Ein vollelektrischer Kühltransporter zeigt wie die Münchner Innenstadt emissionsfrei, leise und zuverlässig gekühlt mit Frischware beliefert wird. Er gehört zur Veredelungsmetzgerei Gut Granerhof aus Peißenberg-Böbing.

Das Gut Granerhof gibt es seit 1493 und wird seit 1998 von jetzigen Eigentümern betrieben. Im Jahr 2000 wurde es um die Tierhaltung mit Hereford-Rindern, Rotwild und Damwild erweitert, ein Jahr später entstand die Veredelungsmetzgerei. 2010 wurde der Hofladen eröffnet. Das Gut steht für hochwertige Fleisch- und Wurstspezialitäten aus eigener Herstellung. Regionalität, Tierwohl und kurze Transportwege und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen sind Unternehmensphilosophie.
Eine Photovoltaikanlage (300 kWp) in Kombination mit einem 50 kWh-Batteriespeicher liefert Strom für die Produktion und den Betrieb der Metzgerei. Die Abnehmer der Veredelungsmetzgerei sind größtenteils Gastronomen im Raum München. Das Gut entschied sich für einen Mercedes-Benz eSprinter mit Kiesling Kühlaufbau und vollelektrischer Kühlmaschine E-200-50 MAX (Thermo King). Das Elektro-Fahrzeug ermöglicht eine lokal emissionsfreie und geräuscharme Belieferung der Gastronomie in der Münchner City. Die Entscheidung fiel nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen. Das Fahrzeug ist seit Mai 2026 im Einsatz und wurde mit dem Autohaus Hornung, Partner für Mercedes-Benz Transporter, realisiert.
Die Gründe

Bei der Auswahl des Kühlaufbaus waren für den Granerhof Qualität, Langlebigkeit und Nachhaltigkeit entscheidend. Daher fiel die Wahl auf einen Kühlaufbau der Kiesling Fahrzeugbau. Das Unternehmen bietet innovative Lösungen für die temperaturgeführte Logistik an und setzt selbst stark auf Nachhaltigkeit. Im Werk in Dornstadt bei Ulm wird ein Großteil des für die Produktionsanlagen benötigten Stroms über eigene PV-Anlagen (Leistung über 920 kWp) geliefert. Bei den Produkten wird auf hohe Qualität gesetzt, die Kühlaufbauten sind langlebig und reparaturfreundlich. Der Hersteller bietet Aufbauten mit TÜV-geprüfter Recyclingquote von ≥ 85 % und einer Wiederverwertungsquote von ≥ 95 % an. Die Kombination aus langlebiger Qualität und ressourcenschonender Konstruktion überzeugte auch den Granerhof.
150 bis 180 km
Seit Mai 2026 transportiert der Granerhof mit dem eSprinter täglich Fleisch- und Wurstwaren von Peißenberg ab 7:30 Uhr an Gastronomiebetriebe in die Münchner City. Nach rund sechs Stunden kehrt das Fahrzeug gegen 13.30 Uhr zurück. Während der Tour legt der eSprinter etwa 150 bis 180 km zurück und beliefert dabei vier bis fünf Kunden. Bei den Lieferstopps wird der Laderaum oft bis zu dreimal im Durchschnitt etwa 60 Sekunden geöffnet. Trotz der häufigen Türöffnungen wird die eingestellte Solltemperatur von +1 °C während der gesamten Tour zuverlässig eingehalten. Das Kühlgerät läuft in einem definierten Temperaturbereich: Bei 0 C schaltet es ab, bei einem Anstieg auf +4°C wird der Betrieb wieder gestartet. So bleiben die empfindlichen Fleisch- und Wurstwaren kontinuierlich im erforderlichen Temperaturfenster.
Alternative zum Dieselfahrzeug

