Albert Schweitzer Lidl Huhnskandal Kueken

Hühnerskandal bei Lidl weitet sich aus

Diesmal Misshandlungen an Küken und Masthühnern in Spanien

Im Zusammenhang mit dem Fleischskandal bei Lidl haben Tierschutzorganisationen weiteres Filmmaterial veröffentlicht. Die Bilder seien undercover in einem Hühnermaststall des spanischen Lidl-Lieferanten Sada aufgenommen und der Tierschutzorganisation Equalia zugespielt worden. Sie zeigen nach Angaben der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt „erschütternde Tierschutzverstöße, unter anderem, wie Arbeiter Tiere brutal töten, treten und in Transportkäfige stopfen“. Die Stiftung, Equalia und weitere europäische Tierschutzorganisationen sowie mehr als 146.000 Unterstützer fordern Lidl deshalb erneut auf, seine Tierschutzstandards in der Hühnermast europaweit anzuheben.

Die Bilder offenbaren der Stiftung zufolge „schlimme Tierquälerei: Hühner werden wortwörtlich in den Stall geschüttet, absichtlich getreten, geworfen, in Käfige gestopft und brutal totgeschlagen“. Mitarbeiter würden kranke oder verletzte Küken mehrfach gegen einen Eimer schlagen, um sie zu töten (siehe Bild o.). Die Ermittler hätten zudem dokumentiert, dass in einem Eimer ein noch lebendes Küken, das diese Misshandlung offenbar überlebt hatte, auf einem Berg toter Artgenossen saß. Es sei davon auszugehen, dass regelmäßig Küken überleben und noch einige Zeit schwer verletzt leiden, bevor sie sterben. Dabei handele es sich um „klare Verstöße gegen europäisches Tierschutzrecht“. Und das, „obwohl der Betrieb mit einem spanischen Tierwohl-Siegel ausgezeichnet ist“.

Lidl sieht bei Mastbetrieb in Niedersachsen keine Auffälligkeiten

Zuvor, am 25. Oktober 2022, hatte die Albert Schweitzer Stiftung bereits Undercover-Material aus einem Stall in Niedersachsen veröffentlicht, aus dem Lidl Hühner für seine Eigenmarken „Metzgerfrisch“ und „Grillmeister“ bezieht. Die Tierschützer warfen dem Discounter angesichts der Bilder von unnatürlich-explosionsartigem Wachstum und vollgestopfter Stallungen Tierquälerei vor. Lidl reagierte und kam zu einem ganz anderen Schluss: Eine umfassende Prüfung in dem Stall habe keine Auffälligkeiten ergeben. Trotzdem werde der Lieferant weiter engmaschig beobachtet. Wie der Discounter auf die neuerlichen Vorwürfe reagiert? Ungewiss.

Mahi Klosterhalfen, Präsident der Albert Schweitzer Stiftung, ist nicht überrascht: „Die neuen Recherche-Videos beweisen, dass Tierschutzverstöße bei Lidl-Lieferanten nicht bloß Ausnahmen sind, wie der Discounter behauptet. Lidl weigert sich nach wie vor, die systemimmanenten Probleme der Hühnermast ernsthaft anzugehen. Wir fordern Lidl deshalb nochmals auf, mindestens die Kriterien der Europäischen Masthuhn-Initiative umzusetzen. Das Management muss sich jetzt entscheiden, ob es in Sachen Tierschutz weiter auf der Bremse stehen oder nicht doch lieber eine Führungsrolle übernehmen will. Wegducken kann sich Lidl jetzt jedenfalls nicht mehr.“

Anzeigen sowohl in Deutschland als auch in Spanien

Sowohl auf den spanischen als auch auf den deutschen Aufnahmen seien viele kranke und tote Hühner zu sehen. Dabei werde auch deutlich, wie sehr Masthühner unter den Folgen ihres angezüchteten Extremwachstums leiden. Gegen den spanischen und auch gegen den deutschen Lieferanten sei jeweils Anzeige erstattet worden. Aktionsgruppen der Albert Schweitzer Stiftung hätten zudem in den vergangenen Tagen bereits vor mehr als 20 deutschen Lidl-Märkten protestiert und dort auch die Filmaufnahmen aus den Ställen gezeigt.

Die Europäische Masthuhn-Initiative wurde von der Albert Schweitzer Stiftung mit ins Leben gerufen. Sie schreibt gesündere Rassen sowie mehr Platz, Tageslicht und Beschäftigungsmöglichkeiten für alle Hühner eines Unternehmens vor. Auch das brutale Einfangen der Tiere soll auf ein Minimum reduziert werden. Hinzu kommen

Vorschriften für eine möglichst stressfreie Schlachtung. Laut Schweitzer Stiftung haben sich der Europäischen Masthuhn-Initiative weltweit mehr als 500 Unternehmen angeschlossen. Dazu zählen auch Lidls Konkurrenten Aldi, Bünting, Globus, Norma und Tegut.

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