Im Rahmen der Vortragsreihe „Applications with Natural Refrigerants – Country Situation and Experiences“ von eurammon auf der „Chillventa“ tauschten sich internationale Experten aus diesem Bereich aus und gaben Einblicke in länderspezifische Rahmenbedingungen. „Das Lecture Event war mit mehr als 100 Teilnehmern sehr gut besucht“, so Bernd Kaltenbrunner, Vorstandsvorsitzender von eurammon, der durch die Veranstaltung führte. Im Anschluss daran traf sich das Fachpublikum zum „Brunch for Friends of Natural Refrigerants“ am eurammon-Messestand, um sich über Einsatzbereiche von natürlichen Kältemitteln zu informieren, sich auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.
Schwellen- und Entwicklungsländer
Der Einsatz von natürlichen Kältemitteln wird Ländern, wie Algerien oder Tunesien, in den nächsten Jahren stark an Bedeutung gewinnen, insbesondere im Bereich der kommerziellen Kühlung. Gefördert wird das Wachstum durch internationale Verträge, die den Einsatz von Kältemitteln mit hohem GWP limitieren. Hemmende Faktoren sind eine schwache Innovationskultur aufgrund einer geringen Ingenieurs- und Entwicklungskompetenz. Auch die hohen Ansprüche an die Anlagensicherheit Fachkräftemangel bremsen das Wachstum, wie Stephan Sicars von der United Nations Industrial Development Organization (UNIDO) berichtete.
Kolumbien
Kolumbien entwickelt sich. Parallel zu dem sehr stark wachsenden Bruttoinlandsprodukt steigt auch der Bedarf an industrieller und kommerzieller Kühlung. Der 48-Millionen-Einwohner-Staat besitzt umfangreiche Erfahrungen mit Ammoniak basierten Kältesystemen. Deren Bedeutung wird in Zukunft zunehmen. Juan und Raul Perea von ALFRIO gaben Einblick in die aktuelle Gesetzgebung und zeigten, wie der Einsatz umweltfreundlicher Kältemittel gestärkt wird, etwa mit der Gründung von RSIS – dem landesweit ersten Bildungszentrum für industrielle Kältetechnik, das Fachkräfte im Umgang mit dem Kältemittel schult. Ein Manko: Die Antragsbearbeitung für eine Ammoniak-Kälteanlage dauert hier im Schnitt drei Monate.
Südafrika
Ammoniak wird hier seit den 30er Jahren eingesetzt, aktuell nutzen schätzungsweise ca. 3.000 Fabriken entsprechende Kältesysteme. Sie kommen quer über alle Branchen und Anwendungsgebiete zum Einsatz, hauptsächlich aber in Kühlhäusern, Brauereien, Weinbetrieben und Schlachthäusern sowie in der Lebensmittelindustrie. Auch in Supermärkten geht der Trend hin zu Ammoniak-Kälteanlagen, berichtet Isolde Döbelin, Direktorin des Open Trade Training Center in Dersley, Springs. Eine sehr strikte Gesetzgebung, die oft über den europäischen Standard hinausgeht, sorgt für höchste Anlagensicherheit. Auch im Blick auf die Qualifikation ist Südafrika gut aufgestellt: mehrere landesweite Institute schulen Techniker im Umgang mit Ammoniak-Systemen – und stellen ihnen bei entsprechendem Fachwissen die erforderlichen Zertifikate aus. Der südafrikanische Markt gilt als Musterbeispiel für den Einsatz natürlicher Kältemittel.
China
In China kommen aktuell noch überwiegend synthetische Kältemittel zur Gebäudeklimatisierung sowie zur industriellen und kommerziellen Kühlung zum Einsatz. Zugleich besteht ein hohes Bewusstsein, dass ein Umstieg auf umweltfreundliche Kältemittel dringend erforderlich ist. Dr. Xiangping Zhang vom Henan Institute of Engineering erläuterte, mit welchen Maßnahmen China den sicher noch Jahre dauernden Transformationsprozess beschleunigt und wo Herausforderungen und Risiken liegen.
Rumänien
Rumänien unterzeichnete sowohl das Montreal Protokoll (1987) als auch das Kyoto Protokoll (1997) – und ist als neues Mitglied in der EU zur Umsetzung der europäischen Gesetzgebung im Blick auf die Umwelt- und Klimaziele verpflichtet. Wie Prof. Gratiela Tarlea von der Technical University of Civil Engineering in Bukarest berichtete, steht das EU-Land eine umfangreiche Umrüstungswelle bevor: Ein hoher Anteil an Bestandsanlagen wird aktuell noch mit klimaschädigenden Kältemitteln betrieben und HFCs sollen zukünftig durch natürliche Kältemittel ersetzt werden. Entsprechende, klimafreundliche Projekte werden finanziell zur Hälfte mit Mitteln aus der EU gefördert. Das größte Wachstum von Anlagen mit natürlichen Kältemitteln verzeichnet Rumänien im Bereich der Lebensmittelindustrie. Weitere Informationen über eurammon sowie die Präsentationen des Lecture Events unter www.eurammon.com.
Foto: eurammon