Nach den ersten Einsatzmonaten fällt die Bewertung positiv aus. „Steigende Dieselpreise und unsere PV-Anlage mit Speicher waren ausschlaggebend für die Anschaffung des Mercedes-Benz eSprinters. So werden wir wirtschaftlich unabhängiger von der Kraftstoffpreisentwicklung“, sagt Betriebsleiter Tobias Ende. „Für uns ist es eine vollwertige Alternative.“ Die serienmäßige Geschwindigkeitsbegrenzung auf 90 km/h ist für die täglichen Fahrten ausreichend. Eine Fahrt mit höherer Geschwindigkeit würde den Energieverbrauch steigern und die verfügbare Reichweite reduzieren.
Reichweite passt zum Einsatz
Auch die Fahrleistungen und die verfügbare Reichweite passen zum Tourenprofil. Mit durchgehend eingeschalteter Kühlung erreicht das Fahrzeug eine praxisnahe Reichweite von etwa 200 km. Wird die Kühlung auf der Rückfahrt nicht mehr benötigt und ausgeschaltet, sind bis zu 220 km möglich. Das Fahrzeug startet morgens mit einem Batterieladezustand von 100 %. Nach der Rückkehr liegt die verbleibende Batteriekapazität abhängig von Streckenführung, Verkehrsaufkommen und Betriebsbedingungen zwischen 15 und 30 %, ausreichend als Reichweitenreserve für Unvorhergesehenes. Optimierungspotenzial sieht der Betriebsleiter beim Komfort. Um auf der Hinfahrt möglichst viel Energie einzusparen, verzichtet der Fahrer teilweise auf die Nutzung der Klimaanlage. „Mit einer etwas größeren Reichweite wäre dies nicht mehr erforderlich“, sagt er. Positiv fällt die deutlich geringere Geräuschentwicklung des Elektrofahrzeugs auf.
Zuverlässig auch bei Hitze
Eine besondere Bewährungsprobe waren die hohen Außentemperaturen während der Hitzewelle im Juni und Juli 2026. Bei Temperaturen von über 30°C musste das E-Fahrzeug seine Leistungsfähigkeit unter anspruchsvollen Bedingungen beweisen. Auch an diesen Tagen wurde die nötige Transporttemperatur sicher eingehalten. Eine wichtige Voraussetzung dafür war das konsequente Vorkühlen des Kühlaufbaus vor Fahrtbeginn. „Die hohen Außentemperaturen waren dank des Vorkühlens kein Problem. Der Kühlaufbau hat die Temperatur hervorragend gehalten und die Kühlmaschine hat jederzeit zuverlässig gearbeitet“, so Tobias Ende. Die Praxiserfahrung hat gezeigt, dass die hochwertige Isolierung des Kühlaufbaus, die elektrische Kühlmaschine und das Vorkühlen über den Netzanschluss wirkungsvoll zusammenspielen.
Aufladen des eSprinters

Geladen wird der eSprinter auf dem eigenen Betriebsgelände des Hofes: an einer 11-kW-AC-Wallbox. Je nach verbleibendem Batteriestand dauert das vollständige Aufladen auf 100 % etwa sechs bis sieben Stunden. Es erfolgt direkt nach der Rückkehr des Fahrzeuges. Da die täglichen Strecken planbar sind und innerhalb der verfügbaren Reichweite liegen, ist während der Tour kein Zwischenladen nötig. Der Granerhof ist so unabhängig von öffentlichen Ladesäulen und nutzt eigenen Strom aus der PV-Anlage. Das Elektrofahrzeug wurde so optimal in die bestehenden betrieblichen Abläufe integriert.
Fazit: Dieser Praxiseinsatz zeigt, dass sich regionale Kühlauslieferungen mit planbaren Tagesstrecken vollelektrisch umsetzen lassen. Die Touren können ohne Zwischenladen absolviert werden, die Kühlung hält die benötigte Warentemperatur zuverlässig. Wichtige Kriterien sind das konsequente Vorkühlen und die betrieblichen Lademöglichkeiten. Dazu ist der eSprinter in dieser Variante nur für den Frischdienst-Einsatz, nicht aber für Tiefkühlung, geeignet. „Wir würden uns wieder für ein vollelektrisches Kühlfahrzeug entscheiden. Es überzeugt im täglichen Einsatz durch seine Zuverlässigkeit, niedrign Geräuschemissionen und die problemlose Integration in unsere Abläufe. Die Kombination aus elektrischem Antrieb und leistungsfähigem Kühlaufbau funktioniert hervorragend und erfüllt unsere Anforderungen vollumfänglich“, resümiert Tobias Ende.
www.kiesling.de. www.gut-granerhof.de
Tourendaten im Überblick
– Ladung: Fleisch- und Wurstwaren
– Tagesfahrleistung: ca. 150 bis 180 km
– Reichweite mit Kühlung während der gesamten Tour: ca. 200 km
– Reichweite bei ausgeschalteter Kühlung auf der Rückfahrt: ca. 220 km
– Stopps pro Tour: vier bis fünf mit je bis zu drei Türöffnungen à ca. 60 Sekunden
– Tourdauer: ca. 6 Stunden
– Batteriestand bei Tourbeginn: 100 %, bei Tourende: ca. 15-30 %
– Eingestellte Solltemperatur: +1 °C
Empfehlungen für den täglichen Betrieb
– Aufbau vor dem Beladen auf Transporttemperatur vorkühlen
– Türöffnungen so kurz wie möglich, nach der Entladung sofort schließen
– Lieferstopps und Fahrstrecken effizient planen
– Fahrzeugbatterie rechtzeitig und vollständig laden
– Ladung so verteilen, dass die Luft ungehindert zirkulieren kann
– Gleichmäßig und vorausschauend fahren, Rekuperation nutzen
– Kälterückhaltesytem Cool Slide / Cool Flap als zusätzliche Option