Feuchtfröhliche Tradition

Das Spektakel, bei dem sich die neuen Metzgergesellen anlässlich ihrer Freisprechung in die Fluten des Fischbrunnens stürzen, beginnt um 13 h. Bereits vorher, ab 11 h, ziehen die Gesellen in einem Festzug zur Kirche Alter Peter, in der ab 11.30 h ein Gottesdienst abgehalten wird. Der Zug zum Metzgersprung setzt sich dann ab 12.30 h in Bewegung und zieht über Weinstraße, Landschaftsstraße, Dienerstraße und Altes Rathaus zum Marienplatz.

 

Vor dem Metzgersprung werden Oberbürgermeister Dieter Reiter und Andreas Gaßner, Obermeister der Metzger-Innung München, die Gesellen und ihr Publikum willkommen heißen. Nach altem Brauch spricht danach der Altgeselle die Auszubildenden von ihrer Lehrzeit frei. Das Münchner Kindl fordert dann zum Metzgersprung auf. Nach der feuchtfröhlichen Sause ziehen die Gesellen zum Hofbräuhaus.

 

Ein Produkt der Pest

Der Metzgersprung wurde in schrecklichen Zeiten geboren. Vor 450 Jahren – die Pest war in München gerade erst überstanden – zogen die Zünfte der Metzger und Schäffler tanzend und musizierend durch die noch verödeten Gassen der Stadt, um die ängstlichen Bürger wieder aus ihren Häusern heraus auf die Straße zu locken. Die Fröhlichkeit der Zunftangehörigen und der groteske Sprung in den Fischbrunnen brachte ein Stück Lebensfreude in die Stadt zurück.

 

Als Lohn für ihr tapferes Verhalten erhielten die Metzger das Privileg zugesprochen, diesen Umzug alljährlich am Fastnachtsmontag wiederholen zu dürfen. Die Metzger verbanden damit einen alten Zunftbrauch: die Freisprechung der Lehrlinge. Nach dem Umzug mussten diese in den Fischbrunnen springen, warfen Nüsse, Äpfel und Münzen unter die Zuschauer, die dann mit Wasser begossen wurden. Heute lässt die Metzger-Innung München diesen alten Brauch alle drei Jahre wiederauferstehen, aber nicht mehr am Rosenmontag, sondern – dem Ausbildungsturnus entsprechend – am letzten Sonntag in den Sommerferien.

 

 

Foto: B&L-Archiv

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