Meat & Greet

Im Angesicht großer Herausforderungen

Am 23. und 24. Oktober fand die erste Fachkonferenz „Meat & Greet“ von FH Fleischerhandwerk in Zusammenarbeit mit Management Forum Starnberg in Fürstenfeldbruck statt. Ob Nachhaltigkeit, Personal, Digitalisierung – das Fleischerhandwerk steht vor hohen Anforderungen in Bezug auf Prozesse, Logistik und Equipment. Es müssen eine Vielzahl an Faktoren berücksichtigt werden, um die fortlaufende Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit sicher zu stellen. Die Teilnehmer erwarteten zwei ereignisreiche Tage, sie konnten sich inspirieren lassen, von anderen Unternehmen lernen und wertvolle Kontakte knüpfen.

Olga Graf (li.) und Moderatorin Verena Pliger (re.)

Die Begrüßung erfolgte am Mittwochmorgen durch Moderatorin Verena Pliger, dem Management Forum Starnberg und Marco Theimer, Chefredakteur FH Fleischerhandwerk: „Mein bzw. unser Ziel war es, möglichst viele junge Initiativen, die dem Metzgerhandwerk durch ihr Engagement neue starke Impulse gegeben haben und die Berufe des Fleischerhandwerks durch ihre öffentlichkeitswirksamen Aktionen und Aktivitäten positiv beeinflusst haben, an einem neutralen Ort zusammenzubringen“, begründete er die Motivation der Netzwerk-Veranstaltung. „Nur gemeinsam wird es gelingen Herausforderungen wie Nachwuchs- und Fachkräftemangel, Digitalisierung und andere vielleicht heute noch unbekannte Nebenerscheinungen des gesamtgesellschaftlichen und globalen Wandels zu meistern.“

Danach machte Referentin Olga Graf den Anfang. Sie ist Mitgründerin von Food Kompanions, Vorstand des Butcher’s Manifesto sowie strategische Partnerin bei J2C. Bei ihrem Vortrag lag der Fokus auf der New Food Economy und somit auch auf dem schnellen Wandel der Gesellschaft. „Es ist an der Zeit Neues auszuprobieren, Neues zu schaffen und Altes neu zu entdecken“, appellierte sie an die Teilnehmer. Zudem ist es wichtig, Trends zu entdecken und darauf zu setzen, denn es sind sozusagen Frühwarnsysteme. Vielleicht gibt es ja bald eine Wurst aus Insekten?

Johannes Bechtel

Prozessoptimierung

Johannes Bechtel, Juniorchef Fleischerei Bechtel, konzentrierte sich auf die Digitalisierung im Fleischerhandwerk. Er ist sich sicher: „Es ist ein großer Fehler das Thema noch nicht ernst zu nehmen.“ Weiter berief er sich auf eine Unterteilung: die interne und die externe Digitalisierung. Intern bedeutet Prozesse zu optimieren, damit mehr Zeit zum Handwerken bleibt. Extern bezieht sich auf den kompletten Social-Media-Bereich. Die Fleischerei Bechtel schuf sich 2016 einen Wurstautomaten an. Die Bestände können rund um die Uhr über eine spezielle Software überwacht werden. Zusätzlich entwickelte der Juniorchef eine eigene App, in der Kunden aktuelle Angebote und Speisenpläne finden, Abholbestellungen aufgeben können und die neusten Informationen erhalten.

Qualität im Internet

Lars Tinapp und Florian Stocker von Jäger & Sammler

„Jäger und Sammler“-Gründer Florian Stocker (Metzgermeister) und Lars Tinapp (Diplom Wirtschaftsingenieur) legen Wert auf artgerechtes Fleisch. 2016 kam es bei einem gemeinsamen Urlaub zur Idee und zur Gründung von Jäger und Sammler, ein Online-Metzger, der artgerechtes Bio-Fleisch aus Freilandhaltung im Internet direkt an Kunden verkauft. „Qualität kann sich durchsetzen“, sind sich die beiden sicher. Eine ordentliche Präsentation ist sehr wichtig, das fängt beim Metzger selber an bis hin zum Online-Shop. Bilder sollten „ansprechend aber ehrlich“ sein, sagt Lars Tinapp. „Bearbeitete Bilder erkennt heutzutage jeder“. Ihre Marketingstrategie beschreiben sie als reaktiv/proaktiv.

Laura Gertenbach möchte der Massentierhaltung entgegenwirken.

Clean Meat

Kann Fleisch aus dem Labor unser Klima retten? Bei ihrem Vortrag „Clean Meat – same delicious meat – different way“ erklärte Laura Gertenbach, Co-Founder & CEO Innocent Meat ihre Idee hinter dem Start-Up Innocent Meat. Vor allem Isreal und die USA forschen derzeit an kultiviertem Fleisch, das aus Zellen von Rindern, Hühnern oder Schweinen entsteht. Laura Gertenbachs Mitgründer kommt aus der Krebsforschung. Zusammen arbeiten sie daran, mit tierischen Zellen, Hackfleisch im Labor zu produzieren. „Es ist eine Möglichkeit, besser Fleisch herzustellen“, erklärt sie. Derzeit befindet sich das Start-up noch in der Finanzierungsphase.

Provokante Werbung

Steffen Schütze, Inhaber der Metzgerei Hack (re.) und Michi Kasper (li.) mischen mit ihrer Werbung die Branche auf.

Michi Kasper, Geschäftsführer Kasper Communications und Steffen Schütze, Inhaber der Metzgerei Hack, stellten ihre Marketingstrategie vor und sorgten damit für den ein oder anderen Lacher. Auf Facebook mischen sie nämlich regelrecht die Branche auf. Bekannte Werbeanzeigen sind z. B.: „‘Berufswunsch: Irgendwas mit Tieren‘? Komm zu uns und werde Fachverkäuferin“, das dazugehörige Bild zeigt eine Frau, die einen Mett-Igel streichelt. Ein weiteres Beispiel: „Dein Name ist Mett. Christel Mett? Dann bewirb dich als Hack-Fleischverkäuferin“. Wenn es einen Shitstorm hagelt, reagieren Michi Kasper und Steffen Schütze gekonnt mit einem weiteren Bild – inklusive Spruch, versteht sich. Als z. B. das Video von Franck Ribéry mit dem vergoldeten Steak im Internet landete, sprangen die beiden auch gleich auf den Zug auf und stellten das Video mit einer vergoldeten Weißwurst nach. Das Video wurde auf Facebook mehrere tausende Male geteilt.

Gegen 17 Uhr ging es dann zur Besichtigung der Metzgerei Braun in Wiedenzhausen. Im dazugehörigen Huberwirt konnten sich die Teilnehmer bei einer Brotzeit abschließend nochmals austauschen und den Abend gemütlich ausklingen lassen.

… lesen Sie hier weiter: Tag 2

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