Entspannen in Oblomows guter Stube – Tees aus aller Welt und manches mehr für gestreßte Berliner

Von Michael Hube

Berlin. Wer Hagen Stoletzkis eher unscheinbares Geschäft im Berliner Innenstadtbezirk Prenzlauer Berg betritt, steht vor der Qual der Wahl: Einfach nur mal Entspannen in der Teestube oder heute nur die bevorzugte Sorte im Teeladen auswählen?
Egal wie die Entscheidung ausgeht, in jedem Fall wird es ein Erlebnis. Schon deshalb, weil Berlin vielleicht nur knapp ein halbes Dutzend “Teetempel” dieser Art vorzuweisen hat.
Aromatische Tees, Kerzenschein und leise Klavierklänge laden im Entree zum Verweilen in Stoletzkis Teestube Oblomow ein und vermitteln wohlige Wohnzimmeratmosphäre fern von der Hektik des Alltags.
Die Karte der Teespezialitäten ist schier endlos und läßt ins Träumen geraten. Sie reicht vom Schottentee (Golden Broken Assam Tee, Whiskey, Kandis, Sahnehaube, Muskat – pro Glas 6.00 DM)) oder Persischer Liebestrank (Bengalfeuer-Tee, Rum, Kandis, Sahnehaube – zum selbem Preis) bis hin zum Teegenuß in Familie nach russischer Art, also direkt aus dem Samowar. Hierzu werden Gebäck, Konfitüre Honig, Zitrone und Kandis zum Gesamtpreis von 12.00 DM kredenzt.
Ist weniger Zeit zum Auspusten, kann man sich auch bei “einfachen” Kräuter- oder Früchtetees, schwarzen und grünen Blättern, aus nahezu allen Anbaugebieten der Welt, vom täglichen Streß erholen. Dezent wird der Gast nach seinen Wünschen gefragt und beraten: “Vielleicht indischer Darjeeling mit Rosenknospen oder Bancha Houiji Cha aus Japan? Gut sind auch Sonnenglut, ein aromatisierter grüner Tee mit Kokosraspeln, Kornblumen, Rosenblüten, Ananas-, Kokos- und Rumaroma, oder schlicht nur Brennessell, Brombeer, Fenchel, Jasmin oder Mate aus Südafrika?”, schlägt Inhaber Hagen Stoletzki vor.
Um den kleinen Hunger zu stillen, stehen unter anderem herzhafte Knabbereien wie Käsekräcker, Pomlets mit Kräutern sowie getostetes Früchtebrot und Müslis im Angebot (Preise zwischen 2.50 und 9.70DM).
“Wir sind erst am Anfang des Teeweges”, philosophiert Hagen Stoletzki, der auf verschlungenen Pfaden vom Medizinstudium zu seinem heutigen Tun kam und einst nur “einfacher” Teetrinker war.
“Tee ist mit Medizin, Geschichte, Geographie, Chemie und Physik verwoben”, meint der 35jährige, der sich sein Wissen rund um den Tee autodidaktisch angeeignet hat – ein Teestudium gibt es schließlich noch nicht.
1993 eröffnete er seinen Laden und machte 1994 die Teestube auf. Inzwischen hat Stoletzki eigene Mixturen entwickelt, nach der Methode “Probieren geht über Studieren”. Ihre Namen sind: Oblomow Nr.1 bis Oblomow Nr.5. Es handelt sich um Mischungen aus schwarzen und grünen Tees, aus China oder Taiwan, mit Vanille und allerlei Zutaten, gekönt mit Sahnehäubchen. Derzeit ist sein Oblomow Nr.5, eingängiger als “Russischer Winter” benannt, der Renner der Saison. Seine Sorten bezieht Stoletzki von Großhändlern, nimmt die Qualität stets kritisch unter die Lupe und wechselt – so notwendig – auch die Zulieferer. Einen neuen Geschmackstrend hin zum Tee konnte er bisher allerdings noch nicht ausmachen.
Aus der Teestube braucht es nur wenige Schritte, um erneut vor schwierige Geschmacksentscheidungen gestellt zu sein. Denn im dazugehörigen Teeladen bieten mannshohe Regale in hunderten Schubfächern, Dosen und Gläsern rund 200 Teesorten aus den verschiedensten Regionen an. Eben diese Auswahl ist es, die das Stoletzkische Teeparadies im Prenzlauer Berg blühen läßt.
Und wieso eigentlich der Name Oblomow für eine Teestube in Berlins Mitte?
Ausgerechnet Oblomow, der Zentralfigur in des russischen Schriftstellers, Iwan Gontscharow gleichnamigem Roman aus dem vergangenen Jahrhundert?
“Oblomowtum und Oblomowerei stehen für Müßiggang und Tagträumerei”, meint Hagen Stoletzki. “Zugleich aber auch für den Widerspruch zwischen Suche nach Harmonie und dem täglichen Zwang zu Entscheidungen”. Stoletzkihat sich entschieden – für den Tee nebst des Rundherums um seine gute Stube inmitten Berlins.

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