Konzernatlas 2017

„Daten und Fakten über die Lebensmittelindustrie“ lautet der Untertitel des jüngsten Nachschlagewerks der Heinrich-Böll-Stiftung, des „Konzernatlas 2017“. Dass es sich dabei um ein Werk handelt, das einen überaus kritischen Blick auf die Konzerne in der Lebensmittelindustrie wirft, ist keineswegs überraschend. Denn allein die Urheber zählen samt und sonders nicht gerade zu den Industriefreunden: Heinrich-Böll-Stiftung (federführend), Rosa-Luxemburg-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz, Oxfam Deutschland, Germanwatch und „Le Monde diplomatique“ (deutsche Ausgabe). Die Grünen-nahe politische Stiftung hat außerdem in den vergangenen Jahren schon mit streitbaren Publikationen wie dem „Fleischatlas“ oder „Iss was?! – Tiere, Fleisch & Ich“ für Aufsehen gesorgt.

 

Wie sie die globale Entwicklung der Lebensmittelversorgung sehen, machen die Autoren schon im Vorwort deutlich: „In vielen Bereichen des Agrar- und Lebensmittelsektors haben einzelne Akteure durch ihre Marktmacht auch viel Gestaltungsmacht und politischen Einfluss. Die Konfliktlinie verläuft dabei meist entlang der ungleichen Machtverhältnisse: zwischen Agrar-, Lebensmittel- und Handelskonzernen auf der einen Seite und Bauern und Bäuerinnen, Arbeiterinnen und Arbeitern auf der anderen Seite. Die Schere zwischen ihren Anteilen an den Verkaufserlösen klafft immer weiter auseinander und die globale Ungleichheit nimmt zu.“ Alles andere als ein neutraler Atlas also – keine Frage.

 

Ausführlich und bunt

Wie sich die globale Lebensmittelproduktion in immer weniger und immer größeren Konzernen konzentriert, wie der Landraub vor allem in den Entwicklungsländern der südlichen Hemisphäre der Erde funktioniert, wie Wasser kommerzialisiert wird, wie die Genetik auf Tiere und Pflanzen wirkt, wie sich Marken und Märkte manipulieren lassen und wie Bauern und Arbeiter dabei unter die Räder geraten (können) – das alles und noch viel mehr ist im „Konzernatlas 2017“ auf 50 Seiten ausführlich geschildert und mit reichlich bunter Grafikpower aufbereitet. Und deswegen bei aller Parteilichkeit eine lohnenswerte Lektüre.

 

Unter www.boell.de/konzernatlas steht das Werk gratis zur Bestellung und als pdf zum Download bereit.

 

 

Foto: Atlasmanufaktur/Heinrich-Böll-Stiftung

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