Schimpfhof: Fast alles vom „Ox“

Um ihre Spezialitäten von Ochsen besser vermarkten zu können, eröffneten Michael Schimpf und Lena Heimann auf dem Schimpfhof in Poing-Angelbrechting einen Hybridladen.

Der Schimpfhof im nordwestlichen Landkreis Ebersberg etwa 25 km östlich von München ist seit 1831 in Familienbesitz. Seit 6. November 2025 begrüßen Michael Schimpf (26) und Lena Heimann (27) ihre Kundschaft von Donnerstag bis Samstag persönlich, an den anderen Wochentagen kann diese hier ohne Beratung einkaufen (8 bis 19 Uhr). Der gelernte Landwirt und Metzger und die Hotelfachfrau und Verkaufsleiterin im Fleischerhandwerk lernten sich in der Metzgerei ihrer Familie in Grafing kennen, in der sie beide zeitweise noch arbeiten.

2022 baute die Familie Schimpf einen neuen Bullenmaststall mit Haltung auf Stroh (Tierwohl-Stufe 3), in dem ca. 90 Ochsen stehen. Zudem baut sie Kartoffeln an und vermarktet sie direkt. 2023 wurde ein hölzerner SB-Hofladen in Richtung Poing aufgestellt, ein Jahr später Verkaufsautomaten in Anzing. Danach reifte die Idee aus dem alten Ochsenstall einen neuen Hofladen zu machen. „Es wurden Förderungen beantragt und ab vergangenen Sommer alles umgebaut“, berichten die beiden. Es entstand ein 50 m² großer Hybridladen inklusive Zerlege-Bereich, Küche, Kühl- und Lagerräumen in der dahinter liegenden Peripherie.

Regionale Auswahl

Foto: Marco Theimer

Ochsenfleisch vom Fleckvieh vermarktet der Hof seit 20 Jahren direkt, nun aber in einem schicken, zeitgemäßen Smartstore und unter der Marke „Ox’n“. „Da wir gute Erfahrungen mit der ButcherBox, dem Smartstore-Container unserer Metzgerei, gemacht hatten, entschieden wir uns für bfm Ladenbau“, sagt Lena Heimann. Der Ausbau dauerte zwei Wochen. Zutritt-, Bezahl-und Sicherheitssystem stammen von ackerPay. Eine Registrierung vorab online ist nicht nötig. Die Kunden stecken z.B. ihre ec-Karte ins Lesegerät vor der Tür, wählen die mit Strichcodes versehenen Produkte, scannen sie, sehen den Preis am Bildschirm und bezahlen mit Karte oder bar an einem Automaten neben dem Terminal. Fünf KI-gesteuerte Kameras werden beim Eintritt in den Laden aktiviert und machen Fotos.

Was gibt es alles?

Foto: Marco Theimer

Geschlachtet und zu Fleisch und Wurst verarbeitet werden die Ochsen in der Metzgerei Heimann. „Von dort bringen wir die Waren per Kühltransporter mit. Bei Bedarf holen wir welche nach“, sagt Lena Heimann. Die Entfernung beträgt gut 20 km. Der Bedientheke, die durch das Absenken und Hineinschieben der Glasscheiben in eine SB-Theke umgewandelt werden kann, steht dem Kunden direkt nach dem Betreten des Ladens gegenüber. Darin zu finden: z.B. Fleisch vom Ochsen, „Ox’n“-Fetzen mit Kräuterbutter mariniert, Ochsenschinken im Kräutermantel, Ochsenleberkäse (auch im Fleischsalat), Ochsensalami mit Pflanzenfett. Nur 20 % der Produkte enthalten Schweinefleisch. In drei Kühlschränken und einem TK-Schrank liegen diverse verpackte Würstchen vom „Ox’n“, Burgerpatties, Steaks, Wildfleisch und Pommes frites eines Anbieters, den der Hof seit 30 Jahren beliefert. Die Regale locken mit „Ox’n“-Bolognese, -Gulaschsuppe oder -Bratensauce und vielen regionalen Produkten wie Eier, Nudeln, Mehl, Grillsaucen, Gewürzen (Stay Spiced). Salzen und Pfeffer (Gewürzmühle Rosenheim). Nachdem der letzte Metzger Poings 2025 aufgab, gibt es nun wieder einen Ort, der für regionale und metzgerhandwerkliche Qualität steht.

Text und Bilder: Marco Theimer

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