Studie macht Tierwohl messbar

Der Begriff Tierwohl ist ein fester Bestandteil in der gesellschaftlichen Diskussion geworden und spielt in allen Überlegungen zur Zukunft der Tierhaltung die tragende Rolle. Was aber genau ist „Tierwohl“? Wie kann man es erkennen und noch wichtiger: verbessern? Um diese Fragen wissenschaftlich fundiert zu beantworten, haben Forscher des Lehrstuhls für Tierschutz an der LMU München über einen Zeitraum von zwei Jahren die konventionelle Hähnchenhaltung mit der Aufzucht von Privathof-Geflügel bei Wiesenhof untersucht und verglichen.

Mit der Entwicklung von Privathof-Geflügel entspricht Wiesenhof dem Wunsch vieler Verbraucher nach einem Konzept, das eine besonders tiergerechte Haltung in den Fokus stellt. Im Januar 2013 wurde Wiesenhof Privathof-Geflügel vom Deutschen Tierschutzbund mit dem Siegel „Für Mehr Tierschutz“ der Einstiegsstufe gekennzeichnet. Ein Jahr später zieht Wiesenhof eine erfreuliche Bilanz: „Wir arbeiten seit vielen Monaten an der erfolgreichen Einführung und Etablierung unseres Tierwohlkonzepts Wiesenhof Privathof-Geflügel. Umso mehr freut es mich, dass es gelungen ist, seit der Einführung im Oktober 2011 die Anzahl der Betriebe von 12 auf aktuell 44 zu steigern und den Absatz zu versechsfachen“, erklärt Dr. Josef Bachmeier, Geschäftsführer der Brüterei Süd und Mitglied des Labelbeirates Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes.

Neben dem Einsatz einer langsamer wachsenden Rasse (Linie Cobb Sasso), einer längeren Aufzuchtdauer der Hähnchen sowie einer geringeren Besatzdichte und dem Auslauf in einem überdachten Wintergarten sind die Privathof-Ställe mit Strohballen, Picksteinen und Sitzstangen ausgestattet. So haben die Tiere die Möglichkeit, ihre natürlichen Verhaltensweisen besser auszuleben. Unter konventionellen Bedingungen steht den Tieren dieses Beschäftigungsmaterial nicht zur Verfügung, die Besatzdichte ist den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend höher und es wird eine schneller wachsende Rasse (Linie Ross 308) eingesetzt.

Im Rahmen der wissenschaftlichen Studie wurden neben der Gesundheitsbeurteilung der Hähnchen – zu der unter anderem der Ernährungszustand, der Befiederungszustand und die Fußballengesundheit gehören – auch die Verhaltensweisen der Tiere analysiert: Dazu gehören das Ruhen/Liegen, Stehen/Scharren/Picken, Laufen, Wasser- und Futteraufnahme, Staubbaden sowie Aktivitäten hinsichtlich der angebotenen Strohballen, Picksteine und Sitzstangen. Stallklimatische Untersuchungen und weitere Parameter wie der Gehalt an Ammoniak und Staub waren ebenfalls Gegenstand der Studie.

Privathof-Konzept verbessert die Tiergesundheit
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Hähnchen, die unter Privathof-Bedingungen aufgezogen werden, aktiver sind als die Hähnchen aus konventioneller Haltung. Fast 90 Prozent der Tiere hatten am Ende der Aufzucht eine agile Gangart. Auch bei der Fußballengesundheit zeigten die Privathofhähnchen keine oder nur milde Ausprägungsgrade von Veränderungen. Der Einsatz des Beschäftigungsmaterials wirkte sich ebenfalls positiv aus: „Insbesondere die Picksteine und Strohballen wurden intensiv von den Tieren angenommen und adäquat, sowohl als Deckungsmöglichkeit in den ersten Lebenstagen als auch als Beschäftigungsmaterial genutzt. Die Strohballen wurden zudem für erhöhtes Liegen und Ruhen angenommen. Der zusätzlich angebotene Wintergarten wurde bei gutem Wetter von den Masthühnern häufig besucht“, sagt Prof. Dr. Michael Erhard, Leiter des Lehrstuhls für Tierschutz, Verhaltenskunde, Tierhygiene und Tierhaltung an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse der Studie, dass Masthühner der Linie Cobb Sasso in besonderem Maße für das vorgestellte alternative Haltungsmodell geeignet sind. Insgesamt sind die erzielten wissenschaftlichen Ergebnisse sowohl hinsichtlich Tiergesundheit als auch hinsichtlich Tierverhalten sehr positiv zu bewerten. „Mit der bei Privathof-Geflügel eingesetzten Besatzdichte und den angebotenen Ressourcen Sitzstangen, Strohballen und Picksteinen ist sowohl eine tierschutzgerechte als auch wirtschaftliche und verbraucherfreundliche Masthühnerhaltung möglich“, erklärt Dr. Elke Rauch, Fachtierärztin für Tierschutz sowie für Tierhaltung und Tierhygiene an der LMU München.

Privathof-Geflügel als Zukunftsmodell
Auch beim Thema Antibiotika-Einsatz erzielt Privathof-Geflügel sehr gute Ergebnisse: „Unsere Privathof-Landwirte kommen seit Einführung des Konzeptes zu weit über 90 Prozent ohne jegliche Antibiotikabehandlung aus“, berichtet Bachmeier. „Wir sind zuversichtlich, den Erfolg von Privathof noch deutlich auszubauen. Das hängt aber auch stark von der Bereitschaft des Handels und der Verbraucher ab, ‚Tierwohl‘-Produkte zu unterstützen.“

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