Übertragung von Methicillin-resistenten MRSA durch Schweinefleisch unwahrscheinlich


“Dass MRSA von Nutztieren ueber Lebensmittel wie rohes Fleisch oder Rohmilch auf Menschen uebertragen werden, ist nach derzeitigem Kenntnisstand unwahrscheinlich”, sagt BfR-Praesident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, “denn wir schaetzen die Keimmenge auf und in Lebensmitteln als gering ein.” Allerdings sollten Verbraucher beim Umgang mit Lebensmitteln die noetige Kuechenhygiene einhalten, um ein moegliches Restrisiko zu reduzieren. Ein er hoehtes Risiko, mit MRSA besiedelt zu werden, weisen Personen auf, die haeufig Kontakt mit Nutztieren haben. Das sind vor allem Landwirte und Tieraerzte, aber zum Beispiel auch Schlachthofpersonal. Wer mit MRSA besiedelt ist, erkrankt nicht automatisch. Betroffene Personen sollten aber bei anderen Erkrankungen und Krankenhausaufenthalten ihren behandelnden Arzt auf die moegliche Besiedlung mit MRSA aufmerksam machen. So koennen sie verhindern, dass MRSA beispielsweise zu Wundinfektionen fuehrt oder aufgrund des geschwaechten Immunsystems andere Infektionen verursacht. Die Bewertung des BfR stimmt weitgehend mit der Bewertung der Europaeischen Behoerde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ueberein.
MRSA sind Staemme der Keimart Staphylococcus aureus, die gegen bestimmte Antibiotika, die Betalaktam-Antibiotika, resistent sind. Sie besiedeln Haut und Schleimhaeute und bleiben in der Regel unbemerkt und ohne Folgen. Nach Schaetzungen sind in Deutschland etwa 1 bis 2 % der Bevoelkerung mit MRSA besiedelt. Zum Problem kann der Keim vor allem in Krankenhaeusern werden. Bei Patienten mit geschwaechter Abwehr oder chronischen Erkrankungen kann er zu Wundinfektionen, Infektionen der Atemwege und Blutvergiftungen fuehren. Diese lassen sich dann aufgrund der Antibiotika-Resistenz nur schwer behandeln. Seit den 1990er Jahren werden zunehmend auch MRSA-Staemme beschrieben, die nicht aus Krankenhaeusern stammen.
In den vergangenen Jahren stellte sich heraus, dass der Keim auch bei Nutztieren eine Rolle spielt. So wurde vermehrt ueber Funde bei Tieren berichtet, bei denen fast ausnahmslos ein bestimmter Typ in Erscheinung trat. Er wird als ST398 bezeichnet und besiedelt sowohl Tiere als auch Menschen, hat bisher allerdings nur selten zu Erkrankungen gefuehrt. Die Uebertragung zwischen Menschen ist bei diesem Typ selten, so dass derzeit davon auszugehen ist, dass von den besiedelten Personen kein besonderes Risiko fuer andere Personen ausgeht. Bei der Uebertragung zwischen Tieren scheint die Anwendung von Antibiotika von Bedeutung zu sein. So kann sich der Keim innerhalb eines Bestandes insbesondere nach Anwendung von Antibiotika rasch ausbreiten. Zwischen verschiedenen Tierbestaenden breitet er sich nach derzeitigem Kenntnisstand vor allem durch den Handel mit besiedelten Tieren aus.
Die Einrichtungen des Veterinaer- und des Gesundheitswesens haben durch intensive Zusammenarbeit innerhalb von zwei Jahren wichtige Erkenntnisse zur Ausbreitung des Erregers und zur Einschaetzung des von ihm ausgehenden Risikos gewonnen. Bei Sachverstaendigengespraechen und in Expertengruppen wurden im BfR die Ergebnisse der laufenden Untersuchungen diskutiert und bewertet. In der Nationalen Arbeitsgruppe zu MRSA bei Nutztieren des Bundesministeriums für Ernaehrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) wurden die moeglichen Handlungsoptionen zur Sicherstellung des gesundheitlichen Verbraucherschutzes diskutiert und das weitere Vorgehen festgelegt. Durch weitere Forschungsarbeit, auch in Zusammenarbeit mit anderen europaeischen Laendern, soll die Entwicklung genau verfolgt werden. Gemeinsame Maßnahmen der Veterinaer- und Gesundheitsbehoerden sollen den Eintrag von LaMRSA in Einrichtungen des Gesundheitswesens minimieren. Gleichzeitig sollen Massnahmen zur Verminderung des Erregers bei Nutztieren entwickelt werden.

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