Funk Studie Lebensmittelindustrie

Systemrelevant, aber auch systemisch verletzlich

Funk Stiftung zeigt vernetzte Risiken und Wege zu mehr Resilienz

Die Lebensmittelindustrie steht vor einer tiefgreifenden Transformation: Globale Lieferketten, zunehmende Klima- und Umweltrisiken, wachsender Regulierungsdruck sowie verändertes Verbraucherverhalten greifen immer stärker ineinander. Eine neue Studie der Funk Stiftung beleuchtet diese komplexe Risikolandschaft und zeigt, wie Unternehmen ihre Resilienz entlang der gesamten Wertschöpfungskette stärken können (im Bild o. das Titelbild der Studie, Grafik: Fraunhofer ISI).

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, wie sich Risiken in der Lebensmittelindustrie heute gegenseitig verstärken – von der Rohstoffbeschaffung über Verarbeitung und Logistik bis hin zum Handel und zur Kommunikation mit Verbraucherinnen und Verbrauchern. Die Studie kombiniert Datenanalysen mit Experteninterviews und Szenarien und macht deutlich: Klassische, isolierte Risikobetrachtung reicht künftig nicht mehr aus.

„Die Lebensmittelindustrie ist systemrelevant – aber sie ist auch systemisch verletzlich“, lautet eine zentrale Aussage der Studie. „Unternehmen müssen Risiken über Unternehmens- und Fachgrenzen hinweg vernetzt denken, um Versorgungssicherheit, Qualität und Nachhaltigkeit zugleich zu gewährleisten.“

Dr. Alexander Skorna, Mitglied des Stiftungsrats der Funk Stiftung, der die Studie inhaltlich eng begleitet hat: „Die Risiken der Lebensmittelindustrie nehmen nicht nur zu, sie verflechten sich, und genau das macht sie so schwer beherrschbar. Ein Cyberangriff betrifft heute zugleich Produktsicherheit, Betriebskontinuität und Reputation. Unternehmen begegnen dem durch eigene Vorbereitung. Und dort, wo Versicherung an Grenzen stößt, braucht es einen vorausschauenden Dialog mit den Versicherungsmaklern und Risikoanalysten“.

Wo die Branche besonders gefordert ist

Die Studie zeigt, dass insbesondere vier Themenfelder den Druck auf Unternehmen erhöhen: Verwundbare Lieferketten, eine wachsende Regulierungsdichte, steigende Anforderungen an Produktsicherheit und Inhaltsstoffe sowie veränderte Verbrauchererwartungen. Geopolitische Spannungen, extreme Wetterereignisse und Energie- oder Rohstoffknappheit wirken unmittelbar auf Verfügbarkeit, Qualität und Kosten und können bei kurzfristigem Reagieren schnell zu Produktionsstillständen und Imageschäden führen. Parallel dazu verlangen neue Vorgaben zu Lebensmittelsicherheit, Kennzeichnung, Nachhaltigkeit und ESG-Berichterstattung erhebliche organisatorische und finanzielle Anstrengungen – eröffnen aber auch Chancen für Unternehmen, die früh Standards setzen.

Gleichzeitig steigen Transparenz- und Rückverfolgbarkeitsanforderungen entlang der Wertschöpfungskette. Fehler oder Verzögerungen bei der Bewertung von Inhaltsstoffen und Risiken können Rückrufaktionen und Vertrauensverluste bei Handel und Konsumenten nach sich ziehen. Hinzu kommen Konsumententrends: Gesundheit, Nachhaltigkeit, Tierwohl und Transparenz werden zu kaufentscheidenden Kriterien, während Social Media Reputationsrisiken verstärkt – aber auch die Wirkung glaubwürdiger, proaktiver Kommunikation.

Risikomanagement als Wettbewerbsfaktor

Auf Basis der Analyse formuliert die Studie konkrete Handlungsfelder für Unternehmen der Lebensmittelindustrie. Im Zentrum steht ein integriertes Risikomanagement, das Risiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette denkt und Einkauf, Produktion, Qualität, Logistik, IT, Compliance und Kommunikation systematisch zusammenführt.

Besonders wichtig ist laut Studie der Aufbau robuster und transparenter Lieferketten: Diversifizierte Beschaffungsstrategien, alternative Bezugsquellen, Mindestbestände und digitale Lösungen zur Rückverfolgbarkeit werden zu zentralen Stellschrauben. Sichtbarkeit in der Lieferkette ist damit Voraussetzung für Produktsicherheit, Nachhaltigkeit und ein effektives Krisenmanagement.

Produktsicherheit sollte als durchgängiges System verstanden werden, das von der Rohstoffauswahl über Verarbeitung und Verpackung bis hin zu Handel und Endverbraucher reicht – inklusive klar definierter Eskalationswege und Krisenpläne. Gleichzeitig empfiehlt die Studie, Regulierungsentwicklungen nicht nur zu beobachten, sondern aktiv zu antizipieren: Wer früh in Prozesse, Technologien und Qualifikationen investiert, reduziert nicht nur Risiken, sondern verschafft sich auch Vorteile in der Zusammenarbeit mit Handelspartnern und im Wettbewerb um das Vertrauen der Verbraucher.

Die Studie macht deutlich: Resilienz ist für die Lebensmittelindustrie kein reines „Sicherheitsprojekt“, sondern eine strategische Managementaufgabe. Sie beeinflusst Standort- und Investitionsentscheidungen, langfristige Lieferbeziehungen und die Glaubwürdigkeit gegenüber Handel und Konsumenten.

Mit der Veröffentlichung möchte die Funk Stiftung einen praxisnahen Beitrag dazu leisten, Risikobewusstsein und Risikokompetenz in einer für Gesellschaft und Wirtschaft zentralen Branche zu stärken.

Die Studie im Überblick

Auf Messers Schneide
Risiken der Lebensmittelindustrie: Trends, Szenarien, Handlungsstrategien
Umfang: 43 Seiten
Download (kostenfrei): https://www.funk-stiftung.org/de/mediathek/studien

Das ist die Funk Stiftung

Die Funk Stiftung ist weltweit die erste Stiftung, die sich der Förderung von Risikomanagement und Risikobewusstsein widmet. Im Fokus steht die finanzielle Unterstützung praxisnaher Projekte aus dem Bereich des Risikomanagements, insbesondere der versicherungswirtschaftlichen Berufsbildung. Durch Studien, Forschungsprojekte und Bildungsinitiativen fördert die Funk Stiftung den professionellen Umgang mit Risiken in Unternehmen, Gesellschaft und Politik.

Interessierte Unternehmen und Medienvertreter aus der Versicherungswirtschaft und Lebensmittelindustrie können die Studie direkt bei der Funk Stiftung anfordern.

 

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