Ammon Preisentwicklung Fleisch

„Wir rauschen auf eine Wand zu“

Konrad Ammon: „Lebensmittelpreise werden steigen“

Die aktuellen Preisentwicklungen auf den Märkten für Schweine- und Rindfleisch sowie auf den weiteren Rohstoffmärkten sorgen beim Landesinnungsmeister des bayerischen Metzgerhandwerks, Konrad Ammon (kl. Bild o.), für mehr als gemischte Gefühle. „Einerseits ist es in Ordnung, dass der Preis für Schweinefleisch sowie der Preis für die deutschen Ferkel wieder in lebensfähige Zonen springt. Das hilft der Landwirtschaft und am Ende auch uns.“

Er erlaubt sich aber auch den Hinweis: „Die bayerischen Handwerksmetzger haben ihren Landwirten ohnehin in den meisten Fällen von sich aus weiterhin auskömmliche Preise bezahlt. Denn ein Wegbrechen der landwirtschaftlichen Strukturen möchte niemand von uns.“

Politik soll Inflation gegensteuern

Andererseits macht ihm das Gesamtpaket der Preisentwicklungen für Fleisch, Material, Energie und andere Rohstoffe in den vergangenen Wochen massive Sorgen. Damit bezieht er sich einerseits auf einen noch nie dagewesenen Anstieg von Fleischpreisen in den vergangenen Wochen, zu denen noch ein reduzierter Bestand an schlachtfähigen Tieren kommt, sowie auf die Entwicklungen, die sich aufgrund des Krieges in der Ukraine auf den deutschen Märkten ergeben. „Die Energiepreise sind bereits explodiert. Steigende Preise für Rohstoffe wie Därme und Gewürze, Verpackungsmaterial sowie Dienstleistungskosten und teure Maschinentechnik kommen dazu.“

Diese Steigerungen kommen für Ammon nicht unerwartet, denn jeder versuche den Anstieg der Kosten in seiner Branche über eine Anpassung von Preisen weiterzugeben. Er ergänzt: „Bei Sanktionen gegen den Krieg gehen wir mit. Aber wenn die Politik jetzt nicht schnell gegensteuert, und sich die Preisspiralen in allen Bereichen derart schnell weiterdrehen, dann rauschen wir mit voller Geschwindigkeit und ohne zu bremsen auf eine Wand zu. Allein die Mischung aus den steigenden Rohstoff- und Energiepreisen ist ein Pulverfass. Aus Berlin hören wir dazu nur, dass es kurzfristig keine Entlastungen geben wird.“

„Man lässt uns mit der Preisexplosion komplett allein“

Die sind in den Augen Ammons aber auch für die Wirtschaft mehr als dringend notwendig. „Eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel sowie eine höhere Pendlerpauschale sind richtig und wichtig. Aber diese Maßnahmen helfen nicht der Wirtschaft. Stattdessen lässt man uns mit den Preisexplosionen komplett allein“, mahnt Bayerns oberster Metzger. Er fährt fort: „Der Wegfall der EEG-Umlage zum 1. Juli ist gut, aber das reicht nicht aus. Die Betriebe, egal in welcher Größenklasse, können die jetzige Kostensituation nicht auf Dauer stemmen. Solidarbeiträge sind in Ordnung – aber nicht auf unbestimmte Zeit. Denn sie zehren die kompletten Erträge der Betriebe auf. Entlastungen, Senkungen oder die zeitweilige Aussetzung bestimmter Steuern und Abgaben sowie eine Senkung der Fleischhygienegebühren würden uns auch kurzfristig helfen. Andere Nachbarländer machen es uns doch vor.“, so der Landesinnungsmeister.

Die Kundinnen und Kunden bittet Ammon, weiterhin in den Geschäften der regionalen Lebensmittelhandwerke zu kaufen und regionale Waren noch stärker in den Fokus zu rücken. „Bayerns Handwerksmetzger sind selbstverständlich weiterhin für ihre Kunden da. Mit gleicher Qualität, hochwertigen Produkten und mit dem gleichen Verständnis für den Erhalt unserer regionalen Wertschöpfungsketten. Allerdings werden auch unsere Betriebe mit kurzzeitigen Preisanpassungen für Ihre Produkte auf die derzeitige Situation reagieren müssen.“

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