Das alles Entscheidende ist die Größe – auch bei Caterern

Aus London berichtet Kathrin Singer

Die britische Cateringlandschaft ist klar strukturiert: Drei Giganten beherrschen 90 Prozent des Marktes – Gardner Merchant (GM), Granada Food Services und Compass. Sie weisen riesige Umsätze auf: GM von rund 2,7 Milliarden Mark, Granada von 2,4 Milliarden Mark und Compass laut der Jahresbilanz von 1997 von 1,9 Milliarden. Alle anderen Firmen des Landes kämpfen um den verbleibenden Rest von 10 Prozent. Aber selbst das ist nicht so einfach, denn die Großen bewerben sich selbst um Aufträge, wo es darum geht, 1000 Leute oder manchmal sogar nur 50 zu versorgen.

Dennoch überleben die kleineren Firmen und haben oftmals sogar eine Chance, gute Gewinne zu machen.

Chris Richards, Direktor von Summit (Jahresumsatz von 23 Mill. Pfund.) erklärt das folgendermaßen: “Wir konkurrieren beim Preis aber wir haben auch etwas, was die Großen nicht bieten. Wir können individueller auf die Kunden eingehen, da wir keine aufwendige Bürokratie haben und wir nicht auf das Okay der Mutterfirma warten müssen, um Entscheidungen zu treffen. Die Kunden empfinden unseren Service oftmals als persönlicher und zuverlässiger. Sie rufen mich bei einem Problem sogar am Sonntagmorgen an”. Die großen Firmen sind sich der Bedeutung des persönlichen Faktors bewußt und passen oftmals die Organisation ihres Geschäfts an diese Erwartung an. Dennoch, so Rick Holroyd, Mitbesitzer von Holroyd Howe – voriges Jahr gestartet und bereits ein Umsatz von 1 Millionen Pfund – wissen die Kunden, daß hinter diesen lokalen Firmen große Konzerne stehen. Wenn sie das prinzipiell nicht wollen, entscheiden sie sich für uns.

Kleine Firmen können auf der Insel so lange relativ ungestört wachsen, bis sie nicht die 10-Millionen-Grenze erreicht haben. Dann aber werden die Großen auf sie aufmerksam. Granada, erst seit fünf Jahren im Geschäft, betreibt eine besonders expansionistische Politik. Seit 1993 hat die Firma 13 Caterer aufgekauft. Bob Cottons von GM, die im vergangenen Jahr Marriott übernommen haben, erklärt: “Wir kaufen vor allem dann Firmen, wenn wir dadurch in einen neuen Markt hineinkommen können.”

In den meisten Industriezweigen würde so ein harter Wettkampf zur Liquidation von kleinen Firmen führen. Auf Grund des geringen Anfangskapitals, das benötigt wird, um eine Catererfirma zu starten – so die Überlegung der Zeitschrift “Caterer” – können aber immer wieder neue Firmen entstehen und sogar mit nur einem Auftrag überleben. Eine Hürde gibt es jedoch, die für die Kleinen schwer zu nehmen ist. Es besteht die Tendenz, daß der Kunde immer mehr Dienstleistungen wünscht. Neben dem Catering sollen auch die Einhaltung der Lebensmittel- und Hygienestandards übernommen werden, die Sicherheit, das Putzen etc. Diese Komplexität der Aufgaben sind die kleineren Caterer oftmals nicht in der Lage zu garantieren. Und eine andere Wolke zieht sich derzeit über ihnen zusammen. Die drohende Rezession. Für diese Zeit sind die Multis mit ihrem dicken Polster einfach besser gewappnet. Aber auch hier sehen die kleinen Firmen einen Lichtblick. Ihr Vorteil: Sie können schneller auf Veränderungen reagieren.

Britischer Cateringmarkt:

Wert: 2 Milliarden Pfund/ Jahr

Angestellte: 250 000

Geschäfte: 16 702

Mahlzeiten / Jahr: 1 189 Millionen

Quelle: British Hospitality Association

UK contract catering industry survey 1998

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