Kein Billigfleisch in der Hansestadt

Im Stadtstaat Bremen erheben alle politischen Parteien keinen ausdrücklichen Einspruch gegen die Verbannung von Billigfleisch. Der Bürgerantrag, den über 5.000 Bewohner der Hansestadt unterzeichnet haben und der sich für den Verzehr von Fleisch aus artgerechter Tierhaltung ausspricht, findet bei den politischen Entscheidungsträgern keinen echten Widerspruch, wie die taz in ihrer Online-Ausgabe berichtet. Das wird die 5.383 Bremer Bürger freuen, die die Nase von „Billigfleisch” voll haben. Das Agrarpolitische Bündnis Bremen (ABB) verlangt mit seinem Antrag, dass binnen eines halben Jahres die gesamte Gemeinschaftsverpflegung innerhalb der Hansestadt ihr Fleisch aus artgerechter Haltung bezieht und verarbeitet – also nur noch in privat geführten Betriebsgaststätten, Kitas, Krankenhäusern, Schulen und Mensen.

Außerdem soll Bremen dort, wo es selbst Lebensmittel einkauft, etwa für Empfänge, schon in einem halben Jahr nur noch ethisch verantwortbares Fleisch auftischen. Von der Initiative betroffen sind laut dem Aktionsbündnis täglich 50.000 Tischgäste, darunter 14.000 Kinder und 2.500 Patienten und Patientinnen. Um in diesen Einrichtungen zukünftig auf „Billigfleisch“ zu verzichten, müsste die Stadt Bremen Verträge mit den jeweiligen GV-Managern ausarbeiten.

Die Rot-Grüne Regierung in Bremen hat den Antrag aber jetzt erst mal an den Haushalts- und Finanzausschuss sowie an die Gesundheits- und Landwirtschaftsdeputation übergeben, wie die taz weiter berichtet. „Das ist keine Beerdigung erster Klasse“, sagt der agrarpolitischer Sprecher der SPD, Jens Crueger, der früher schon mal für die Grünen im Landtag saß. Er zeige sich gegenüber der taz irritiert über den Begriff „artgerecht“, der ihrer Ansicht nach „völlig unbestimmt“ und „semantisch weit wie ein Scheunentor“ sei. „Der gesunde Menschenverstand bringt uns da weiter“, erwidert Kirsten Kappert-Gonther von den Grünen.

Karl-Peter Bargfrede vom ABB hat einen völlig klaren Blick auf das Bestreben, wie er gegenüber der taz deutlich macht: „Artgerecht“ ist aus seiner Sicht, was auch einem der Bio-Label genügt, allen voran Demeter oder Bioland. „Artgerecht“ sei aber auch, was dem Neuland-Siegel genüge. Dort sei die Haltung der Tiere „vorbildlich“, sagt Bargfrede, auch wenn die Fütterung der Tiere nicht rein ökologisch sei.

Die Linke bewerte den Antrag als „radikal“, aber auch „pragmatisch“, wie die taz weiter berichtet.

Landwirt und CDU-Politiker Frank Imhoff könne dem „so nicht zustimmen“. Für all jene, die dieses Zertifikat nicht einführen, bedeute eine solche Definition „eine Generalverurteilung, die wir nicht mitmachen können“. Die Menschen müssten immer die Wahl haben, findet Imhoff – und am Fleischumsatz im Discounter könne man sehen, dass „die Menschen noch nicht überzeugt sind“, sagte er der taz.

Im rot-grünen Koalitionsvertrag sei nur eine „Qualitätssteigerung“ der Essensversorgung festgehalten; sie bedeute, „dass Tierprodukte zunehmend aus ökologischer Tierhaltung angeboten werden“. Über die höheren Kosten für den Einkauf des Qualitätsfleisches seien sich die beiden Regierungsparteien in Bremen voll Bewusst. Die teureren Einkaufspreise dürften aber nicht zu 100 % an die Endverbraucher weitergegeben werden, wie Crueger gegenüber der taz ergänzt.

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