Das große Ganze im Blick

Ende April wählte die Metzgerinnung Miesbach-Bad Tölz-Wolfratshausen ein neues junges Führungsduo: Carolin Pfleger (21) als eine von zwei Obermeisterinnen in Bayern und ihren Stellvertreter Julian Kleeblatt (24) – für die Metzgerbranche unüblich.

Knapp sechs Wochen später treffe ich die beiden in der Landmetzgerei Pfleger in Kochel am See, um mehr über sie zu erfahren und was sie dazu bewegt hat, ihr neues Ehrenamt anzutreten. Vor allem habe sie motiviert, dass es um den Erhalt ihrer Innung, einer der ältesten in Bayern, ging. „Denn die Innungsmitglieder stimmten einstimmig für den Erhalt und gegen eine mögliche Fusion“, berichtet Julian Kleeblatt, Enkel des langjährigen bayerischen Landesinnungsmeisters Georg Kleeblatt sen. (88). Zur Innung gehören 19 Mitgliedsbetriebe. „Viele davon gibt es wie unsere Metzgerei seit Generationen. Erfolgreiche, familiengeführte Betriebe, in denen die nächste Generation in den Startlöchern steht, um sie weiterzuführen. Wir haben eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Mitgliedern. Unser Ziel ist es gemeinsam das Bestmögliche für das Handwerk zu erreichen“, betont Carolin Pfleger. Am zweiten Juni-Wochenende nahm sie erstmals, mit ihrem Obermeister-Vorgänger Kaspar Stielner – dem „Leberkäs-König von Weyarn“ –, am Premieren-Verbandstag der Fleischerverbände Bayern, Thüringen und Sachsen in Dinkelsbühl teil. Ihr Stellvertreter war da aus wichtigen familiären Gründen verhindert, wünschte ihr aber viel Glück und Spaß.

Wer sind die beiden?

Foto: Landmetzgerei Pfleger

Carolin Pfleger lernte nach dem Realschulabschluss in der Metzgerei „Loisachtaler Bauernladen“ in Penzberg Metzgerin, arbeitete ein halbes Jahr danach in einer anderen Metzgerei und schloss ihren Meisterkurs im April 2024 an der Fleischerschule Augsburg ab. Seitdem ist sie im von ihrem Vater Eduard in fünfter Generation geführten Betrieb tätig, morgens in der Wurstküche, ab dem späten Vormittag im Verkauf. „Entweder hier in Kochel oder unserer Filiale in Murnau“, sagt sie. Der familiäre Zusammenhalt sei das Wichtigste, betont sie. So unterstützte sie ihre Eltern etwa beim Umbau des neuen Ladens 2024 und brachte ihre Ideen mit ein. Sie hat noch eine ältere Schwester und einen jüngeren Bruder, der im ersten Jahr seiner Metzgerlehre ist. Sie mag die Abwechslung in ihrem Beruf: schlachten und verarbeiten, neue Produkte austesten und auf das Feedback der Kunden gespannt sein. Die Metzgerei schlachtet pro Woche zwei Rinder, ein Kalb, vier Lämmer und verarbeitet Schweinefleisch von Halsbacher Qualitätsfleisch sowie Wild lokaler Jäger. „Man sieht am Ende des Tages, was man gemacht hat“, sagt sie.

Foto: Metzgerei Kleeblatt

Dem stimmt Julian Kleeblatt voll zu, der nach dem Abitur seine Metzgerlehre im Familienbetrieb absolvierte, 2023 seinen Meistertitel in Augsburger Fleischerschule machte. Er führt die Feinkost-Metzgerei Kleeblatt aus Oberlaindern zusammen mit Vater Georg Kleeblatt jun. Ebenso wie die Landmetzgerei Pfleger gibt es dort rund 30 Beschäftigte zusammen mit dem Stammhaus in Holzkirchen. „Ich bin in der Zerlegung und Produktion, für Großhandel und Preiskalkulation zuständig, hinzu kommen Kundentermine, z.B. bei Großkunden, Gastronomie und Hotellerie“, sagt er. Rund 6 t pro Woche verarbeitete Ware sind es hier. „Eine Spezialität, die es in Bayern so kaum woanders gibt, ist unsere schimmelgereifte Edelsalami. Vier Wochen gereift in speziellen Räumen. In der Art und Weise und mit den Parametern, wie es mein Großvater, der die Metzgerei 1963 gründete, schon gemacht hat. Vom Vater habe er vor allem von dessen technologischer Erfahrung gelernt und schätzt beim Großvater dessen Weitblick. Den braucht es. „Leider macht uns die Bürokratie sehr zu schaffen, vieles ist meiner Meinung unsinnig. Umso mehr muss man sich auf das spezialisieren, was man am besten kann und seine Stärken ausbauen“, sagt er selbstbewusst.

Was wollen sie verändern?

Über die große Verantwortung in ihren Betrieben und an der Spitze ihre Innung sind sich beide bewusst. Es gehe darum die Qualität handwerklich erzeugter Waren täglich zu gewährleisten, das große Ganze im Blick zu haben und die Berufe des Metzgerhandwerks wieder attraktiver zu machen. „Unsere Hauptaufgabe ist die Nachwuchsarbeit, außerdem die Repräsentation nach außen zu stärken und mit anderen Innungen die Situation im Handwerk zu verbessern“, sagt Julian Kleeblatt. „Wir möchten das Bild unserer Berufe in der Öffentlichkeit positiv verändern. Und jungen Leuten erklären, wie vielseitig diese sind, wie regionale Wurst- und Fleischspezialitäten hergestellt werden und was sie so besonders macht“, ergänzt Carolin Pfleger. Einen ersten Termin zum Austausch mit anderen Innungen bei der Kreishandwerkerschaft in Bad Tölz hatte sie schon. Viele weitere interessante derartige Termine und Aktionen werden bzw. sollen folgen.

Text: Marco Theimer

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