Damme. Der Export von lebenden Schweinen hat sich in den letztendrei Jahren sehr dynamisch entwickelt, teilt die ISN-Interessengemeinschaft derSchweinehalter Deutschlands e.V. (ISN) mit. Im vergangenen Jahr konnten diedeutschen Lebendexporte von Schweinen um 35% ausgebaut werden konnten.Mittlerweile wird jedes 15. Schwein aus Deutschland lebend exportiert.
Exporte von lebenden Schlachtschweinen
Die Lebendexporte nach Osteuropa und Russland haben sichin den letzten zwei Jahren nahezu verdoppelt. Lebendexporte in die „alteEU" sind dagegen rückläufig. Die EU-Osterweiterung hat den deutschenViehhändlern die Möglichkeit geschaffen sich neue Märkte zu erschließen.Genutzt haben sie die neuen Absatzmöglichkeiten vor allem nach Polen (500.000Schweine, +223%), Russland (210.000 Schweine, +109%), Ungarn und Tschechien(110.000 Schweine, +661% bzw. +78%). Österreich bleibt mit 460.000 Tieren(-20%) ein wichtiger Absatzmarkt für deutsche Schlachtschweine, wird aberzunehmend von den osteuropäischen Märkten abgelöst.
Exporte von lebenden Ferkeln
Im letzten Jahr konnte mit 34% eine deutliche Steigerungder Ferkelausfuhren verzeichnet werden. Die wichtigsten Exportländer sindRumänien (335.000 Ferkel, +111%), Kroatien (300.000 Ferkel +36%) und Ungarn(170.000 Ferkel, +257%). Die Exporte nach Österreich und Italien spielten inden vergangenen Jahren eine wichtige Rolle, sind aber in Relation zum starkenWachstum der osteuropäischen Länder rückläufig. Relativ gesehen, haben dieExporte in die Ukraine den größten Wachstumssprung hingelegt (+900%), so dieISN.
Dass bereits 77% der deutschen Ferkelexporte nachSüdosteuropa ausgeführt werden, lässt sich wahrscheinlich damit erklären, dassdie ursprünglichen Märkte für süddeutsche Ferkel in Nordwestdeutschland zunehmendvon den Niederländern und Dänen besetzt werden, vermutet die ISN. DieViehhändler haben sich demnach neuen südlicheren Absatzmärkten zugewandt.
Exporte von Zuchtvieh
Der Export von Zuchtschweinen spielt im Vergleich zurLebendausfuhr von Ferkeln und Schlachtschweinen eine untergeordnete Rolle. Die35.000 exportierten Tiere entsprechen einem Prozent des Gesamtlebendexportes.
Lebendexporte und politische Rahmenbedingungen
Die Hoffnung, dass die Lebendexporte den deutschenSchlachtschweinemarkt längerfristig stützen, ist aus den neuesten politischenAnstrengungen nicht abzuleiten.
Exporte von Lebendvieh erhalten seit kurzem eine erhöhtepolitische Aufmerksamkeit in Deutschland. Der Bundesrat empfiehlt:
· VerringerteLadedichten (Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit der Transporte)
· Begrenzung vonTransporten auf 8 Stunden
· Längere Transportelebender Schlachttiere in Drittländer sollten grundsätzlich ausgeschlossen werden
· Keine bilateralenVeterinärbescheinigungen für lebende Schlachttiere mit Drittländer vorzusehen.
In Russland wurden die Zollsätze für Lebendimporteerheblich angepasst, d.h. verachtfacht auf 40%. Dies hat erheblicheAuswirkungen auf den Export von lebenden Schweinen aus vielen europäischenLändern. Der Markt kann nur so lange seinen Weg gehen, bis diePolitik einen Riegel vorschiebt. Lebendexporte haben sich in den vergangenenzwei Jahren zu einem Nischenmarkt bzw. Ventil mit guten Erlösen entwickelt.
Die Aussichten für den Lebendexport von Schlachtschweinensind ungewiss, aber nicht hoffnungslos. Der starke Bestandsabbau in Osteuropaeröffnet weitere Chancen. Auch die ursprünglichen Märkte Österreich und Italienkönnten wieder stärker in den Fokus gerückt werden.