“Ich habe heute Vormittag beim Amtsgericht Bad Tölz-Wolfratshausen einen Insolvenzantrag gestellt”, teile Firmeninhaber Dietmar Schach mit. In mehreren Wursterzeugnissen waren zuvor gesundheitsgefährdende Listerien gefunden worden. In der Zentrale des Unternehmens lagern Fleisch und Zwischenprodukte im Wert von ca. 1,6 Mio. Euro. Das Produktionsverbot belastete das Unternehmen mit 100.000 Euro täglich. Die Gesundheitsbehörden halten einen Zusammenhang mit einem Listeriose-Ausbruch, der 2012 begann, für wahrscheinlich. Rund 80 Patienten waren im Süden Deutschlands daran erkrankt, acht davon starben. Laut Süddeutscher Zeitung hatten die Gesundheitsbehörden bei den Patienten einen speziellen Listerientyp ausgemacht, den sie Ende März auch auf einem Stück Wacholderwammerl der Firma Sieber und nach neuen Erkenntnissen auch in drei weiteren Wammerl-Proben identifizierten – in einem Fall in einer Rückstellprobe aus dem Betrieb.
Der Erlass des Landratsamtes Bad Tölz-Wolfratshausen am 27. Mai 2016 zum Produktionsstopp und einer Rückrufaktion traf Sieber völlig überraschend. An dem Betrieb werde ein Exempel statuiert, um von behördlichen Versäumnissen abzulenken, hieß es zu Beginn vom Unternehmen. Er habe mit den Behörden kooperiert und alles getan, um die Verbraucher zu schützen, sagte der Sieber-Chef. Über die Herkunft der Keime gebe es noch keine Erkenntnisse.
Verbraucher können die betroffenen Produkte am Code „BY 10571“ auf den Packungen erkennen. Die Großmetzgerei Sieber belieferte neben zahlreichen Großküchen u. a. von Automobilherstellen sowie den beiden Großflughäfen Frankfurt und München auch alle Lebensmittel-Discounter, außer Aldi.
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