Auf Anfrage der Verbraucherorganisation foodwatch bestätigt die Europäische Kommission, dass bereits heute – ohne TTIP – Schweinefleisch aus den USA zu Schwarzwälder Schinken verarbeitet werden dürfte.
Und das, obwohl dieser das offizielle EU-Siegel der „geschützten geografischen Angabe” (kurz g.g.A) trägt. Konkret teilte die Europäische Kommission mit: „,Schwarzwälder Schinken’ ist eine geschützte geographische Angabe. Die Produktspezifikation beinhaltet keine Anforderung an die Herkunft der Rohstoffe. Somit könnte theoretisch das Ausgangsmaterial für die Herstellung (Schweinefleisch) auch aus den USA stammen.”
In einer E-Mail an foodwatch teilte die Berliner Pressestelle der Europäischen Kommission wörtlich mit: „The key point of ‘Schwarzwälder Schinken’ is not the origin of the meat, but the production (curation, smoking etc) of the ham (Schinken) in Germany’s Schwarzwald area. ‘Schwarzwälder Schinken’ is a PGI (“geschützte geographische Angabe – g.g.A“ in German). Its product specification does not contain a requirement with respect to the origin of the raw material. Therefore, in theory, the raw material (pig meat) for producing it could also come from the US.“
Tatsächlich muss bei Produkten, die als „g.g.A“ anerkannt sind, nur ein Teil der Produktionsschritte in der genannten Region erfolgen. Beim Schwarzwälder Schinken gilt das etwa für das Räuchern verbindlich im Schwarzwald, das Fleisch kommt meist aus anderen Regionen. foodwatch sei nicht bekannt, ob ein Hersteller von Schwarzwälder Schinken schon einmal Schweinefleisch aus den USA verarbeitet hat. Richtig sei aber: Zulässig wäre das schon heute – die Standards für vermeintliche regionale Spezialitäten würden also nicht erst durch TTIP lax werden. Schwarzwälder Schinken sei nur ein Beispiel von vielen. „Wenn ein deutscher Hersteller Schwarzwälder Schinken mit Fleisch aus den USA herstellen würde, wäre das offenbar in Ordnung – wenn die Amerikaner den Schinken gleich noch selber räuchern wollten, soll die Grenze überschritten sein. Diese absurde Debatte zeigt die ganze Scheinheiligkeit der deutschen Lebensmittelbranche beim Thema Freihandelsabkommen”, erklärte foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode.