Cem Oezdemir Landwirt foodwatchschaftsminister Die Gruenen

Harsche Kritik von foodwatch an Özdemir

Verbraucherorganisation foodwatch:
Verbraucher-Bashing, Ablenkungsmanöver

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat Interviewaussagen von Cem Özdemir kritisiert. Der Agrarminister mache die Menschen in Deutschland mitverantwortlich für schlechte Tierhaltungsstandards, weil sie angeblich nicht bereit seien, im Supermarkt genug Geld zu bezahlen. Er zeige mit dem Finger auf die Verbraucher, um vom eigenen politischen Scheitern abzulenken, so die foodwatch-Kritik. Wenn Verbraucher zu teureren, vermeintlich „besseren“ Lebensmitteln greifen, bedeute das weder, dass die Tiere besser gehalten würden, noch, dass Landwirte mehr Geld bekämen, betonte die Verbraucherorganisation.

„Verbraucher:innen können mit ihrem Einkauf im Supermarkt nicht für mehr Tierschutz sorgen. Ein höherer Preis an der Supermarktkasse bedeutet nicht automatisch höhere Tierschutzstandards – und beim Landwirt kommt auch nicht unbedingt mehr Geld an“, sagte foodwatch-Geschäftsführer Dr. Chris Methmann. „Cem Özdemir hat seit seinem Amtsantritt herzlich wenig für eine bessere Tierhaltung erreicht. Dass der grüne Agrarminister jetzt den Verbrauchern die Schuld für Missstände in deutschen Ställen zuschiebe, sei „ebenso durchschaubar wie schäbig“.

Cem Özdemir habe in einem Interview mit dem ARD-Sender Radio Eins den Menschen in Deutschland vorgeworfen, sie seien nicht bereit für gute Tierhaltung auch mehr Geld zu bezahlen. Verbraucher seien „leider sehr gut in den Einstellungen, was Tierschutz angeht“, aber beim Einkauf werde „dann auf den Geldbeutel geschaut“. Das Ergebnis sei, „dass die Landwirte eben nicht das bekommen, was sie bekommen müssten.“ Wer wolle, dass Tiere artgerecht gehalten werden, (…) müsse auch bereit sein, die entsprechenden Produkte zu kaufen, so der Minister.

foodwatch nennt in einer Pressemitteilung drei Beispiele, warum die Aussagen des Ministers falsch seien.

Beispiel Anbindehaltung

Die tierquälerische Anbindehaltung bei Kühen sei nach wie vor erlaubt. Jeder dritte Milchviehbetrieb in Deutschland halte seine Tiere in Kettenhaltung. Die Milch werde auch in teuren Markenprodukten wie Exquisa, Weihenstephan oder MinusL und sogar in Bio-Lebensmitteln verarbeitet. Verbraucher könnten das im Supermarkt jedoch nicht erkennen.

Selbst wenn sie zu teureren Produkten greifen würden, könne Milch aus Kettenhaltung in ihrem Einkaufskorb landen. SPD, Grüne und FDP hätten in ihrem Koalitionsvertrag 2021 zwar vereinbart, die „Anbindehaltung spätestens in zehn Jahren beenden“ zu wollen. Doch seitdem gehe es bei dem Thema nicht voran.

Beispiel Tiergesundheit

Verbraucher könnten beim Einkauf nicht erkennen, ob Fleisch, Käse oder Eier von kranken Tieren stammen – egal ob sie zu Bio-Produkten greifen oder zu vermeintlich besseren, teuren Markenprodukten. Denn Nutztiere würden millionenfach unter Krankheiten und Schmerzen leiden – und zwar in allen Haltungsstufen, von Bio bis konventionell.

So zeigten Schlachthofbefunde beispielsweise, dass knapp 40 Prozent aller Schweine in konventioneller Haltung krankhafte Befunde wie Lungenentzündungen, offene Wunden oder Abszesse haben. In der Bio-Haltung seien es mit 35 Prozent laut einer Studie kaum weniger.

Die Ampel habe im Koalitionsvertrag versprochen, eine „Tiergesundheitsstrategie“ zu erarbeiten. Passiert sei bisher nichts. Im Gegenteil, die Pläne seien mittlerweile offenbar auf Eis gelegt worden, das Bundesagrarministerium habe kürzlich die Finanzierung für ein entsprechendes Forschungsprojekt („Nationales Tierwohl-Monitoring“, NaTiMon) gestrichen.

Beispiel Preise

Landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland stecken laut foodwatch in einem „ruinösen Preisunterbietungswettbewerb“. Doch der Appell an Verbraucher, mehr Geld im Supermarkt auszugeben, helfe den Landwirten nicht. Denn wieviel Geld an die Erzeuger ausgezahlt wird, hänge nicht entscheidend davon ab, ob Menschen zum teuren Markenprodukt oder zum günstigen No-Name-Lebensmittel vom Discounter greifen. Die höheren Preise strichen Hersteller und Handel fast komplett ein.

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