Berlin. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) setzt sich massiv für eine Liberalisierung der Sperrzeiten im Gastgewerbe sowie eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten ein. In einem Schreiben an Bundeskanzler Schröder und die zuständigen Kabinettsmitglieder wird diese Forderung untermauert. “Attraktive Innenstädte, kulturelle Vielfalt und ein pulsierendes Nachtleben sind heute für viele Bürger, Gäste und Unternehmer immer noch eine Wunschvorstellung”, erläuterte Christian Ehlers, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA. “So lange kommunale Ordnungswächter in ihren Amtsstuben entscheiden, wann die Bürgersteige hochgeklappt werden, muss es Dienstleistungsbranchen schwer fallen, sich als weltoffen und gastfreundlich zu zeigen”, führte er aus. Darüber hinaus würde eine Liberalisierung der Sperrzeiten dafür Sorge tragen, die wirtschaftliche Situation des konjunkturell gebeutelten Gastgewerbes zu entspannen.
Das Ausgehverhalten der Gäste habe sich in den letzten Jahren gravierend verändert und temporär nach hinten verlagert. Auch die Gastronomen beobachteten diese Verschiebung seit langem. “Einkaufen, gemütlich essen und danach in die Discothek oder den Biergarten – das wollen die Verbraucher. Wir müssen die Gesetze den Lebensumständen anpassen. Dies ist nicht nur Gebot der Stunde, sondern der ausdrückliche Wunsch der Gäste, die nicht kurz nach Eintreffen in Discothek oder Gastronomie wieder hinaus komplementiert werden wollen”, so Christian Ehlers.
Die Einführung der Sommerzeit vor über 25 Jahren sei bisher vom Gesetzgeber ignoriert worden. Gastronomen, die oftmals beträchtliche Summen in ihre Außenflächen investierten, seien an den wenigen schönen Tagen im Jahr vielfach gezwungen, ihre Gäste noch bei Helligkeit “vom Platz zu stellen”. Die Steigerung der Attraktivität der Innenstädte könne nur durch Deregulierung und Entbürokratisierung auf Bundesebene erreicht werden. Neben der Liberalisierung der Sperrzeiten spielt auch der Ladenschluss eine gewichtige Rolle. Eine Lockerung der bestehenden Regelungen würde dem allabendlichen Aussterben der Innenstädte entgegenwirken. “Ladenschluss und Sperrzeiten bedingen sich gegenseitig. Am Ende gewinnen alle: Unternehmer und vor allem Verbraucher und Gäste”, sagte Ehlers. Deutschland sei darüber hinaus Messe-Land Nr. 1. Der Messe-, Konferenz- und Kongresstourismus locke jährlich weit mehr als 50 Millionen zahlungskräftige Kunden und Gäste nach Deutschland.