Die Einkaufs- und Essgewohnheiten der Menschen wandeln sich – und mit ihnen die Fleischereifachgeschäfte. Immer häufiger werden Gastrobereiche mit Erlebnisqualität und Wohlfühlatmosphäre in den Verkaufsraum integriert. Der wachsende Außer-Haus-Verzehr macht Frontcooking auch in der Metzgerei immer beliebter, was technische Erneuerungen erfordert, um mit den Bedürfnissen der Kunden Schritt zu halten. Ausgetüftelte Kühlsysteme sorgen für appetitliche Ware und die neuen Heißen Theken glänzen durch ihre vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten. Rund 39 Prozent der Betriebe planen Investitionen im Laden und im Verkaufsbereich. Wie sie mit gutem Design und clever organisierten Arbeitsabläufen mehr Umsatz machen, erfahren Fachbesucher vom 2. bis 4. Oktober 2011 auf der SÜFFA. Die Messe in Stuttgart zeigt umfassendes Angebot, mit allem, was der handwerklich und der industriell arbeitende Mittelstand braucht.
Mehr Küchentechnik im Hintergrund
Führende Ladenbau-Unternehmen, Hersteller von Küchentechnik, Waagen und allem, was an Ausstattung und technischem Zubehör benötigt wird, stellen in Stuttgart ihre neuesten Produkte vor. Die Fleischerfachgeschäfte sind mitten in einer Umbruchphase. Viele Betriebe vergrößern oder spezialisieren sich. Das verändert ihr Erscheinungsbild. „Die Metzgerei bekommt Farbe und wirkt insgesamt viel wärmer und einladender als früher, einfach nicht mehr so streng. Nach geraden Theken gibt es jetzt einen Trend zu geschwungenen und runden Präsentationsflächen zur Schaffung von Wareninseln wie Salate, Wurst, Fleisch, Fertigprodukte und Käse”, sagt Anja Wehrfritz vom Ladenbauer Schrutka-Peukert. Die Innenarchitekten und Fachplaner entwickeln für jeden Grundriss optimale Nutzungskonzepte. Wenn möglich, auch mit attraktivem Imbiss- und Sitzbereich. Eigene Salatbars sind keine Seltenheit mehr. Für eilige Kundschaft eignet sich eine Kühlinsel oder ein Kühlregal mit Getränken, verpackter Ware, für Snacks und den Tagesangeboten zur Selbstbedienung. Und im Hintergrund erleichtern immer häufiger Kombidämpfer die Küchenabläufe.
Showkochen in der Erlebnis-Fleischerei
„Vor kurzem haben wir hier in unserer Nachbarschaft eine Erlebnismetzgerei nach den Gesichtspunkten des Feng Shui eingerichtet”, sagt Annerose Sostaritsch von Kramer Ladenbau aus Freiburg mit Blick auf den Trend zu mehr Wohlfühlatmosphäre im Fleischerfachgeschäft. Wichtig sei dabei, positive Energie und ein gesundes Raumklima zu vermitteln, unterstützt durch fließende Formen, warme Farben und natürliche Materialien. Eine Wasserfallwand mit Logo hinter Glas und ein Kugelbrunnen am Eingang machen schon beim Betreten der Metzgerei den Besuch zum Erlebnis. Im Ladeninnern gibt es zwei Sitzbereiche. Auf einem Monitor werden Rezeptvorschläge, Sonderangebote und Kochsendungen gezeigt.
Die Rückwand als Verwandlungskünstler
Kramer verwendet aktuell gerne Alt- und Echtholz als Designelemente im Ladenbau. „Rustikale Details werden in den Kontext einer modernen geradlinigen Gestaltung gestellt”, so Sostaritsch. Stark gefragt seien außerdem Umgestaltungsmöglichkeiten im Rückwandbereich: flexible Regale, Schienensysteme, mobile Funktionselemente. Ein schönes Beispiel, wie man durch gezielte Planung die Aufmerksamkeit auf bestimmte Geschäftsbereiche lenken kann, ist die Feinkosterei Weller in Stuttgart. „Der Schwerpunkt sollte nicht allein auf dem Fleisch- und Wurstangebot liegen, sondern den Imbiss betonen. Großen Wert legte die Feinkosterei darauf, den Sitzbereich nach Bedarf für geschlossene Gesellschaften oder Kochshows umgruppieren zu können.
Gutes Licht fördert den Verkauf
Ein wichtiges Mittel für eine gute Einkaufsatmosphäre ist Lichtdesign, das technische und gestalterische Ansprüche in sich vereint. Bäro stellt auf der SÜFFA aktuelle Entwicklungen zur energieeffizienten und verkaufsfördernden Inszenierung vor. Im Blickpunkt stehen neueste Design-Leuchten mit LED-Technik speziell für den Food-Bereich. Diese Leuchten verfügten über eine genau auf die Waren abgestimmte Lichtfarbe, so dass die Eigenfarben verkaufsfördernd zur Geltung kommen. Da die LEDs völlig wärme- und strahlungsfrei arbeiten, wird eine vorzeitige negative Veränderung der Konsistenz von Fleisch- und Wurstwaren zuverlässig unterbunden. Ergebnis: Nachhaltige Reduzierung der Warenverluste und steigender Umsatz. Aus demselben Grund ist es wichtig, das Tageslicht zu filtern. Wipa-Technik bietet spezielle Folien für Schaufenster, Wände und Theken, um die UV-Strahlung weitestgehend zu minimieren. Dadurch wird verhindert, dass der Wurstanschnitt grau wird”, sagt Geschäftsführer Thomas Grabis. Fein abgestimmt auf die aktuelle Thekenbeleuchtung lassen sie das Fleisch noch appetitlicher wirken und reduzieren die Spiegelung der Thekenscheiben.
Wer nichts zu verbergen hat, kann durch offene Einblicke viel Vertrauen gewinnen. „Zeitgemäße Einrichtungskonzepte müssen dem zunehmenden Bewusstsein des Verbrauchers für Warenherkunft, Gesundheit und Nachhaltigkeit Rechnung tragen. Gleichzeitig müssen die harten Anforderungen an Funktionalität, Hygienefreundlichkeit und Ergonomie kompromisslos erfüllt werden”, beschreibt Günther F. Wörnlein die Einrichtungs-Philosophie von Aichinger Ladenbau.
„Im ungebrochenen Wachstum des Convenience- und Außer-Haus-Verzehrs schlummern hochinteressante Potenziale. Auf der SÜFFA zeigen wir ein ausgefeiltes und flexibles Gastronomiekonzept für den Fachmetzger, das einfach zu beherrschen und profitabel ist und das dabei über Bratwurst und Leberkäse hinausgeht”, sagt Dr. Oliver Blank, Leiter für Marketing und internationalen Vertrieb bei Aichinger. Es geht um einfaches, ehrliches, gutes Essen, das für die Kunden bezahlbar bleibt – zum Mitnehmen für zu Hause und zum sofortigen Genuss vor Ort.