In Deutschland ist die Ferkelkastration ohne Betäubung nach 2018 verboten, und auch die EU will Alternativen vorantreiben. Doch Stand der Forschung und Problembewusstsein variieren stark in den verschiedenen europäischen Ländern. Nun haben sich Forschung, Industrie, Verbände und NGOs aus 21 europäischen Ländern unter Leitung der Universität Hohenheim vernetzt, um schneller maßgeschneiderte Lösungen zu finden. Am 23. Februar 2017 findet das Auftakttreffen in Prag statt. Die EU fördert das Projekt in Hohenheim für vier Jahre mit rund 480.000 €.
„Alternative Verfahren gibt es zwar bereits, sie bereiten aber alle noch Probleme, die wir lösen müssen“, erklärt Prof. Dr. Ulrike Weiler vom Fachgebiet Verhaltensphysiologie von Nutztieren an der Universität Hohenheim. „Außerdem sehen wir große Unterschiede zwischen den Ländern Ost- und Westeuropas im Forschungsstand und in der Wahrnehmung des Problems. Wir wollen die Forschung besser koordinieren und Nachwuchswissenschaftler fördern und so Innovationen in der Schweinefleischproduktion beschleunigen.“
Nationale Lösungen gefragt
Ziel des neuen, europaweiten Netzwerkes ist es nicht, eine EU-weit einheitliche Standardmethode zu suchen. „Wir brauchen nationale Lösungen, die auch von der Tradition und den Konsumentengewohnheiten abhängen. In Großbritannien etwa hat man auch jetzt schon kein Problem mit dem Ebergeruch. Aber dort essen viel weniger Leute Schweinefleisch, dafür mehr Rind und Lamm, und sie sind bei Schwein an den merkwürdigen Geruch gewöhnt. Für Deutschland ist das aber sicher keine Lösung“, verdeutlicht die Professorin.
Der Austausch aller Beteiligten sei deshalb enorm wichtig. „Wir wollen Arbeitsgruppen einrichten, darunter einen Thinktank für junge Wissenschaftler gründen und deren Mobilität fördern. Und letztlich vor allem die Brücke zur Praxis und zu den Verbrauchern schlagen.“ www.uni-hohenheim.de
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