den Umbau der Landwirtschaft und der tatsächlichen Umsetzung oft eine Lücke bleibt. Andere Folgen beschäftigen sich mit ähnlichen Mechanismen – etwa, wenn Unternehmens- und Fehlerkultur Innovation ausbremsen, oder wenn sich Zulassungsverfahren über Jahre ziehen.
Die Perspektiven bleiben oft getrennt
Mit dem Podcast Blaues Brot bringt die Adalbert-Raps-Stiftung verschiedene Sichtweisen zusammen: Wissen und Lösungsansätze für das Lebensmittelsystem sind oft längst vorhanden, jedoch verstreut über Landwirtschaft, Industrie, Handel, Wissenschaft und Politik – ohne dass diese Bereiche miteinander ins Gespräch kommen. Der Podcast macht Perspektiven hörbar und verschafft Zugang zu Positionen, die im eigenen Arbeitsalltag sonst kaum erreichbar sind.
Frank Kühne, Vorstandsvorsitzender der Adalbert-Raps-Stiftung hierzu: „Die entscheidenden Fragen im Lebensmittelsystem lassen sich nicht einzelnen Akteuren zuschieben – sie sind systemisch. Mit Blaues Brot und dem Blauen Salon bringen wir Perspektiven nicht zusammen, um zu klären, wer sich ändern muss, sondern um gemeinsam zu sehen, wo das System sich ändern muss.“ Beide Formate teilen diese Haltung, setzen sie aber unterschiedlich um: Der Podcast macht Perspektiven einzeln hörbar, der „Blaue Salon“ bringt sie im direkten Dialog zusammen.
Vom Hören zum gemeinsamen Denken
An zwei aufeinanderfolgenden Tagen Ende Juni arbeiteten die Teilnehmenden mit Methoden aus dem Systemic Design an vier zentralen Spannungsfeldern der Branche: ökonomische Rentabilität versus Nachhaltigkeitstransformation, strukturelle Barrieren für Markteintritt und Skalierung, Innovation versus regulatorische und wissenschaftliche Absicherung sowie Konsumerwartung versus systemische Realität. Besonders war dabei die Mischung aus strukturierter Arbeit und offenen Begegnungsräumen: Auf Audioimpulse, Systemkarten und Gruppenarbeit folgten gemeinsame Mahlzeiten und informelle Gespräche im Garten und am Lagerfeuer. So blieb Zeit, unterschiedliche Fachsprachen und Interessen zu verstehen.
Ungewöhnlich war zudem die Gruppe selbst: Viele Teilnehmende stehen sonst selbst als Speaker auf der Bühne. Beim Blauen Salon gingen sie miteinander ins Gespräch, statt zu präsentieren. Solche Räume sind selten und notwendig zugleich – sie schaffen Verständnis zwischen Menschen, die am selben Ziel arbeiten, sich im Alltag aber kaum begegnen.
Die Kraft der Gespräche
Was der persönliche Austausch bringt, beschreibt Christina Rüter, die Blaues Brot als Host moderiert: „Im Podcast begegne ich den Perspektiven auf unser Lebensmittelsystem nacheinander – in jedem Gespräch eine Stimme, eine Erfahrung, ein Blick auf das Ganze. Beim Blauen Salon kamen viele dieser Stimmen erstmals gleichzeitig zusammen.“ Genau darin habe für sie die besondere Kraft des Formats gelegen, so Rüter: die großen Systemzusammenhänge seien greifbar geworden, Verbindungen sichtbar.
Möglich wird das, weil die Adalbert-Raps-Stiftung selbst nicht an das Tagesgeschäft der Branche gebunden ist – anders als die Unternehmen und Institutionen, die im Podcast und im Salon zu Wort kommen. Das erlaubt einen Blick auf das große Ganze und macht Blaues Brot und den Blauen Salon zu Orten, an denen Zusammenhänge, Widersprüche und mögliche Ansatzpunkte für echte Veränderungen sichtbar werden können.
Über den Podcast Blaues Brot
„Blaues Brot” wird von R2G Media für die Adalbert-Raps-Stiftung produziert; die Audiodokumentation wurde 2025 zusätzlich vom Cluster Ernährung Bayern gefördert. Der Podcast ist kostenfrei über alle gängigen Podcast-Plattformen abrufbar, neue Folgen erscheinen alle zwei Wochen.
Podcast: www.blauesbrot.de
Audiodokumentation: www.blauesbrot.de/blaues-brot-audiodoku
Über den Blauen Salon
Der Blaue Salon ist ein Begegnungs- und Arbeitsformat der Adalbert-Raps-Stiftung. Er bringt Menschen aus unterschiedlichen Bereichen des Lebensmittelsystems zusammen und verbindet systemisches Arbeiten mit bewusst gestalteten informellen Gesprächsräumen. Ziel ist es, Zusammenhänge und Widersprüche sichtbar zu machen und mögliche Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung des Lebensmittelsystems zu identifizieren.
Mehr zum Format: www.raps-stiftung.de/weiteres-engagement/der-blaue-salon