Listerien-Alarm in Geretsried: Weil die gefährlichen Bakterien in Produkten der Großmetzgerei Sieber gefunden wurden, gelten aktuell ein Verkaufsverbot und eine Rückrufaktion für alle Schinken- und Wurstprodukte aus dem Sieber-Sortiment.
Am vergangenen Freitag, 27. Mai 2016, ging das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz mit einer eindringlichen Warnung an die Öffentlichkeit. Weil „die Schinken- und Wurstprodukte der Firma Sieber möglicherweise mit Listerien belastet und gesundheitsgefährdend” sind, rät das Ministerium vom Konsum derselben ab. Das zuständige Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen hatte dem Betrieb zuvor untersagt, weitere Ware in Verkehr zu bringen, und angewiesen, einen Rückruf zu starten.
Ein entsprechender Wortlaut ist mittlerweile auf der Unternehmens-Homepage von Sieber unter www.sieber-wurst.de zu finden: „Die Sieber Gesellschaft für Wurst- und Schinkenspezialitäten mbH ruft im Rahmen des vorsorglichen Verbraucherschutzes alle Produkte ihres Sortiments zurück. In einigen Einzelfällen wurden in Schinken- und Wurstprodukten unseres Unternehmens Listerien gefunden. Wir, die Sieber Gesellschaft für Wurst- und Schinkenspezialitäten mbH, haben bereits reagiert und die Produkte sofort aus dem Handel genommen. Wir bitten die Verbraucher, die Produkte zu vernichten. Für Rückfragen stehen wir Ihnen unter der Telefonnummer 08171/98 21 0 zur Verfügung.“ Betroffen sind von der Rückrufaktion rund 200 Produkte der oberbayerischen Großmetzgerei. Ein Auflistung der Produkte ist beim Rückruf anklickbar.
Das Verbraucherschutzministerium hat eine gleichlautende Warnung online unter www.lebensmittelwarnung.de veröffentlicht. Nach seinen Angaben gab es fünf positive Listerienergebnisse bei verschiedenen Wurstwaren. Damit sah das Ministerium „hinreichende Anhaltspunkte dafür, dass von den Erzeugnissen der Firma Sieber eine Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung ausgehen kann“. Das Ministerium berichtet in seiner Pressemitteilung außerdem von Erkenntnissen des Robert-Koch-Instituts, wonach ein Sieber-Produkt namens „Original Bayerisches Wammerl“ mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ mit einem „Listeriose-Ausbruchsgeschehen“ im Zeitraum von 2012 bis heute im Zusammenhang stehen dürfte.
Der Geretsrieder Traditionsbetrieb mit rund 100 Mitarbeitern beliefert bundesweit Großabnehmer wie die internationalen Airports in Frankfurt und München, Kantinen im gesamten deutschsprachigen Raum sowie von Automobilmarken. Wie es zu der Belastung mit den Bakterien gekommen sein könnte, ist derzeit noch ebenso unklar wie die Verbreitung von potenziell belasteter Ware. Nach Angaben aus dem Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen sind von Verkaufsverbot und Rückruf „mehrere hundert Tonnen Waren“ betroffen.
Listerien sind Bakterien, von denen derzeit die Art Listeria monocytogenes als Krankheitserreger von Mensch und Tier die größte Bedeutung hat. Listerien können sich auch bei niedrigen Temperaturen, also z. B. im Kühlschrank, vermehren. Kochen, Braten, Sterilisieren und Pasteurisieren tötet die Bakterien sicher ab. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektion durch L. monocytogenes, die Listeriose, meist unauffällig oder nimmt einen harmlosen Verlauf mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber und Muskelschmerzen oder Erbrechen und Durchfall. Für ältere oder immungeschwächte Personen sowie Säuglinge und Schwangere stellt Listeriose dagegen ein besonderes Risiko dar.
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