Zukunftsdialog Fleischkonsum

Berlin. In Berlin sind rund 50 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und NGOs zum „Zukunftsdialog der deutschen Geflügelwirtschaft" zusammengekommen, um die Frage zu diskutieren: „Ist Fleischkonsum heute noch zu verantworten?". Ein bewusst provokantes Thema habe die Geflügelwirtschaft gewählt, um die unterschiedlichen Interessensgruppen der Gesellschaft an einem Tisch zusammenzuführen, bilanzierte Leo Graf von Drechsel, Präsident des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG), im Anschluss an die Veranstaltung: „Ob mit Veganern, Tierschützern oder der Politik: Die Geflügelwirtschaft scheut die Auseinandersetzung nicht, wir sind offen für jeden Dialog. Deswegen haben wir uns sehr gefreut, dass so viele hochkarätige Vertreter unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen unserer Einladung gefolgt sind und konstruktiv mit uns diskutiert haben."

Mit Leo Graf von Drechsel auf dem Podium diskutierten Renate Künast, Vorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Hajo Schumacher alias AchimAchilles, Spiegel-Autor, Hans-Michael Goldmann, Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Dr. Jörg Styrie, Geschäftsführer des Bundesverbands Tierschutz, Prof. Dr. Thomas Jungbluth, Präsident des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft, sowie Jan Bredack, Gründer des veganen Kaufhauses „Veganz", zu Fragen rund um den ethischen Konsum und die verantwortungsvolle Nutztierhaltung. Eingeläutet wurde der Abend durch einen Impulsvortrag des Philosophen Prof. Dr. Richard David Precht, der aus ethisch-moralischer Perspektivedie Frage „Ist Fleischkonsum heute noch zu verantworten?" dahingehend beantwortete, dass der Fleischkonsum als solcher nicht zu verurteilen sei, die industrielle Nutztierhaltung hingegen müsse sich in Richtung einer ethischeren Produktion entwickeln. Seinen Ausführungen zugrunde legte er eine philosophischeDifferenzierung zum Begriff Tier: „Es gibt zwei Kategorien von Tieren: Die eine glaubt, dass es zwei Kategorien von Tieren gibt, und die andere ist die Leidtragende dieser Unterscheidung." Prof. Dr. Precht würdigte auch das gesellschaftliche Umdenken der vergangenen Jahrzehnte: „Vor 150 Jahren hätte man uns für die Frage ‚Ist Fleischkonsum heute noch zu verantworten ?‘ ausgelacht. Nur weil wir uns erheblich weiterentwickelt haben, können wir es uns überhaupt erlauben, diese Frage stellen."

Zu ebendiesem Thema kam die von Stefan Schulze- Hausmann moderierte Podiumsrunde anschließend überwiegend zu dem differenzierenden Fazit, dass diese Frage nicht gesamtgesellschaftlich beantwortet werden könne, sondern vielmehr in der freien Entscheidung des Einzelnen liege. Renate Künast richtete den Blick vom Konsum auf die Erzeugungsbedingungen: „Es geht nicht um die Frage, ob Fleischkonsum heute noch zu verantworten ist, sondern vielmehr darum, wie und wie viel Fleisch wir konsumieren. Hier kommt es vor allem darauf an, wie das Fleisch erzeugt worden ist." Leo Graf von Drechsel machte sich gegen eine Bevormundung des Einzelnen stark: „Warum sollte man die Fleischproduktion noch weiter regulieren? Lassen wir dem Menschen doch die Freiheit zu essen, was ihm schmeckt und was gut ist, solange es nicht der Umwelt schadet!" Einen klar ablehnenden Standpunkt zum Thema Fleischkonsum nahm hingegen Jan Bredack als Veganer in der Diskussionsrunde ein: „Wie erklären Sie Ihrem Kind, dass man den Hund streicheln und das Schwein essen soll? Leben und leben lassen!"

Von der Frage des Fleischkonsums ausgehend waren die Standards in der deutschen Nutztierhaltung ein weiteres zentrales Thema des Abends. Aus Sicht des Tierschutzes argumentierte Dr. Jörg Styrie: „Fleisch hat seine Wertigkeit verloren. Die Umkehr dieses Prozesses kann nur gelingen, wenn wir unseren Fleischkonsum halbieren, den Tieren doppelt so viel Platz zur Verfügung stellen und den zweifachen Preis für Fleisch zu zahlen bereit sind." Hans-Michael Goldmann hingegen würdigte die Fortschritte der vergangenen Jahre in der deutschen Tierhaltung: „Viele Dinge sind sehr in Ordnung in der Tierhaltung, weitere werden vorangetrieben, und die werden nicht nur erforscht, sondern auch umgesetzt. Ich denke, wir sind bei der konventionellen Produktion auf einem guten Weg." Aus wissenschaftlicher Perspektive appellierte Prof. Dr. Thomas Jungbluth an die Politik, Genehmigungsverfahren für neue, moderne und damit tiergerechtere Ställe zu vereinfachen: „Gerade die Halter, die sich bewegen wollen, etwa mit getrennten Funktionsbereichen und mehr Fläche, geraten häufig in einen Genehmigungskonflikt zum Beispiel wegen der Emissionsbestimmungen. Hier sehe ich klaren Handlungsbedarf vonseiten der Politik."

Von allen Beteiligten wurde das gemeinsame Gespräch als Zeichen des Willens zu einer konstruktiven gesellschaftlichen Auseinandersetzung gewertet. „Wir müssen das Vertrauen der Verbraucher stärken, indem wir Informationslücken schließen und Transparenz zeigen", resümierte Leo Graf von Drechsel.„Hier sind wir auf einem guten Weg." Denn mit dem Zukunftsdialog treibt die Branche den persönlichen Austausch über die Zukunft der Geflügelfleischerzeugung mit Beobachtern und Kritikern der Branche sowie politischen Entscheidungsträgern aktiv voran. www.zdg-online.de


lis/Redaktion FleischNet.de


Quelle: Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V.

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