TBT-Gift landet im Nordseefisch

Hamburg(ots). Flundern aus der Nordsee sind erheblich mit TBT (Tributylzinn) belastet. Auch in Nordsee-Miesmuscheln fanden sich bedenkliche Konzentrationen des Dauergiftes und anderer Organozinnverbindungen. Spezialmessungen zeigten: Durch das Braten der Fische wird die Giftbelastung nicht reduziert. Dies ist das Ergebnis einer Greenpeace-Untersuchung, mit der erstmals deutsche Nordsee-Speisefische eingehend auf die Belastung mit Organozinnverbindungen getestet wurden. Die TBT-Werte der Nordseeflundern liegen damit meist höher als die kürzlich von der Fernsehsendung “Plusminus” in Kleidungsstücken gefundenen TBT-Konzentrationen.

“TBT hat in der Umwelt nichts zu suchen, weder in der Kleidung und noch viel weniger auf dem Teller”, sagt Manfred Krautter, Greenpeace-Chemieexperte. “Die deutsche chemische Industrie ist für 80 Prozent der Weltproduktion an TBT verantwortlich. Greenpeace fordert seit Jahren Chemie- und Schiffsindustrie auf, die Produktion und Anwendung zu verbieten. Obwohl Alternativen vorhanden sind, weigern sich die Branchen, auf das Gift zu verzichten. Jetzt kann nur noch die Bundesregierung durch ein Sofortverbot die Gefahr bannen.”

Im Juni und November 1999 ließ Greenpeace Flundern aus verschiedenen Fanggebieten der Nordsee durch das norddeutsche TBT-Speziallabor GALAB untersuchen. Die Belastung der Flunder-Filets lag bei 1,4 bis 2,4 Mikrogramm TBT pro Kilogramm (Messwert als Zinn). Ferner fanden sich hohe Belastungen weiterer Organozinnverbindungen wie Triphenylzinn (TPT), Dibutylzinn (DBT) und Monobutylzinn (MBT) mit bis zu 20 Mikrogramm pro Kilogramm. Die Lebern der Fische waren mit bis zu 13 Mikrogramm TBT und bis zu 92 Mikrogramm TPT pro Kilogramm noch deutlich stärker durch die Umweltgifte belastet. In den Filets von Ostsee-Schollen und Sylter Miesmuscheln wurden TBT-Konzentrationen von jeweils 0,8 Mikrogramm pro Kilogramm sowie andere Organozinnverbindungen gefunden.

Tributylzinn (TBT) gehört zu den giftigsten Stoffen, die jemals hergestellt und in die Umwelt entlassen wurden. Dennoch existiert bis heute kein europäischer Grenzwert für TBT und die anderen hochgiftigen Organozinnverbindungen für Meerestiere. TBT tötet schon in kleinsten Mengen Algen oder Muscheln und wird deshalb in Schiffsfarben gegen Bewuchs der Rümpfe eingesetzt. Es kann das Immunsystem des Menschen schädigen und sein Hormonsystem beeinträchtigen. Nach Meinung von Greenpeace müssen Lebensmittel wegen dieser Wirkung absolut frei von Organozinnverbindungen sein.

Einer der führenden TBT-Experten, Dr. Jürgen Kuballa hat für Greenpeace die Fische untersucht: “Die von uns gefundenen Gehalte an TBT und anderen Organozinnverbindungen in Nordseeflundern sind Besorgnis erregend. Für Menschen, die häufiger solchen Fisch essen, besteht langfristig die Möglichkeit einer Gesundheitsgefährdung. Die Freisetzung von TBT in die Umwelt sollte daher schnellstmöglich unterbunden werden.” Die vorliegende Greenpeace-Untersuchung musste sich auf Stichproben konzentrieren und kann keinen umfassenden Überblick über die Belastung von Speisefisch geben. Weitere Tests durch die Behörden sind dringend notwendig.

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