Der deutsche Naturdarmhandel hat 2025 deutlich an Bewegung gewonnen: Rund 170.137 t Naturdarm wurden über den deutschen Markt gehandelt, 17,3 % mehr als im Vorjahr. Der Handelswert der Im- und Exporte stieg um 9,1 % auf 868,1 Mio. Euro. „Die Zahlen zeigen, wie leistungsfähig und international vernetzt unsere Branche ist. Sie erzählen aber nicht die ganze Geschichte“, so die ZVN-Vorsitzende Heike Molkenthin. „Hohe Rohwaren- und Betriebskosten treffen auf begrenzte Spielräume, diese Belastungen an die Kunden weiterzugeben. Unsere Unternehmen stellen sich dieser Situation selbstbewusst: mit Know-how, verlässlichen internationalen Beziehungen und klarem Blick für Qualität.“ Die Außenhandelsstatistik selbst bildet weder Rohwarenpreise noch betriebliche Kosten oder Margen ab.
EU bleibt wichtigster Handelsraum
Sehr dynamisch entwickelte sich der Handel innerhalb der EU. Die Ausfuhrmenge in den Binnenmarkt nahm um 25,8 % zu, der Ausfuhrwert um 8,6 %. Die Einfuhrmenge aus der EU stieg um 29,7 %, der Einfuhrwert um 13,5 %. Die einzelnen Märkte entwickelten sich unterschiedlich: Spanien und Polen legten zu, während Österreich und Portugal Rückgänge verzeichneten. Frankreich bezog weniger Ware, der Ausfuhrwert stieg jedoch leicht.
Zuwachs bei Einfuhren aus Drittländern
Bei den Ländern außerhalb der EU gingen die deutschen Ausfuhren zurück. Die Ausfuhrmenge sank um 20,8 % auf 18.911 t, der Ausfuhrwert um 22,5 % auf 61,8 Mio. Euro. Brasilien blieb ein wichtiger Absatzmarkt: Die Ausfuhrmenge nahm leicht um 2,7 % auf 2.269 t zu, während der Warenwert um 8,4 % auf 15,2 Mio. Euro sank. Auch die Schweiz entwickelte sich leicht positiv. Nach Angaben der ZVN-Mitgliedsunternehmen werden dorthin sehr hochwertige Naturdärme exportiert: Die Anforderungen an Qualität und Verarbeitungsfreundlichkeit sind hoch, zugleich gelten Schweizer Verbraucherinnen und Verbraucher als besonders anspruchsvoll. Südafrika blieb ein traditioneller Absatzmarkt, lag 2025 aber sowohl bei der Menge als auch beim Warenwert unter dem Vorjahr.
Die Beschaffung

Auf der Beschaffungsseite zeigte sich das entgegengesetzte Bild: Die Einfuhrmenge aus Ländern außerhalb der EU nahm um 18,1 % auf 36.295 t zu, der Einfuhrwert um 15,9 % auf 361,6 Mio. Euro. China blieb mit großem Abstand der wichtigste Beschaffungsmarkt. Die Einfuhrmenge stieg um 30,9 % auf 19.554 t, der Einfuhrwert um 27,1 % auf 248,3 Mio. Euro. Rund 53 Mio. Euro und damit etwa 80 % des gesamten wertmäßigen Importzuwachses entfielen auf China.
Auch die Lieferungen aus Brasilien nach Deutschland nahmen kräftig zu. Die Menge stieg um 68,2 % auf 5.502 t, der Wert um 64,5 % auf 15,2 Milo. Euro. Aus der Türkei wurden 614 t eingeführt, 8,7 % mehr als im Vorjahr. Der Warenwert erhöhte sich um 21 % auf 13,0 Mio. Euro. Nach Angaben der ZVN-Mitgliedsunternehmen handelt es sich bei den Lieferungen aus der Türkei vor allem um hochwertige Schafsdärme, die insbesondere im Fleischerhandwerk eingesetzt werden.
Die Einfuhrmenge aus Ägypten stieg um 31,2 % auf 783 t. Nach Angaben der ZVN-Mitgliedsunternehmen hat Ägypten als Standort für die Lohnveredelung von Naturdärmen an Bedeutung gewonnen.
Insgesamt war der Handel mit Ländern außerhalb der EU 2025 von zwei gegenläufigen Entwicklungen geprägt: Sinkenden deutschen Exporten standen deutlich steigende Einfuhren gegenüber. Auch innerhalb der einzelnen Absatz- und Beschaffungsmärkte verlief die Entwicklung uneinheitlich. „Für unsere Branche ist dies Ansporn, unsere gewachsenen internationalen Netzwerke und ihre hohe Produktkompetenz konsequent auszuspielen”, sagt Heike Molkenthin.
Edelhülle für Industrie und Handwerk

In Deutschland nahm der Fleischkonsum zuletzt wieder moderat zu. Die aktuelle repräsentative Civey-Studie „Generation Z und Ernährung 2026″ zeigt, dass Fleisch für die große Mehrheit der jungen Generation selbstverständlich zur Ernährung gehört: Bei 83 % der 2.000 Befragten (16-29 Jahre) kommt Fleisch regelmäßig auf den Teller; lediglich 11 % ordnen sich als vegetarisch oder vegan ein.
In der preisgetriebenen industriellen Wurstproduktion kommen oft standardisierte Hüllen zum Einsatz. Zugleich entdeckt auch die Industrie die wertschöpfende Kraft hochwertiger Angebote und orientiert sich an handwerklichen Wurstkonzepten, bei denen der Naturdarm ein sichtbares Qualitätszeichen ist. Gemessen an der industriellen Massenware ist dieses Segment noch klein. Es bietet jedoch attraktive Wertschöpfungsmöglichkeiten und hat damit gerade in Zeiten schwacher Margen Zukunft. Im Fleischerhandwerk ist der Naturdarm unbestritten die Hülle der Wahl. Die Wursttheke ist in vielen Fachgeschäften die Visitenkarte des Unternehmens: Hier ist Raum für Kreativität, saisonal wechselnde Angebote und die zeitgemäße Inszenierung beinahe vergessener Spezialitäten. Eine sehr aktive junge Metzger-Community hält diese Wurstkultur lebendig und entwickelt sie weiter.
Wurst ist Kulturgut
Wurst ist Teil der kulinarischen deutschen Kulturgeschichte. Ob Schützenfest, Kirmes oder Fußballspiel: Die Wurst gehört einfach dazu, wenn es in Deutschland gesellig wird – auch wenn sich die kulinarische Bandbreite bei Volksfesten, auch dank internationaler Spezialitäten, erheblich erweitert hat. „Trends kommen, Trends gehen – die Wurst bleibt“, so Heike Molkenthin: „Sie verbindet Tradition mit immer neuen Ideen und ist damit ein lebendiger Teil unserer Esskultur.“
Betrachtet man die wirtschaftliche Entwicklung der Branche, so zeigt das Wirtschaftsjahr 2025 eine Branche in Bewegung: Die Handelsmengen sind gestiegen, Deutschland hat seine Rolle als internationale Drehscheibe ausgebaut. Zugleich bleiben Kosten- und Margendruck große Herausforderungen. Die Mitgliedsunternehmen des ZVN fühlen sich dafür gut gewappnet. Naturdarm verbindet die nachhaltige Nutzung nach dem Nose-to-tail-Prinzip mit natürlicher Herkunft, handwerklicher Qualität und einem charakteristischen Produkterlebnis. Als älteste Wursthülle der Welt und älteste Lebensmittelverpackung überhaupt ist der Naturdarm aktueller denn je – für hochwertige Wurst bleibt er die erste Wahl.