Praxistipps von Experten

Effizient, sicher und ein geringer Verbrauch an Energie und Ressourcen – die Anforderungen an Anlagen- und Prozessgestaltung in der Lebensmittelindustrie sind hoch. Produktionsverantwortliche befinden sich in einem Spannungsfeld zwischen Effektivität und Sicherheit in der Produktion. Auf der 4. Fresenius Produktionsleiter-Tagung am 19. und 20. Januar 2011 in Dortmund erhielt das Fachpublikum unter anderem Praxistipps zum Aufbau eines Energiemanagementsystems und zur Umsetzung von TPM-Konzepten.

Seit dem 1. August 2009 ist die europäische Norm DIN EN 16001 in Kraft. Sie dient als Grundlage für die Einführung, den Nachweis und die Zertifizierung eines Energiemanagementsystems, das Unternehmen unter Beachtung gesetzlicher Vorgaben in die Lage versetzen soll, den Energieverbrauch zu reduzieren. Den Unternehmen bleibt es überlassen, ob sie dabei ein eigenes Energiemanagementsystem aufbauen oder dieses in ein bereits bestehendes Managementsystem (zum Beispiel nach ISO 9001 oder ISO 14001) integrieren.

Kostensenkung durch Energiemanagementsysteme

Die Kosten für Unternehmen könnten durch Energieeinsparungen deutlich gesenkt werden, sagte Winfried Ruß von der Arbeitsgruppe Umwelttechnik der Lebensmittelindustrie (Technische Universität München). Um Einsparpotenziale zu identifizieren, müsste zunächst der Energieverbrauch erfasst und bewertet werden. „Effizienz beginnt mit Beobachtung: Wer seine Energiekosten nachhaltig senken möchte, muss wissen, wo und wann sie entstehen", erklärte Ruß. In jedem Unternehmen seien deutliche Senkungen des Energieverbrauchs möglich, ohne spürbar in das Tagesgeschäft einzugreifen. Um den Anforderungen der DIN EN 16001 zu entsprechen, bedarf es zunächst einer Ist-Analyse und Situationsbeschreibung. Des Weiteren gilt es, die gesetzlichen Anforderungen zu identifizieren und Prioritäten sowie strategische und operative Ziele festzulegen. So könnten Unternehmen schließlich eine Struktur zur Zielerreichung aufbauen und Instrumente der Planung, Steuerung und Überwachung einführen, so Ruß.

Weitere Schritte zur Kosteneinsparung seien laut Ruß der Aufbau eines Energiekostenmanagements, Energie-Controlling und -Benchmarking. Außerdem erhielten Unternehmen Steuervergünstigungen vom Staat, wenn sie bestimmte gesetzliche Forderungen (ENEG, ENEV, EEG, EEWärmeG) erfüllen, die CO2- und Umweltbelastung verringern und somit einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Ein solches Verhalten könne auch Wettbewerbsvorteile mit sich bringen, das Image steigern und somit den Standort sichern. Darüber hinaus sollten Unternehmen das Energiebewusstsein ihrer Mitarbeiter schärfen, forderte der Experte. Um die Bereitstellung von Energie zu sichern und die Effizienz kontinuierlich zu verbessern, biete sich ein Energiemanagementsystem an: Entsprechend des PDCA-Zyklus (Deming-Kreis: „Plan – Do – Check – Act") könnten die Ziele und Prozesse in der Planungsphase festgelegt, umgesetzt, überprüft und schließlich verbessert werden.

TPM und KPI: Prozessoptimierung in der Praxis

„Weg vom Papier" – so lautet das Motto eines systemgeführten Asset Managements, das am zweiten Veranstaltungstag vorgestellt wurde. Asset Management ist die konsequente Weiterentwicklung des klassischen Total Productive Managements (TPM), sagte Martin Kiefer von der FELTEN GmbH: Eine zentrale Verwaltung und Steuerung der Prozesse führten zu einer größeren Transparenz. Das Controlling und die statistische Auswertung könnten dadurch vereinfacht werden, so der Experte. Darüber hinaus sei eine bessere Trennung von Maßnahmen- und Mängelprozessen möglich. „Ein TPM-System-User konnte beispielsweise eine Steigerung der Auftragsmenge um 24 Prozent bei gleichzeitiger Senkung der Arbeitszeit um etwa 20 Prozent verzeichnen", berichtete Kiefer. Weitere Ergebnisse dieses Unternehmens seien eine um 61 Prozent geringere Lieferzeit und eine Fehlerquote von unter 0,1 Prozent.

Key Performance Indicators (KPI) sind betriebswirtschaftliche Kennzahlen, anhand derer der Fortschritt oder der Erfüllungsgrad hinsichtlich bestimmter Zielsetzungen gemessen und ermittelt werden kann. „Diese Leistungskennzahlen dienen nicht nur der Aus- und Bewertung, sondern sind auch zuverlässig, transparent, nachvollziehbar und in Echtzeit verfügbar", beschrieb Kiefer die Eigenschaften der Kennzahlen. KPIs werden immer aus den aktuellen Messwerten ermittelt. Sie unterstützen die Gestaltung und den Nutzen von kontinuierlichen Verbesserungsprozessen, zum Beispiel für Benchmarks, Zielvorgaben oder Beurteilung von Fertigungsprozessen. Demzufolge sollte jedes Unternehmen die Wertigkeit seiner KPIs individuell festlegen, riet Kiefer. Eine Sammlung von 20 KPIs für den Einsatz und die Anwendung von prozessnah operierenden Fertigungsmanagementsystemen oder Betriebsleitsystemen (Manufacturing Execution Systems, MES) ist im VDMA-Einheitsblatt 66412-1 enthalten.


Die Tagungsunterlagen mit den Skripten aller Vorträge der Fresenius-Konferenz können zum Preis von 295,- EUR zzgl. MwSt. bei der Akademie Fresenius bezogen werden.

Kontakt:
Die Akademie Fresenius GmbH
Monika Stratmann
Alter Hellweg 46
44379 Dortmund
Tel.: +49 231 75896-48, Fax: +49 231 75896-53
E-Mail: mstratmann@akademie-fresenius.de
http://www.akademie-fresenius.de

 

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