Kemper und der Transrapid

Was kostet der Transrapid? Millionen? Milliarden? Genau 200.000 und einen Euro. So viel (oder eher so wenig) hat Wolfgang Kühnl, Geschäftsführer des Fleischwarenunternehmens Kemper in Nortrup, dafür bezahlt. Aber was will er mit der Magnetschwebebahn?

Ganz einfach: ein Stück Familiengeschichte pflegen. Denn Wolfgang Kühnl ist Urenkel von Hermann Kemper. Der Ingenieur und Sohn des gleichnamigen Kemper-Firmengründers meldete 1934 die Idee einer elektromagnetischen Schwebebahn zum Patent an. Sein Geistesblitz machte als Transrapid Geschichte: zunächst auf einer Teststrecke im Emsland, als geplante und nie verwirklichte Schnellverbindung zwischen Flughafen und Hauptbahnhof München sowie als bis zu 500 km/h schneller Hochgeschwindigkeitszug in Shanghai. Traurige Berühmtheit erlangte der Transrapid im Jahr 2006 bei einem Unfall, bei dem er auf der Versuchsstrecke im Emsland mit Tempo 162 einen vergessenen Werkstattwagen rammte. 23 Menschen starben, zehn wurden verletzt.

 

Menschliches Versagen war für das schwere Unglück verantwortlich, nicht die von dem Fleischwarenfabrikanten Hermann Kemper erdachte Technik. Der Sohn des Firmengründers hatte nicht nur die zündende Idee einer elektromagnetischen Schwebebahn, er setzte diese auch in seinem Unternehmen ein – in Gestalt einer Unterdeckenförderung. Der Transrapid war und ist also ein Stück Kemperscher Unternehmensgeschichte. „Meine Familie fühlt sich ihm sehr verbunden“, sagt der Urenkel des Erfinders.

 

Ein echtes Schnäppchen

Als im Oktober 2016 bekannt wurde, dass der Bund das Exemplar Transrapid 09 loswerden will, stieg Wolfgang Kühnl in den Bieterwettbewerb ein. Offensichtlich kein allzu abenteuerliches Unterfangen; nur diverse Verschrotter, die Hochschule Bingen und die Emsland-Gemeinde Lathen wollten den Zug ebenfalls haben. Der Kemper-Geschäftsführer bekam im November 2016 den Zuschlag von der VEBEG, dem Verwertungsunternehmen des Bundes, das den Transrapid im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) zu Geld machen sollte. Mit 200.001 € lag das Kühnl-Höchstgebot immerhin mehr als 180.000 € über dem Schätzpreis des Schrottwerts von rund 17.000 €. Trotzdem ein Schnäppchen, wurden doch einst in den 75 m langen und 170 t schweren, von ThyssenKrupp gefertigten Zug satte 40 Mio. € investiert. Der Transrapid 09 sollte übrigens zwischen Flughafen und Landeshauptstadt München zum Einsatz kommen. Weil die Kosten für dieses ehrgeizige Projekt schon in der Planungsphase explodierten, kam 2008 das Aus.

 

Wolfgang Kühnl hat einen sehr konkreten Plan für die Verwendung des Zuges. Dieser soll auf einem Stück Transrapid-Originaltrasse vor dem Kemper-Verwaltungsgebäude in Nortrup aufgestellt werden, Informationen über seinen Erfinder bieten und als Raum für Schulungen und Konferenzen dienen. Eine betriebsame Zukunft für einen Zug, der in Deutschland im regulären Personalverkehr niemals zum Einsatz gekommen ist. Denn das in fünfter Generation familiengeführte Unternehmen zählt mit aktuell 1.350 Mitarbeitern und vier Produktionsstandorten zu Europas marktführenden Herstellern von Rohwurst-, Schinken-, Brühwurst-, Kochwurst- und Convenience-Produkten. Da dürfte es genug Gesprächs- und Schulungsbedarf geben.

 

 

Foto: VEBEG

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