Zwei Ausbildungen hat Lukas Sandmeir mit 24 Jahren abgeschlossen: als Koch und Metzger. Nach einigen Monaten in einer anderen Metzgerei, fand der junge Metzgermeister im Herbst 2025 den Arbeitsplatz, den er suchte: in der Hofmetzgerei Stanishof in Germering.
An einem Dienstag nach Arbeitsschluss gegen 14 Uhr treffe ich ihn dort zum Gespräch. Mit dabei ist zunächst sein Chef, Metzgermeister Max Kirmair, der die Hofmetzgerei mit seiner Frau Carolin (im Bild oben) führt. 2016 wurden die Produktionsräume und der Hofladen neu gebaut, 2017 die Hofmetzgerei gegründet, die sich seitdem prächtig entwickelt. Der Hof mit klassischer Landwirtschaft – Ackerbau und Tierhaltung – ist seit 1856 in Familienhand. Sein Bruder Johannes Kirmair führt die Landwirtschaft. Max Kirmair sitzt nur kurz dabei am Tisch, dann sagt er: „Braucht ihr mich noch? Lukas weiß über alles gut Bescheid“, steht auf und verlässt die gemütliche Küche. Auch ein Beweis dafür, wie sehr er den jungen Metzgermeister schätzt.

Parallel zur Realschule machte Lukas Sandmeir immer wieder Praktika in der Gastronomie und entschied sich für eine Ausbildung als Koch bei Dallmayr in München, die von 2019 bis 2022 dauerte. Nachdem er damals auch noch seinen Jagdschein in der Tasche hatte, stiegt das Interesse am Lebensmittel Fleisch. Er wollte mehr darüber lernen und erfahren. Eine auf zwei Jahre verkürzte Metzgerlehre in der Landmetzgerei Huber in Jesenwang folgte, ebenso der Meisterkurs an der Fleischerschule Augsburg, den er im Dezember 2024 erfolgreich abschloss. Er gewann den Wettbewerb der Handwerkskammer München-Oberbayern, den Landeswettbewerb in Bayern und siegte im November 2024 bei der Deutschen Meisterschaft des Fleischerhandwerks in Dresden. „Mein Ziel war es nicht unbedingt zu gewinnen, sondern Freude zu haben. Denn Handwerk macht Spaß. Aber man muss auch mal Dinge hinterfragen, ebenso sich selbst und die eigene Leistung. Gefüllte Rollbraten habe ich nicht nur einen gemacht“, betont er. Eine gesunde Portion Ehrgeiz, Perfektion und Selbstbewusstsein brachten ihn dahin, wo er heute ist, berichtet er weiter. i
Transparenz überzeugte
Die Hofmetzgerei Stanishof liegt etwa 20 Autominuten westlich von München in der größten Stadt des Landkreises Fürstenfeldbruck und ist der einzige Betrieb, der Schweine mästet – im Offenstall mit Auslauf auf die Weide – verarbeitet und Fleisch und Wurst verkauft. Etwa 300 Schwäbisch Hällische Landschweine sind es, die als Ferkel in die Hofmetzgerei kommen und etwa 100 bis 120 kg schwer werden. Geschlachtet werden sie im von Metzgern geführten Schlachthof Hasenheide in Fürstenfeldbruck. „Das Konzept und die Philosophie hier haben mich überzeugt. Vor allem die Transparenz und das Arbeitsumfeld. Wer möchte, kann uns vom Hof aus durch die Fenster bei der Arbeit zusehen“, sagt er. Zudem liefert der Stanishof Fleisch an die Gastronomie und stellt u.a. an drei Tagen frische Burger-Patties für ein Burger-Lokal mit zwei Standorten her.

Angestellt ist Lukas Sandmeir als stv. Produktionsleiter. In Zerlegung, Verarbeitung und Produktion sind sie zu fünft, inklusive zwei Gesellen und einem Auszubildenden. „Alles, was in der Theke im Laden liegt, ist selbst hergestellt. Auch deshalb habe ich mich bewusst für das Metzgerhandwerk entschieden“, betont er. Sein Arbeitstag startet um 5 Uhr früh. Der Weg vom Wohnort dauert 20 Minuten. 15 Schweine und ein Rind pro Woche verarbeiten sie. Die Rinder kommen von einem Kollegenbetrieb. Dienstags hilft er beim Zerlegen und Zuschneiden des Fleisches, an den anderen Tagen produzieren er und seine Kollegen allerhand Wurstsorten: Blut-, Leber- und Weißwürste, Presssack und Rohwürste, Convenience im Glas u.v.m. „Wer eine gute Wurst macht, braucht sich nicht zu verstecken. Man kann die Qualität eines Lebensmittels bestimmen und den Kunden sagen: ‘ja, das können sie ohne Bedenken essen“, spricht er selbstbewusst für seinen Berufsstand.
Wer rastet, der rostet
Diesen vertritt er seit Ende 2024 auch in der Nationalmannschaft des Fleischerhandwerks. „Die Zusage war für mich wie ein kleines Weihnachtsgeschenk“, schmunzelt er. Bei den beiden Jahrestreffen in Bad Arolsen und im Januar 2026 in Aspach war er natürlich dabei. „Eine coole Truppe. Es macht Spaß sich auszutauschen, das Metzgerhandwerk gemeinsam nach vorne zu bringen und jungen Leuten die Vorteile unserer Berufe zu erklären“, sagt er. Sein Highlight 2025 war die IFFA – seine erste Metzgermesse – auf der er fünf Tage war und jede Menge Erfahrung im Umgang mit Menschen machte und neue Kontakte knüpfte: „Es war sehr interessant zu sehen, wie weit unser Handwerk technisch fortgeschritten ist.“ Jungen Leuten würde er seinen Beruf empfehlen weil „man lernt und später weiß, wie und wo ein Lebensmittel herkommt“. Es sei drangeblieben und habe seinen Weg konsequent verfolgt: „Wer rastet, der rostet, das hat sich am Schluss ausgezahlt“, grinst er.
Bald steht der Fleischsommelier-Kurs an, für den er ein Stipendium hat, danach eine Fortbildung zum Thema Weideschuss und er kann seine Fähigkeiten am BTZ in Weiterstadt verbessern. Wenn er Zeit findet, widmet er sich als Imker seinen Bienen und stellt Honig her. Da weiß er auch, wo und wie dieser entsteht.
Text und Fotos: Marco Theimer