Erste deutsche Halal-Standortzertifizierung von OSI in Erkelenz
Der Markt für halal-zertifizierte Lebensmittel ist längst keine kleine Nische mehr und wächst dynamisch. Dies ist nicht nur durch die rund 44 Millionen muslimischen Mitbürger in Europa (Stand 10/2025: IHK-Infobroschüre „Der deutsche Markt für Halalprodukte“, Dr. Mansour Mansour) bedingt, sondern auch durch eine steigende Nachfrage nach transparent produzierten Ethno-Food- und Convenience-Produkten. Besonders tiefgekühlte Snacks und veredelte Geflügelprodukte legten in den vergangenen Jahren deutlich zu. Der Gesamtmarkt für Halal-Produkte wird in Europa auf rund 13 Milliarden Euro beziffert (www.mordorintelligence.com/de/industry-reports/europe-halal-food-and-beverages-market), mit langfristig starken Wachstumsraten.
Darauf hat die OSI Convenience Europe GmbH mit einer strategischen Entscheidung reagiert. Seit Juli 2025 sei die Produktion des Werrkes im nordrhein-westfälischen Erkelenz (Bild o., Foto: Vital convenience) vollständig umgestellt und halal-zertifiziert. Damit würden nun Chicken-Produkte vom Rohstoff bis zum veredelten Endprodukt nach Halal-Regeln hergestellt.
„Die Produktion von Halal-Produkten ist für uns ein wichtiger Wachstumsmarkt und ebenso Ausdruck der gesellschaftlichen Vielfalt in unseren Märkten, der wir Rechnung tragen“, betont Marc de Ahna, Sales Director Foods bei OSI. Mit der Halal-Zertifizierung in Erkelenz am Niederrhein reagiere OSI auf die sich veränderten Marktanforderungen und schafft ebenso neue Produktions- und Liefersicherheit für die Nachfrage der Kunden in Handel und Gastronomie. Zudem sei das Unternehmen so in der Lage, neue Zielgruppen zu erreichen.
Wachsende Halal-Nachfrage
Die Halal-Entscheidung sei Teil einer langfristig angelegten Wachstumsstrategie des Unternehmens. Der Halal-Markt in Deutschland gelte seit Jahren als stabil wachsendes Segment der Lebensmittelbranche. Rund sechs Millionen muslimische Mitbürger leben Stand Oktober 2025 (IKH-Inforbroschüre „Der deutsche Markt für Halalprodukte“, Dr. Mansour Mansour) in Deutschland. Das entspricht etwa 6,5 Prozent der Bevölkerung. Gleichzeitig wachse auch bei anderen Konsumentengruppen die Sensibilität für Herkunft, Transparenz und klar definierte Produktionsstandards.
Halal-Produkte seien für viele Konsumenten heute nicht nur religiös-konforme Produkte, sondern würden zunehmend als Zeichen allgemeiner Produktqualität, Sicherheit und Reinheit gelten, insbesondere im Bereich tiefgekühlter Convenience- und Geflügelerzeugnisse.
Der Umsatz des Halal-Markts liege allein in Deutschland bei rund 5 Milliarden Euro. Den größten Anteil daran hätten Fleisch- und Geflügelprodukte. Je nach Produktsegment würden Zuwächse von bis zu 20 Prozent verzeichnet. Besonders stark entwickeleten sich hierbei veredelte und tiefgekühlte Convenience-Artikel, da sie dem Trend moderner Ernährungs- und Konsumgewohnheiten entsprechen.
Strategische Standortentscheidung
Für die OSI Convenience Europe GmbH sei es daher ein logischer Schritt gewesen, die halal-Hühnchenprodukte vollständig selbst zu produzieren. Während bislang bereits halal-konform geschlachtete Ware eingesetzt worden seien, erfolge nun die komplette Weiterverarbeitung am Standort in Erkelenz unter zertifizierten Bedingungen.
Um eine nachhaltige regelkonforme Produktion sicherzustellen, sei der komplette Prozess integriert und reiche von der Kontrolle beim Wareneingang über das Zerkleinern, Mischen, Formen und Panieren bis hin zum Frittieren, IQF-Frosten und letztlich zum Verpacken. Zudem werde bereits auf Betriebsebene großer Wert auf eine artgerechte Haltung, eine stressarme Aufzucht sowie eine tierschutzkonforme Behandlung der Tiere gelegt, um hohe ethische und qualitative Standards entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu gewährleisten. Nach einer rund sechsmonatigen Umstellungsphase befinde sich die Produktion halal-zertifizierter Chicken-Produkte seit Juli 2025 im Regelbetrieb.
Mehr als nur ein weiteres Siegel
Die Zertifizierung sei nach den Vorgaben der Halal Europe Certification erfolgt und ergänze die bestehenden Qualitäts- und Lebensmittelsicherheitsstandards des Werks. Es würden beispielsweise routinemäßig Audits (HACCP, Lebensmittelsicherheit, GMP, Tierschutz und globale OSI-Standardisierung) durchgeführt. Die Basis hierfür stelle das IFS-zertifizierte Qualitätsmanagement in Kombination mit QS-Standards und den Anforderungen der Initiative Tierwohl dar.
Sämtliche eingesetzten Rohstoffe müssten den Vorgaben entsprechen. Dazu zählten Fleisch, Gewürze, Panaden und funktionelle Zusatzstoffe ebenso wie Verpackungsmaterialien, Reinigungsmittel oder technische Hilfsstoffe wie Schmierstoffe. Jeder einzelne Bestandteil werde dokumentiert und regelmäßig überprüft. Auch die gesamte Lieferkette sei eingebunden. Lieferanten seien verpflichtet, entsprechende Zertifikate vorzulegen oder in festgelegten Intervallen detaillierte Fragebögen der Zertifizierungsstelle auszufüllen. Darüber hinaus unterliege das gesamte Werk einem jährlichen Audit.
Chicken-Vielfalt vom Nugget bis zum Patty
Zertifiziert seien sämtliche Hühnchenprodukte des Standorts Erkelenz. Das Portfolio umfasse unter anderem Chicken Nuggets in unterschiedlichen Varianten, Chicken Wings in verschiedenen Geschmacksrichtungen sowie Chicken Burger Patties und weitere Geflügelartikel. Alle Produkte seien tiefgekühlt verfügbar und erfüllten die Anforderungen des HACCP-Systems.
Durch moderne Produktionsverfahren wie IQF-Frosten blieben Form, Struktur und Saftigkeit der Produkte erhalten. Unterschiedliche Panaden, Backteige oder Gewürzprofile ermöglichten vielfältige Einsatzmöglichkeiten – vom Snack- und Share-Konzept über Pizza- und Wrap-Anwendungen bis hin zur klassischen Burgerlösung.
Bestehende Artikel könnten nun auch halal-zertifiziert angeboten werden, ohne dass sich Rezeptur, Handling oder Zubereitung grundlegend ändern. Für Foodservice, Catering und Gastronomie entstehe zusätzliche Planungssicherheit, da es einheitliche Standards, hohe Verfügbarkeit und klar definierte Spezifikationen gibt. „Wir können durch diese Entscheidung nicht nur die Bedürfnisse unserer Kunden besser erfüllen, sondern stärken zugleich den Standort Erkelenz langfristig“, erklärt Marc de Ahna. Die Produktion in Erkelenz schaffe kurze Wege, reduziere Abhängigkeiten von Importstrukturen und erhöhe die Lieferstabilität, ein entscheidender Faktor insbesondere für systemgastronomische Konzepte und Catering-Anbieter im DACH-Raum.