Metzgerei Schmidkunz: Fichtelgebirge im Laden

Neue Generation, neuer Laden: In zweiter Generation investierte Christoph Schmidkunz in eine nachhaltige Verkaufslokalität. Das Ergebnis: Ein gelungener Mix aus Handwerkskunst, Transparenz, Tradition, regionaler Verbundenheit und Moderne.

Foto: M. Theimer

Es war im Frühjahr 2016 auf der Int. Handwerksmesse in München, als ich Christoph Schmidkunz (30) kennenlernte, wo er als einziger junger Mann unter vielen Kolleginnen aus dem Fachverkauf an der Ladentheke und nicht in der Wurstküche im Einsatz war. Ein Jahr später berichtete eine Autorin aus seiner Region in unserer Ausgabe 6/2017 über ihn. 2023 traf ich ihn im Sommer auf einer Tagung des Fleischerverbands Bayern wieder. Auf meine Frage, wie es mit dem Ladenumbau stehe, sagte er: „Das dauert noch.“ Vor einigen Wochen kam dann Bewegung in die Sache. Ich verfolgte Storys auf Social Media und fuhr Mitte April hin, um den neu gestalteten Laden zu sehen.
Zunächst einige Hintergründe zu dieser Metzgerei, einer von vieren in der 16.000-Einwohner-Stadt in Oberfranken unweit der Grenze zu Tschechien. Aus dem dortigen Asch (heute: As), rund 10 km östlich gelegen, kam die Familie Müller nach dem Zweiten Weltkrieg nach Selb und gründete eine Metzgerei mit Wirtshaus. Mangels Nachfolger übernahmen Christophs Eltern Horst und Elke Schmidkunz 1989 die Metzgerei von dessen Lehrmeister, bauten um und erweiterten die Produktion.

Seit 1. Januar 2024 führt ihr jüngster Sohn Christoph den Betrieb, In ihrer Freizeit unterstützt ihn seine Frau Lea. Er hat zwei ältere Geschwister. Nach seinem Realschulabschluss lernte der damals 16-Jährige in der Metzgerei Herpich in Hof, absolvierte 2013 den Meisterkurs, wurde 2014 Betriebswirt des Handwerks und arbeitete in der Metzgerei mit. Er bildete sich an der Fleischerschule in Augsburg zum Fleisch-, Wurst- und Schinkensommelier und Ernährungsberater weiter und war 2015/2016 Fachlehrer an der Berufsschule in Hof. Zwei Jahre gab er sein Wissen zudem als Gewürzsommelier im Fleischsommelier-Kurs in Augsburg weiter. Seit Februar ist er stv. Obermeister der neuen Fleischer-Innung Oberfranken Nord.

Foto: M. Theimer

Handwerk überall sichtbar

Nach dem Interview zeigt er mir den neuen Laden (90 qm, zuvor 60 qm), der am 27. März 2026 eröffnete. „Die Planung begann 2023. Meine Ansprüche waren hoch. Ich wollte möglichst unabhängig vom klassischen Ladenbau sein. Daher entschied ich mich, mit Peter Obermeier, Spezialist für Inneneinrichtung aus Atting, zusammenzuarbeiten“, berichtet er. Doch die plötzliche Insolvenz eines Kulmbacher Ladenbauers verzögerte alles. „Peter Obermeier empfahl mir die ihm bekannte Schreinerei Fenzl aus Straubing, die alle Holz-rbeiten ausführte“, ergänzt er.

Am 7. Januar 2026 ging es los. Die Metzgerei baute einen stationären Verkaufsstand im Innenhof auf. Die Kernsanierung begann. „Bis die Baufirma fünf Tage später kam, hatten wir 40 % der alten Ladenräumlichkeit abgebaut“, sagt er. Es ging ja nicht nur darum, einen neuen, schicken und funktionellen Laden zu schaffen, sondern auch neue Heiz- und Klimatechnik, die Stromversorgung, Aufzüge sowie einen 16/7-SB-Shop. Dieser 38 qm große Raum ist barrierefrei durch eine zweite Tür begeh- und eine Glasschiebetür abtrennbar. Holzregale, zwei Kühlschränke, ein TK-Schrank, Bezahlterminal, Kameras und ein großer Bildschirm sind darin zu finden. Zum Deckenabschluss hin sind an den Wänden meterlang grüne Kunstpflanzen angebracht. „Die symbolisieren Frische, Natur und das Fichtelgebirge. Und an der Decke ein weiß-blauer Himmel“, erklärt er. Der SB-Shop ist von 5 bis 23 Uhr geöffnet, eintreten und bezahlen können die Kunden mit ec- und Kundenkarte.

Was ist noch neu?

Foto: M. Theimer

Vor allem gibt es nun keine Höhenunterschiede mehr. Optisch etwa Wandelemente aus Kunststein-Imitat mit Felsstrukturen aus dem Fichtelgebirge und warme Holzwände mit unterschiedlichen Strukturen und Maserungen. Auch eine neue Heißtheke, eine längere, stützenfreie Kühltheke mit wandelbarem SB-Segment, vier neue Kühlschubladen sowie eine „Schatzkiste“ mit schwarzem Untergrund und separater Kühlung für Premium-Fleisch-Cuts. Daneben ein „Meisterarbeitsplatz“ mit Hackstock. Daran schließt sich die Dry-age-Reifezelle (2,20 x 2,20 m) an, in der Rinderteilstücke am Knochen vier bis sechs Wochen veredelt werden. „Unsere Kernkompetenz Salami zeigen wir im ‚Juwelier‘-Hochschrank mit Glasscheibe neben dem Eingang: etwa Haussalami, Chorizo, mediterrane Salami. So sieht handwerkliche Ehrlichkeit aus.“

Lokal verwurzelt

2025 wurde ein Teil der Produktion umgebaut, es folgen Aufzüge in den Keller zu den Lagerräumen, die warme Küche und das Eingangsportal. Alles zeitlich hinzubekommen, war die größte Herausforderung. Die Zusammenarbeit aller Beteiligten bei dem Ganzen habe sehr gut funktioniert, besonders mit der Bauleitung. Und wo kommen die Tiere her? Schweine, auch Strohschweine, und Rinder von Landwirten aus rund 15 km Umkreis werden in den Metzgerschlachthöfen in Marktredwitz und in Helmbrechts geschlachtet – jeden Samstag und Montag. „Unsere Kundschaft kennt die Bauern. Sie erwarten, dass das, was in der Theke liegt, von Metzgerhand hergestellt ist. Das ist echte, regionale Wertschöpfung“, betont Christoph Schmidkunz. Der neue Laden ist die Basis für die Zukunft. Marco Theimer

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