Prüfsiegelprogramme mit hohen Anforderungen


Im Vergleich zu dem deutschen QS-System stützt sich das Sicherheitsmanagement in Belgien auf zwei Pfeilern. Der erste ist ein strenges öffentliches Kontroll- und Monotoringsystem von Rohstoffen bis Lebensmitteln, das zweite sind darauf aufbauende Prüfsiegelprogramme mit hohen Qualitätsanforderungen.
Belgien ist mit über 300.000 Tonnen jährlich der mit Abstand bedeutendste Schweinefleischlieferant Deutschlands. Deshalb stößt die deutsche QS-Initiative und die gegenseitige Anerkennung von Sicherheits-Systemen sowie das Streben nach einem einheitlichen europäischen QS-System auch in Belgien auf große Zustimmung.
Was die Einzelfuttermittel und Überwachung der Lebensmittelkette betrifft, geht die belgische Gesetzgebung viel weiter als die EU-Vorschriften. Wie andere EU-Länder, hat auch Belgien die EU-Richtlinie über die tierischen Proteine in der Tierfütterung umgesetzt. Als einziges EU-Land verfügt Belgien jedoch über ein zuverlässiges Kontroll-System für Einzelfuttermittel und Viehfutter sowie ein Monotoring der ganzen Lebensmittelkette: CONSUM. Das Programm – das weit über die Vorschriften der EU hinausgeht – schreibt Probenahmen von allen Einzelfuttermittelchargen vor und überwacht alle weiteren Stufen in der Lebensmittelkette anhand eines feinmaschigen Analysesystems.
Auf Grund der Erfahrungen in der jüngsten Vergangenheit tritt Belgien dafür ein, dass europaweit ein CONSUM-ähnliches System aufgebaut wird, das vernetzt werden könnte. Aus dem Jahresbericht 2001 des Systems geht deutlich hervor, dass CONSUM quellenorientiert ist: die meisten Proben (73 Prozent) beziehen sich auf Einzelfuttermittel und Futtermittel. So kann – im Falle eines Problems – bereits in einem sehr frühen Stadium agiert und so vermieden werden, dass verunreinigte Produkte in die Lebensmittelkette gelangen.
Die Prüfsiegelprogramme in der belgischen Fleischbranche stützen sich auf Sicherheit, Kettenmanagement und Qualität. Sie präsentieren sich, was die Kettenhaftung zur Beherrschung des Warenstroms und demnach zur Rückverfolgbarkeit in beide Richtungen anbelangt, als ein vollkommen integriertes Kettenmanagement-System mit einem einzigen durchgehenden Lastenheft. Die sehr hohe Frequenz (monatlich) der externen Kontrollen in den Fleischbetrieben sichert dieses Kettenmanagement ab.
Das Certus-Prüfsiegel wird derzeit in verschiedenen kleineren Punkten den Auflagen des QS-Lastenheftes angepasst, um so völlig QS-kompatibel zu sein, ohne jedoch die Mehrleistungen aufzugeben.
Zulässig sind in den belgischen Prüfsiegelprogrammen nur Futtermittel GMP-anerkannter Lieferanten. Dieses GMP+-System „OVOCOM“ ist ein neutral kontrolliertes System mit einem ausgefeilten Risikomanagement, das sich auf ein feinmaschiges Probenanalysesystem, völlige Dokumentation der Rohstoffe und HACCP-Hygienerichtlinien stützt. Es garantiert die Differenzierung und völlige Trennung verschiedener Futtermitteltypen – beispielsweise für Certus oder QS. Eine Benchmarkstudie bescheinigt diesem System eine führende Rolle in Europa in puncto Risikomanagement, Kontrollfrequenz, Rückverfolgbarkeit und HACCP.
Belgien tritt dafür ein, dass sich die Partnerländer – in Erwartung einer europäischen Initiative – im Rahmen ihrer QS-Programme auf ein gemeinsames Risiko-Management-System in puncto Futtermittel einigen.

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