
Die Zentrale der Feinkost-Metzgerei Nolle steht seit 1956 in der Neu Isenburger Lessingstraße. Hier befindet sich auch die Produktion fuer das Hauptgeschaeft im Erdgeschoss, die zwei Filialen sowie den Grosshandel und fuer den hauseigenen Partyservice. Seit 2003 fuehrt Fleischermeister Peter Nolle den 1929 gegruendeten Traditionsbetrieb zusammen mit seinem Vater Alfons, der das Neu-Isenburger Geschaeft Anfang der Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts von seinem Vater Hans uebernommen hatte. Mitte der Neunziger kamen zwei Filialen in Sprendlingen und Frankfurt hinzu.
Dieses breitgefaecherte Unternehmensprofil bewog Alfons und Peter Nolle im Sommer 2008, mit der Unterstuetzung der Beratungsstelle des Deutschen Fleischer-Verbands die EU-Zulassung fuer ihre Produktion anzustreben. Als moegliches Problem hatten die beiden Inhaber die gewachsene Struktur des immerhin ueber 50 Jahre alten Firmengebaeudes ausgemacht. Hier waren mit dem Wachstum des Unternehmens im Laufe der Jahre immer mehr Wohnbereiche in Geschaeftsraeume umgewandelt worden. Bei einem Ortstermin mit DFV-Berater Axel J. Nolden bestaetigte sich diese Befuerchtung. Umkleide-, Produktions- und Aufenthaltsraeume befanden sich auf verschiedenen Etagen, von nur einem Treppenhaus verbunden.

Diese Struktur ist typisch fuer viele gewachsene Betriebe, beschreibt Nolden die Situation. Sich ueberkreuzende Wege waren unvermeidbar, dennoch konnten durch eine eindeutige Verkehrsregelung im Haus viele Schnittstellen entflochten und im Sinne des neuen Rechts entschaerft werden. Hier zeigen sich laut Nolden die Vorteile der neuen EU-Zulassung: Durch die im Gesetz vorgesehenen Spielraeume fuer handwerklich arbeitende Unternehmen sind hier deutlich flexiblere Loesungen moeglich.
Vor allem, wenn der Betrieb in seiner Grundstruktur und Substanz in Ordnung ist. So musste im Fall Nolle ein bereits bestehendes betriebliches Eigenkontrollsystem lediglich an die neuen Anforderungen angepasst werden. Dies geschah mit Hilfe des praxiserprobten DFV-Konzeptes Hygienepraxis Eigenkontrolle Dokumentation. Gemeinsam mit dem DFV-Berater erarbeiteten die beiden Chefs alle noetigen Unterlagen, so z. B. einen Reinigungs- und Desinfektionsplan nach den Empfehlungen des Gelben Ordners. Hier wurden u.a. Verantwortlichkeiten und Zustaendigkeiten neu verteilt und festgelegt. Entsprechende Hinweisschilder in den Geschaefts- und Produktionsraeumen dienen als Arbeitsanweisung und Gedaechtnisstuetze fuer das Personal.

Der Dokumentationsaufwand ist dabei ueberschaubar geblieben. Statt des weit verbreiteten Loggers nutzt Peter Nolle beispielsweise eine Handpistole mit Laser zur kontaktlosen Temperaturmessung. Dabei wird in regelmaessigen Abstaenden auf die Produkte im Kuehlraum geschossen. Ich kann die Messung von der Tuer aus vornehmen und muss nicht extra in den Kuehlraum hinein, erlaeutert der Fleischermeister, ist die Messung im Soll-Bereich, hake ich dies auf einer Checkliste ab. So muss Nolle nur bei moeglichen Abweichungen vom Sollwert aktiv werden. Auch bei den mikrobiologischen Untersuchungen orientiert sich der Firmenchef an den Vorgaben des Deutschen Fleischer-Verbandes.
Von Anfang an wurden auch die zustaendigen Behoerden mit in den Zulassungsprozess mit eingebunden. So besuchten bereits vor der offiziellen Begehung Vertreter des zustaendigen Veterinaeramtes Offenbach den Betrieb. Mit dabei war auch der Berater des DFV, der fuer die Firma Nolle im Anschluss an seinen Termin einen ausfuehrlichen Status-Quo-Bericht mit Bildern erstellt hatte. Nach Umsetzung der gemeinsam vereinbarten Massnahmen stand der offiziellen Begehung nichts mehr im Wege, fasst Nolden zusammen. Die erfolgte dann zeitnah im Fruehjahr 2009. Hier waren neben den oertlichen Veterinaeren auch Vertreter des Regierungspraesidiums Darmstadt vor Ort, deren sachkundige und praxisorientierte Vorgehensweise die beiden Betriebsinhaber ueberraschte. Peter Nolle: Wir waren optimal vorbereitet, dennoch haben wir uns gefreut, wie positiv die Vertreter des Regierungspraesidiums die Umsetzung des neuen EU-Rechts in unserem Familienbetrieb bewertet haben.