Virginia Cecchini Kuskow, Programmleiterin der New Food Conference 2026, im Exklusiv-Interview mit FF Future Foods/fleischnet.de.
Unter dem diesjährigen Leitthema „Beyond the Hype: Resilient Systems, Cross-Industry Alliances“ bringt die New Food Conference 2026 in Berlin führende Köpfe aus Lebensmittelindustrie, Handel, Agrarwirtschaft, Investment und Politik zusammen. Gemeinsam zeigen die Akteure, wie sie den gereiften Start-up-Markt für pflanzenbasierte und alternative Proteine als gefestigten Industriezweig etablieren. Am Montag, 25. August 2026, 9 bis 18 Uhr & Netzwerkabend, findet die Fachkonferenz (Konferenzsprache: Englisch) der Ernährungsorganisation ProVeg International im ehemaligen Gasometer auf dem EUREF-Campus in Berlin statt. Im Exklusivinterview mit FF Future Foods/fleischnet.de: Virginia Cecchini Kuskow, Senior Food Industry Manager bei ProVeg, Programmleiterin der New Food Conference.
Frau Cecchini Kuskow, Sie leiten das Programm der New Food Conference 2026. Auf welche Programmpunkte freuen Sie sich besonders? Was ist bei der aktuellen im Vergleich zu früheren Ausgaben des Events neu/anders?
Das Motto der New Food Conference lautet in diesem Jahr “Beyond the Hype: Resilient Systems, Cross-Industry Alliances”. Daran lässt sich schon die größte Veränderung zu den vorhergegangenen Konferenzen ablesen. Die gesamte Branche der pflanzenbasierten Produkte hat sich weiterentwickelt, ist gereift und die Produkte sind zu einem festen Bestandteil in den Sortimenten des LEH geworden.
Gesundheit, Longevity: „ Hier kann die pflanzenreiche Ernährung ihre Vorteile voll ausspielen!“
Bei den inhaltlich breit gefächerten Programmhighlights fällt es mir wirklich schwer, einen Favoriten auszuwählen. Am meisten freue ich mich persönlich wahrscheinlich auf die Gesundheitsthemen und den Fokus auf Longevity. Hier kann die pflanzenreiche Ernährung ihre Vorteile voll ausspielen!
2025 war der pflanzliche Warenkorb in Deutschland erstmals günstiger als sein tierisches Pendant. Glauben Sie, dass diese Entwicklung so weiter geht? Wenn ja: warum?
Wir gehen davon aus, dass sich diese Entwicklung fortsetzt, ja. Für den Absatz pflanzlicher Produkte prognostizieren wir Steigerungen, so dass es beim Einkauf der Zutaten Skaleneffekte geben wird. Zudem sind die Preise pflanzlicher Produkte in der Regel stabiler, was sich günstig im Verhältnis zu sehr volatilen Preise beispielsweise bei Butter, Eiern und Rindfleisch auswirkt.
Supermärkte: „Wir sehen uns eher als kritischer Beobachter, der Schwachstellen identifiziert.“
Was entgegnen Sie Kritikern, die Ihnen vorwerfen, dass die Kooperationen von ProVeg mit dem Lebensmitteleinzelhandel Greenwashing Vorschub leisten?
Das Gegenteil ist der Fall: Mit unseren Studien, z. B. der von Questionmark gemeinsam mit der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, Madre Brava, der Physicians Association for Nutrition und ProVeg umgesetzten “Superlist Umwelt Deutschland” untersuchen wir die deutschen Supermärkte und zeigen schonungslos Defizite in ihren Nachhaltigkeitsplänen auf. Wir sehen uns eher als kritischer Beobachter, der Schwachstellen identifiziert und dazu motiviert, besser zu werden. Das gilt vor allem bei den Scope-3-Emissionen.
Der Markt für alternative Proteine ist vielversprechend, spannend, aber auch volatil; beim aktuellen Protein-Boom gibt es kuriose Auswüchse. Was ist Ihrer Ansicht nach am ehesten vonnöten/sinnvoll, damit sich in diesem Segment ein verlässliches, nachhaltiges Wachstum einstellt?
Alternative Proteine haben ihren festen Platz in den Listungen des LEH gefunden, denken Sie nur mal an die vielen Regalmeter mit Milchalternativen. Diese Produkte sind gekommen, um zu bleiben. Es muss den Konsumenten gegenüber noch klarer kommuniziert werden, dass pflanzliche Produkte gut schmecken sowie günstig und gesund sein können. Außerdem braucht es unbedingt steuerliche Vorteile für Unternehmen, die in Forschung und Entwicklung von Alternativen investieren.
Zukunft: „Die Gesellschaft bewegt sich in die richtige Richtung.“
Und abschließend noch ein Blick in die sprichwörtliche Glaskugel: In welchem Jahrzehnt, Jahrhundert oder Jahrtausend wird die Menschheit komplett auf tierisches Protein verzichten (können)?
Ich bezweifle, dass wir im nächsten Jahrhundert komplett auf tierische Proteine verzichten werden, aber die Gesellschaft bewegt sich in die richtige Richtung. Äußere Faktoren wie die Klimakrise und Megathemen wie Longevity werden die Proteindiversität erhöhen.
Interview: Christian Blümel, Redaktion FF Future Foods/fleischnet.de