Weißwurstprüfung: „Faschingskind“ im Test

Für viele Münchner gilt die Weißwurst als „Faschingskind“, schließlich wurde sie der Legende nach an einem Faschingssonntag erfunden. Zum 22. Mal prüfte die Metzger-Innung München die bayerische Kultwurst.

Foto: Marco Theimer

Auch in diesem Jahr fand die Weißwurstprüfung an einem Nachmittag in „Gaßners Marktstüberl“ statt. Im Vorbereitungsraum auf je einem Teller platziert waren drei Weißwürste, eine kalt zum späteren Anschneiden um die Struktur zu bewerten, und zwei weitere, die nach dem Erhitzen auf 80-100°C an die zwei Prüfungstische gelangten. Dabei handelte es sich um frische Weißwürste von 15 Metzgereien aus dem Stadtgebiet sowie der Adolf-Kolping Berufsschule, die morgens am Prüfungstag abgeholt wurden. Beim Erhitzen gab Obermeister Andreas Gaßner pro Liter Wasser 20 g Salz in den Topf hinzu: „Das ist wichtig damit die Würste nicht an Geschmack verlieren“, erklärte er.

Besonders spannend sei die erste Weißwurstprobe, die zur Jury geht. Sie setze den sog. „Ankereffekt“. Treffe sie deren Geschmack, könne dies die folgenden Bewertungen beeinflussen. Bewertet wurden die Würste nach dem DLG-Schema: Kriterien Aussehen, Zusammensetzung, Farbe, Verarbeitung, Konsistenz, Geruch und Geschmack. Zudem werden sie in einem unabhängigen Labor mikrobiologisch untersucht.

Was wurde bewertet?

Fotos: Marco Theimer

Erstmals begrüße der Münchner Obermeister als Jurorin die Komödiantin, Schauspielerin und Moderatorin Constanze Lindner („Vereinsheim Schwabing“, „München 7“), die nach eigenen Angaben über reichlich Erfahrung mit Münchner Weißwürsten verfügt und nach eigenem Ermessen vor allem Geschmack, Geruch und Konsistenz bewerte. Ihr Jury-Nachbar war der stv. Landesinnungsmeister des Fleischerverband Bayern, Werner Braun, der bereits nach der Hälfte der acht Proben sehr zufrieden war: „Beim Reinbeißen muss die Wurst fluffig sein. Kritische Punkte notieren wir und geben sie den Kollegen als Handlungsempfehlung.“ Weitere Juroren an Tisch 1 waren der Wiesn-Wirt und Gastronom Peter Reichert („Bräurosl“, „Donisl“) und die Amtstierärztin Dr. Katrin Eder. Abzüge gebe es, wenn die enthaltenen Schwarten zu scharf angebraten würden. „Das führt zu einem Bratgeschmack und ein Raucharoma hat in der Weißwurst nichts zu suchen“, so Werner Braun.

Foto: Marco Theimer

Die Juroren an Tisch 2 waren der Ebersberger Obermeister Peter Heimann, die Veterinärin Dr. Johanna Zipplies, Nockherberg- und Wiesn-Wirt Christian Schottenhamel und der Wirtschaftsreferent der Stadt München, Dr. Christian Scharpf. Er feierte ebenso seine Jury-Premiere und betonte: „Wir hatten eine durchgängig hohe Qualität bei den Proben. Überrascht haben mich vor allem die Unterschiede im Geschmack.“ Jeder Juror hatte schließlich nach gut zwei Stunden acht Würste bewertet. Das vorläufige Ergebnis: 13 x Bewertung Gold und dreimal Silber. Die Urkundenübergabe findet am 11. Februar 2026 statt.

Im Bild v.li.): Peter Heimann, Peter Reichert, Constanze Lindner, Christian Schottenhamel, Dr. Christian Scharpf, Dr. Katrin Eder, Dr. Johanna Zipplies, Werner Braun, (vorne kniend: Andreas Gaßner)

Marco Theimer

Text und Fotos: Marco Theimer

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