Weiterer Aderlass bei der Initiative Tierwohl

Die Initiative Tierwohl bedauert den Entschluss der Tierschutzorganisation ProVieh, den Beraterausschuss zu verlassen. „Wir hätten uns gewünscht, dass ProVieh weiter aktiv an der Gestaltung der Initiative Tierwohl mitarbeitet und sich nicht aus der Verantwortung für einen machbaren Wandel zieht. Damit würden sie sich hinter die vielen tausend Landwirte stellen, die schon heute mehr Tierwohl in ihren Betrieben umsetzen“, kommentiert Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Uns irritiert der plötzliche Richtungswechsel von ProVieh. Noch vor kurzem haben wir gemeinsam mit einigen Mitgliedern des Beraterausschusses, darunter auch ein Vorstandsmitglied von ProVieh, die Weiterentwicklung der Initiative erörtert. Dabei ging es u. a. um die Ausgestaltung des Kriterienkatalogs und die strategische Ausrichtung sowie um die Berücksichtigung der Vorschläge von ProVieh.“

 

„Zu wenig Tierschutz übrig“

ProVieh bemängelt in einer Pressemitteilung, dass vom ursprünglich erarbeiteten Tierwohlkonzept nach Gründung der Gesellschaft „am Ende zu wenig Tierschutz übrig“ geblieben sei. Der Ringelschwanz als wichtigster Tierwohlindikator spiele bei der Initiative Tierwohl aktuell keine Rolle mehr, die Bereitstellung von Raufutter, ursprünglich als Pflicht geplant, werde nur zur Wahl gestellt.

 

Andere Tierwohlmaßnahmen wie Einstreu, weiche Liegeflächen und Auslauf ins Freie würden voraussichtlich ab 2018 nicht mehr bonitiert. Dasselbe gelte auch für die alternativen Verfahren zur betäubungslosen Ferkelkastration. „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht“ sagt Udo Hansen, Vorstandsmitglied von ProVieh, „wir hatten eine Vision, in die wir sehr viel Engagement, Kraft und reichlich guten Willen gesteckt haben.“

 

Die Wirksamkeit der Tierwohlkriterien zu hinterfragen, ist für die Initiative Tierwohl nicht nachvollziehbar – sie liegen laut Presseinfo der Initiative „alle über den gesetzlichen Standards und wurden gemeinsam mit Praktikern aus Tiermedizin und Landwirtschaft sowie Wissenschaftlern entwickelt“. Wichtig sei ihre Umsetzbarkeit für möglichst viele Betriebe.

 

Bei TV-Skandal Flagge gezeigt

Auch beim jüngsten TV-Skandal in einem schweinehaltenden Betrieb im Donau-Alb-Kreis habe die Initiative Flagge gezeigt. Die veröffentlichten Tierschutzverstöße eines für die Initiative Tierwohl zugelassenen Betriebes im RTL-Magazin „sternTV“ seien für die Initiative Tierwohl „nicht tolerierbar“. „Wir haben unmittelbar mit einem Sonderaudit reagiert und den Betrieb ausgeschlossen. Wir nehmen den Vorfall zum Anlass, kurzfristig die Vorgaben und das Kontrollsystem der Initiative Tierwohl zu prüfen und anzupassen“, erklärte Dr. Alexander Hinrichs.

 

Mit der Initiative Tierwohl wollen sich Verantwortliche aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel entlang der Wertschöpfungsketten für Schwein und Geflügel zu ihrer gemeinsamen Verantwortung für Tierhaltung, Tiergesundheit und Tierschutz in der Nutztierhaltung bekennen. Der Verband der Fleischwirtschaft e. V. und der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. sind zwei von sechs Gesellschaftern der Initiative.

 

 

Foto: Initiative Tierwohl

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