Das Amt für Standardisierung, Messwesen und Warenprüfung "ASMW war die führende Institution des Prüfwesens und zuständig für alle wichtigen Bereiche der Produktzulassung, Qualitätssicherung, Zertifizierung und Akkreditierung von Prüflaboratorien sowie für das Messwesen und die Normung". Mit dieser Feststellung unterstreicht der Präsident der BAM Bundesanstalt für Materialforschung und
-prüfung, Prof. Dr. M. Hennecke, in seinem Geleitwort die Bedeutung des zentralen Amtes der DDR, über das die vorliegende Publikation ausführlich informiert. Das Amt wurde 1950 als Deutsches Amt für Material- und Warenprüfung gegründet und führte nach der Vereinigung mit dem Deutschen Amt für Messwesen und dem Amt für Standardisierung der DDR ab 1. Januar 1973 die Bezeichnung Amt für Standardisierung, Messwesen und Warenprüfung. Die Autoren waren – zum Teil mehr als 25 Jahre – Mitarbeiter des Amtes.
In der Einleitung machen die Autoren darauf aufmerksam, dass komplexe Darstellungen über die Material- und Warenprüfung in der DDR mit den wichtigsten Zusammenhängen noch nicht vorhanden sind. In den Medien erschienen bisher Teilaspekte, die die vielfältigen Verflechtungen in der damaligen Realität nur begrenzt widerspiegeln.
Mit viel Fleiß, Umsicht und Sorgfalt haben die Autoren erst Jahre später begonnen, die verfügbare Literatur, noch erreichbare Dokumente und Aussagen ehemaliger Fachkollegen systematisch auszuwerten. Dies geschah nicht nur mit dem Ziel einer Darstellung der Entwicklung der Material- und Warenprüfung in der DDR. Gleichzeitig kam es auch darauf an, die Einflüsse der Politik und der Wirtschaft auf die Material- und Warenprüfung darzustellen.
Nach einem kurzgefassten Rückblick auf die Material- und Warenprüfung in Deutschland bis 1945 schildern die Autoren die Entwicklung der Material- und Warenprüfung in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands und in der DDR bis zur Wiedervereinigung. Schwerpunkt ist dabei die Entwicklung in den Jahren 1950 bis 1989.
Nach Gründung der DDR unterscheiden sie vier Entwicklungsabschnitte:
-die Entwicklung eines Systems der Material- und Warenprüfung als Element der zentralen staatlichen Planung und Leitung in der Volkswirtschaft der DDR (1950 bis 1962)
-die Weiterentwicklung der Qualitätssicherung und -kontrolle zur Stabilisierung der Wirtschaft der DDR unter den Bedingungen einer zunehmenden Kooperation im Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe RGW (1963 bis 1972)
-die Verstärkung des zentralen staatlichen und des Parteieinflusses auf die Qualitätssicherung und -kontrolle in der Wirtschaft der DDR (1973 bis 1980)
-der Versuch einer verstärkten Hinwendung zu einer durchgängigen stabilen Qualitätsproduktion unter Berücksichtigung veränderter Weltmarktbedingungen (1981 bis 1989).
Der Anhang beginnt mit Grundsätzen aus dem Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945 und endet mit dem letzten Statut des ASMW vom 23. Januar 1990. Er berücksichtigt die wichtigsten Rechtsvorschriften auf dem Gebiet der Material- und Warenprüfung für das Territorium der DDR.
Mit der Entwicklung in der DDR befassen sich gegenwärtig zahlreiche Schriften auf unterschiedlichem Niveau – von historischen Studien bis zu Erinnerungsbüchern. Nur wenige der vorliegenden Schriften stützen sich so gründlich auf Untersuchungen und eigene Erfahrungen wie die vorliegende Publikation. Dem Leser drängt sich bei der Lektüre wiederholt die Frage auf, welche Schlussfolgerungen aus den im Warenprüfwesen der DDR gewonnenen Erfahrungen gezogen werden können. Es drängen sich Fragen auf, wie z.B.: Ist ein einheitliches Prüfwesen besser als die gegenwärtige Zersplitterung? Brauchen wir eine Vielzahl von Gütezeichen und Gütesiegeln oder sollten wir uns auf wenige Gütezeichen beschränken? Wie können die im ASMW gewonnenen Forschungsergebnisse genutzt werden?
G. Fuhrmann, H. Jablonski, H.-H. Lehnecke, J. Thiele, L.-P. Wagenführ
Herausgeber: DIN Deutsches Institut für Normung e.V.
Beuth Verlag GmbH, Berlin, Wien, Zürich
1. Auflage 2010. 258 Seiten. A5. Broschiert. 26,80 EUR
ISBN 978-3-410-17748-7