Nachhaltigkeit Supermärkte ProVeg

Supermärkte in Deutschland: Nachhaltigkeits-Ranking „Superlist Umwelt“ 2025

Supermärkte in Deutschland haben noch einen weiten Weg vor sich, um nachhaltiger zu werden, so das Ergebnis der neuen Studie Superlist Umwelt. Auf dem Papier zeigen die Lebensmitteleinzelhändler mit ihren Klimaplänen und ersten Zielen für den Verkauf pflanzlicher Proteine durchaus Ambitionen. In der Praxis fehlen jedoch wirksame Klimastrategien mit festen Meilensteinen: Noch preisen gut 90 Prozent aller Werbeaktionen für Proteinquellen in Prospekten tierische Produkte an und keiner der Händler legt offen, welcher Anteil seines Absatzes Nachhaltigkeitszertifikate trägt.

Superlist Umwelt: Erstes Ranking der Nachhaltigkeitsleistungen deutscher Supermärkte

Für Superlist Umwelt hat der Think Tank Questionmark die Strategien und Maßnahmen von sechs der größten deutschen Supermärkte verglichen und bewertet: Aldi Nord, Aldi Süd, Edeka, Kaufland, Lidl und Rewe. Questionmark hat dazu die Klimaschutzpläne der Händler sowie deren Maßnahmen zur Förderung des Verkaufs pflanzlicher statt tierischer Produkte und nachhaltigerer landwirtschaftlicher Praktiken in eine Rangliste gebracht. Hierfür hat Questionmark mit der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, Madre Brava, der Physicians Association for Nutrition und ProVeg zusammengearbeitet. Alle Supermärkte erhielten Fragen zur Methodologie und den gesammelten Daten.

Discounter vor Vollsortimentern

Lidl ist in Deutschland führend in seinen Bemühungen um Nachhaltigkeit, vor allem durch ein klares Bekenntnis, den Absatz von tierischen auf pflanzliche Proteine zu verlagern. Der Einzelhändler veröffentlicht das Verhältnis seiner jeweiligen Wareneingangsmengen und strebt bis 2050 einen Anteil von 60 Prozent pflanzlichen und 40 Prozent tierischen Proteinquellen an. Aldi Süd folgt im Ranking und liegt hinter Lidl, da ein klares Absatz- oder Sortimentsziel für pflanzliche Proteine fehlt. Beide Discounter rangieren vor Rewe, Kaufland und Edeka. Aldi Nord belegt den letzten Platz, vornehmlich weil das Unternehmen keine Informationen zu Treibhausgas-Emissionen veröffentlicht, die direkt mit Lebensmitteln zusammenhängen, und bisher keine Maßnahmen zu deren Reduktion ergriffen hat. „Die Einzelhändler, die Nachhaltigkeitsziele verkündet haben, sind einen wichtigen ersten Schritt gegangen, dem nun Taten folgen müssen. Wir sind guter Hoffnung, dass diese erste deutsche Superlist den gesamten Lebensmitteleinzelhandel zu verantwortungsvolleren Geschäftspraktiken inspiriert“, so Charlotte Linnebank, Direktorin bei Questionmark.

 Das Ranking im Überblick

 

Rang Discounter/Supermarkt Stärken & Schwächen
1 Lidl Klare Zielquote von 60 % pflanzlichen Proteinen bis 2050, Offenlegung der Wareneingangsmengen
2 Aldi Süd Ambitionierte Klimaziele, aber kein konkretes Sortimentziel für pflanzliche Proteine
3 Rewe Erste Maßnahmen, jedoch mangelnde Transparenz bei Zertifikaten
4 Kaufland Eigenmarken-Pflanzenalternativen zum Tierpreis, aber wenig Meilensteine
5 Edeka Preisgleichheit pflanzlicher Eigenmarken, jedoch unklare Emissionsdaten
6 Aldi Nord Keine Offenlegung lebensmittelbezogener Emissionen, keine Reduktionsmaßnahmen
Ranking_Superlist Umwelt Deutschland 2025_(c)_Questionmark Foundation
Quelle: Questionmark Foundation

Pflanzliche Lebensmittel brauchen mehr Aufmerksamkeit

Die Verlagerung des Verkaufs auf pflanzliche Lebensmittel ist eine der wirksamsten Möglichkeiten, die negativen Umweltauswirkungen des Ernährungssystems zu reduzieren. Im Allgemeinen haben pflanzliche Lebensmittel geringere negative Auswirkungen auf das Klima, die Umwelt, die menschliche Gesundheit und das Wohl der Tiere. In allen untersuchten Supermärkten sind allerdings noch immer über 90 Prozent der in Prospekten beworbenen Proteine Tierprodukte. Außerdem sind fast 70 Prozent der verzehrfertigen Fleischprodukte wie Schnitzel mit über 150 Gramm extragroß. Bereits eine Portion in dieser Größe überschreitet die Wochenempfehlung der Planetary Health Diet von rund 100 Gramm rotem Fleisch pro Person. Diese globale Richtlinie fördert eine Ernährungsweise, die den Menschen und unserem Planeten gleichermaßen zugutekommt.

Doch es gibt auch positive Entwicklungen: Edeka, Kaufland und Lidl haben sich verpflichtet, im Rahmen ihrer Eigenmarken pflanzliche Alternativen zum gleichen Preis wie die entsprechenden Tierprodukte anzubieten. Lidl erleichtert es den Kunden, sich für die Fleischalternativen zu entscheiden, indem diese zwischen Fleischprodukten platziert werden. Strategisch hat sich Lidl das öffentliche Ziel gesetzt, den Anteil des Verkaufs von pflanzlichen Proteinen gegenüber tierischen zu erhöhen.

Supermärkte spielen eine Schlüsselrolle

Da die Verbraucher in Deutschland über 70 Prozent ihrer Lebensmittel in Supermärkten kaufen, ist der Einzelhandel ein zentrales Glied in der Lebensmittelkette. Supermärkte spielen eine entscheidende Rolle dabei, ein nachhaltiges Ernährungssystem zu verwirklichen. Sie können sicherstellen, dass die Lebensmittel in ihren Regalen umweltverträglich hergestellt werden und dass Werbeaktionen und die Einkaufsumgebung den Kunden helfen, ihre Körbe mit Produkten zu füllen, die die Umwelt möglichst wenig belasten. Eine Folgestudie zu dieser ersten Superlist wird untersuchen, ob die Supermärkte ihr Engagement für den Umweltschutz tatsächlich verstärkt haben.

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